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Untersuchung bei DFB-Arzt
Bolt reist ins DFB-Quartier zu Müller-Wohlfahrt

EM 2016: Usain Bolt reist ins DFB-Quartier zu Müller-Wohlfahrt
Usain Bolt will zu Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt FOTO: afp
Sprint-Superstar Usain Bolt muss wegen einer Oberschenkelzerung mindestens um sein angestrebtes "Triple" bei den Olympischen Spielen in Rio bangen. Den Dreifach-Start sollen der deutsche Star-Medizinier Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und eine "Lex Bolt" in Jamaikas Qualifikationsvorgaben ermöglichen.

Im EM-Quartier von Fußball-Weltmeister Deutschland will der schnellste Mann der Welt noch rechtzeitig für Olympia wieder auf die Beine kommen: Sprint-Superstar Usain Boll plant nach seinem Aus bei Jamaikas Rio-Ausscheidung wegen einer "leichten Oberschenkelzerung" angeblich einen Trip zum deutschen Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach Evian. Der sechsmalige Olympiasieger will sich von seinem renommierten Mediziner-"Guru" aus München laut Informationen der Zeitung Jamaica Gleaner für eine nachträgliche Olympia-Qualifikation fit machen lassen.

"Den Heilungsprozess sofort beginnen", kommentierte Bolt schon kurz nach seinem Rückzug von den Olympia-Trials in Jamaikas Hauptstadt Kingston auf seiner Facebook-Seite ein Foto von der ersten physiotherapeutischen Elektroden-Behandlung. Eine Visite beim "Doc" in Übersee dürfte der 29-Jährige dabei auch wohl tatsächlich schon im Sinn gehabt haben.

Müller-Wohlfahrt behandelt den Weltrekordler seit Jahren schon regelmäßig bei Verletzungen. Zuletzt kurierte der 73-Jährige, auf den weltweit zahlreiche Sportstars schwören, den Supersprinter vor der WM 2015 in Peking von Rückenproblemen und erst vor zwei Monaten von einer weiteren Oberschenkel-Blessur.

"Wunderheilung" hin oder her - für Rio läuft selbst dem Weltrekordler womöglich die Zeit davon: "Ich hatte schon nach dem Vorlauf Beschwerden und im Halbfinale wieder. Bei einer Untersuchung wurde eine Zerrung ersten Grades diagnostiziert", erklärte Bolt nach dem 100-m-Halbfinalsieg in 10,04 Sekunden seinen Rückzug von sämtlichen Trials-Wettbewerben.

Der ärztliche Befund stellt die leichteste Form einer Oberschenkelverletzung dar. Mediziner sagen für eine vollkommene Genesung einen Zeitraum zwischen wenigen Tagen und einer Woche voraus. Durch eine medizinisch begründete Ausnahmegenehmigung kann Bolt, der in Rio als Erster zum dritten Mal nacheinander Gold über 100 m, 200 m und mit der 4x100-m-Staffel gewinnen will, die erforderlichen Leistungsnachweise nachträglich erbringen.

Als "Tag X" fasst der Weltmeister den 22. Juli mit dem 100-m-Rennen beim Diamond-League-Meeting in London ins Auge. "Ich hoffe, dass ich da meine Fitness zeigen kann", teilte Bolt mit.

Ein Problem aber bliebe aber bestehen: Der Champion hat noch immer keine 200-m-Zeit aus der laufenden Saison vorzuweisen, und Jamaikas Verband JAAA gewährt nur Aktiven aus dem Kreis der drei Weltbesten die Chance zur Olympia-Qualifikation per Ausnahmeregelung.

Höchstwahrscheinlich wird die JAAA den Ausnahmefall im Sinne einer "Lex Bolt" definieren und den Wertungszeitraum den Vorgaben des Weltverbandes IAAF entsprechend rückwirkend bis zum 1. Mai 2015 ausweiten. Dadurch wäre Bolt mit seiner Siegerzeit von 19,55 bei der WM vor Jahresfrist in Peking als Nummer eins der Welt auch über 200 m bei Olympia dabei.

"Die Interpretation der Ausnahmeregel liegt bei unserem Nominierungskomitee", sagte JAAA-Chef Warren Blake am Samstag in Kingston schon vieldeutig. Vorsitzender des Komitees ist zudem niemand anderes als Bolts Trainer Glen Mills.

Außerdem dürfte die JAAA ihrem Hauptsponsor kaum das olympische Werbegeschäft mit seiner größten Zugnummer überhaupt verderben wollen und können: Bolts historisches "Triple" in Brasilien wäre für den Herzogenauracher Ausrüster schließlich ein Millionen-Coup.

Bolts US-Erzrivale Justin Gatlin hält die neuesten Schlagzeilen um den Jamaikaner offensichtlich auch ohenhin nur für die Eröffnung des üblichen Nervenkrieges vor einem Großereignis: "Wie jeder andere finde ich, dass auch er vor Olympia laufen muss. Aber er ist halt Usain. Wir werden sein Gesicht in Rio sehen. Egal, auf welchem Weg das geschieht", sagte der Athen-Olympiasieger und Ex-Weltmeister bei den US Trials in Eugene: "Usain lässt sich nicht in die Karten schauen, bis es soweit ist. Sein taktisches Handeln ist aus einer anderen Welt. Er wird nicht zeigen, was er kann, bis der Moment gekommen ist."

(sid)
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