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Vor London-Debüt
Arne Gabius: "Man muss die Konkurrenz suchen"

Fotos: Gabius läuft deutschen Marathon-Rekord in Frankfurt
Fotos: Gabius läuft deutschen Marathon-Rekord in Frankfurt FOTO: dpa, fve htf
Für den "Leichtathleten des Jahres" wird es 2016 richtig ernst: Was hat Arne Gabius beim London-Marathon an diesem Sonntag und vor allem bei den Olympischen Spielen den Assen aus Afrika entgegenzusetzen?

Arne Gabius trabt mal wieder am Gefängnis von Stammheim vorbei, das durch die RAF berühmt geworden ist. "Die Freiheit des Läufers", scherzt er beim Fotoshooting. Am Stadtrand von Stuttgart wohnt und rennt Deutschlands bester Marathonläufer - wenn er gerade nicht in Kenia im Trainingslager ist. Gegen Afrikas Asse tritt der 35-Jährige am Sonntag beim Klassiker in London an. Das ist seine Generalprobe für die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro. "Da laufen die Besten, da will ich auch hin. Ich will ja nicht nur in Rio auf sie treffen, sondern auch vorher. Man muss die Konkurrenz suchen", sagt Gabius in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Bei seinem ersten Rennen über die 42,195-Kilometer-Distanz, 2014 in Frankfurt, lieferte der Ausdauerspezialist mit 2:09:32 Stunden das beste Debüt eines Deutschen in der Leichtathletik-Geschichte. Beim zweiten, ein Jahr später ebenfalls am Main, verbesserte er den 27 Jahre alten nationalen Rekord auf 2:08:33 Stunden. Beide Male waren die Rennen auf den Sportler vom LT Haspa Marathon Hamburg zugeschnitten. Jetzt muss er sich ganz allein behaupten im Feld von Weltklasseathleten. Und auch seine Frau Anne wird nicht mit dem Fahrrad an der Strecke sein und ihm die Trinkflaschen reichen - die Hobbyläuferin gibt an der Themse ihr Marathon-Debüt.

Gabius peilt eine Bestzeit an, so selbstbewusst ist er. Seit dem Vorjahr in Frankfurt fühlt sich der EM-Zweite von 2012 über 5000 Meter "wirklich als Marathonläufer". Weil er sich damals mit Oberschenkelproblemen durchquälen musste, weil er danach "total kaputt" war. Die Blessur machte ihm auch in den Monaten danach noch zu schaffen. "Ich habe dennoch 230, 240 Kilometer die Woche in Kenia qualitativ gut trainiert und mich dabei auch sehr gut gefühlt", sagt Gabius jedoch. "Ich glaube, dass ich für den Marathon sehr gut vorbereitet bin."

Kritik an der Dominanz des Fußballs wird lauter FOTO: dpa, rhi hpl hak

Längst beschäftigt sich der Mediziner auch mit seiner Olympia- Teilnahme. In Rio wird es keine Tempomacher geben - und vielleicht auch keine überirdische Siegerzeit. 2012 in London gewann Stephen Kiprotich aus Uganda in 2:08:01 Stunden, vier Jahre zuvor triumphierte Samuel Kamau Wanjiru aus Kenia in Peking in 2:06:32 und 2004 in Athen der Italiener Stefano Baldini in 2:10:55.

In Kenia traf Gabius kürzlich Kiprotich. "Er meinte, die Kenianer hatten ihn gefragt: Kannst du nicht Tempo machen? Am Anfang sagte er ja. Dann hat er sich gesagt: Ne, doch nicht, ich will meine Chance selbst suchen - und hat kein Tempo gemacht. Da waren die Kenianer auf einmal nervös", erzählt er, die Vorfreude auf Rio ist ihm anzusehen.

Prognosen wagt Gabius nicht, aber beim Marathon stehen seine Chancen möglicherweise besser als auf der Bahn: Bei den Weltmeisterschaften 2009 und 2013 sowie bei den Sommerspielen 2012 schied er jeweils im Vorlauf aus.

Gabius mit schnellstem deutschen Marathon-Debüt FOTO: dpa, rho nic

Seine zweite Karriere im Langstreckenlauf soll aber auf der Ziellinie von Rio noch nicht beendet sein. "Ich probier's aus, wie lange es geht. Meine Frau wird mir schon sagen, wenn ich mal Stopp machen muss, wenn es anfängt, lächerlich zu werden", sagt er. "Sie wird dafür sorgen, dass ich nicht den Absprung verpasse."

(dpa)
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