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Leichtathletik-EM
Stepanowas Start wird zum Drama – Deutsche mit gutem Auftakt

Stepanowa muss verletzt aufgeben
Stepanowa muss verletzt aufgeben FOTO: dpa, mkx nic
Amsterdam. Die starken deutschen Werferinnen Betty Heidler und Julia Fischer machten Hoffnungen auf Medaillen, Speerwurf-Favorit Thomas Röhler und Kugelstoß-Titelverteidigerin Christina Schwanitz gaben sich ebenfalls keine Blöße - nur Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa war zunächst traurig. Eineinhalb Jahre nachdem die Russin als Whistleblowerin das Dopingsystem in ihrem Heimatland mitaufgedeckt hatte, gab sie bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam ihr Comeback auf der großen Bühne – und verletzte sich direkt.

Mit Startnummer 2117 trat die inzwischen in die USA geflüchtete 30-Jährige am Mittwochabend um kurz nach halb sieben in ihrem 800-m-Vorlauf an, musste aber nach etwas mehr als 600 Metern ihren Lauf unterbrechen. Letztendlich schleppte sie sich mit zerknirschtem Gesicht ins Ziel. Erst nach einigen Minuten konnte sie wieder zumindest ein bisschen lächeln.

Denn alleine ihr Start, erst wenige Tage vor den Titelkämpfen vom Weltverband IAAF beschlossen, war ein Zeichen. Im Gegensatz zu ihren derzeit suspendierten Landsleuten durfte sie in Amsterdam antreten - allerdings unter Flagge des europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA. "Es war mein erster Wettkampf seit langem. Ich hatte überhaupt keine Gelegenheit, es auszuprobieren", sagte Stepanowa im ZDF: "Ich hatte eine Entzündung, mich aber trotzdem zur Teilnahme an der EM entschieden."

Mit der Teilnahme alleine geben sich die deutschen Medaillenanwärter nicht zufrieden. Dies unterstrichen sie am ersten EM-Tag deutlich. Und die Kapitänin Betty Heidler gab dabei den Startschuss. Die 32 Jahre alte Olympia-Dritte zog ebenso souverän ins Finale ein wie die Diskus-Asse Julia Fischer und Nadine Müller.

90-Meter-Werfer Röhler (83,98) und Kugelstoß-Titelverteidigerin Schwanitz (19,02) schafften die Qualifikation ebenfalls ohne Probleme im ersten Versuch. "Das war eine super Probe für das Finale", sagte Röhler, der am Donnerstag (18.35 Uhr) um Gold kämpft. Schwanitz darf schon zuvor (17.05 Uhr) wieder in den Ring.

"Wenn ich meine Leistung abrufe, ist eine Medaille drin"

"Als Kapitänin kann man sich keine Blöße geben", sagte Heidler nach ihren 71,46 Metern im ersten Qualiversuch: "Wenn ich meine Leistung abrufe, ist eine Medaille drin." Ohne Wackler schafften es auch Fischer (66,20) und Müller (64,75) in ihr Finale (Freitag, 20.15 Uhr).

Allerdings bekommen es die starken deutschen Frauen auch in Abwesenheit der gesperrten russischen Athleten mit richtig guter Konkurrenz zu tun. Im Hammerwerfen gilt Weltrekordlerin und Titelverteidigerin Anita Wlodarczyk (Polen) als Top-Favoritin, mit dem Diskus scheint die Kroatin Sandra Perkovic auf Gold abonniert.

Ebenfalls stark präsentierte sich EM-Debütantin Gina Lückenkemper. Die deutsche Meisterin stürmte als Drittschnellste ins Finale über 200 Meter und weckte damit ebenfalls Hoffnungen auf eine Medaille am Donnerstag (19.10 Uhr). "Ich denke, ich habe mich im letzten Jahr entwickelt und kann mit den Besten hier mithalten", sagte sie.

Einen bitteren EM-Start erlebte hingegen Hammerwerferin Kathrin Klaas. Die Frankfurterin kam angeschlagen nicht über 64,39 m hinaus und blieb damit deutlich unter ihrer Saisonbestleistung (71,78) - über drei Meter fehlten ihr zum Finale. Ebenfalls das Finale verpasste Speerwerfer Johannes Vetter (Offenburg), derzeit mit einer Saisonbestleistung von 88,23 m Zweiter der Welt.

Der erste Titel der EM ging an die Türkin Yasemin Can in 31:12,86 Minuten über 10.000 Meter.

(ems/sid)
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