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Krause holt sensationell Bronze bei der WM
Deutschland kann doch noch laufen

Krause läuft über 3000 Meter Hindernis zu Bronze
Krause läuft über 3000 Meter Hindernis zu Bronze FOTO: dpa, nic
Peking. Gesa Felicitas Krause hat bei den Weltmeisterschaften in Peking überraschend Bronze über 3000 Meter Hindernis gewonnen. 14 Jahre musste der deutsche Leichtathletikverband auf eine WM-Medaille in einer Laufdisziplin warten.

Gesa Felicitas Krause riss die Augen weit auf. Und dann schlug sie die Hände vors Gesicht. Die einzige deutsche Langstrecken-Läuferin bei der WM in Peking hat völlig überraschend Bronze geholt. Es war die erste WM-Medaille in einer Laufdisziplin für das frühere "Läuferland Deutschland" seit Silber durch Ingo Schultz im 400-Meter-Lauf im kanadischen Edmonton (2001). Bei Olympischen Spielen haben deutsche Läufer seit Niels Schumanns 800-m-Sieg in Sydney (2000) keine Medaille mehr gewonnen.

Bei der EM im vergangenen Jahr hatte es einige Erfolge für deutsche Läufer gegeben. Antje Möldner-Schmidt gewann im Zürcher Letzigrund über 3000 Meter Hindernis, Krause war Fünfte. Auch in der Sprintstaffel der Männer (Silber) und für Hürdensprinterin Cindy Roleder (Bronze) gab es Medaillen.

Der Tag bot das Bild einer scheinbar verkehrten Leichtathletik-Welt. Krause behauptete sich unter den Afrikanerinnen, und in der bislang europäischen Paradedisziplin Speerwurf setzte sich der Kenianer Julius Yego vor dem Ägypter Ihab Abdelrahman Al-Sajed durch.

Krause schüttelte gestern immer wieder ungläubig den Kopf, schüchtern schaute sich die 23-Jährige nach ihrem Lauf im riesigen "Vogelnest" von Peking um und wirkte fast ein bisschen verloren. Doch dann traute sich die Frankfurterin an der Seite von Weltmeisterin Hyvin Jepkemoi (Kenia) doch auf die Ehrenrunde, schnappte sich eine Deutschland-Fahne und ließ sich feiern. Sie wusste gar nicht wusste, wie ihr geschah: "Diesen Moment hatte ich in den letzten Wochen vor Augen. Ich bin unfassbar glücklich, dass ich es so zeigen konnte."

In persönlicher Bestzeit von 9:19,25 Minuten rannte sie hinter der Kenianerin Jepkemoi und der Tunesierin Habiba Ghribi ins Ziel und holte die erste deutsche WM-Medaille über diese Strecke. Für die deutsche WM-Mannschaft war es die fünfte Medaille. Krause, EM-Dritte von 2012, zeigte sich immer wieder frech an der Spitze. "Am letzten Wassergraben habe ich kurz gedacht, das könnte sogar Gold werden", sagte Krause, "aber nach dem letzten Hindernis hatten die anderen zu lange Schritte."

Seit 2013 konzentriert sich Krause als Berufssoldatin ganz auf den Sport und machte in den vergangenen Monaten einen deutlichen Sprung nach vorne - auch weil sie immer wieder in Kenia trainiert. "Ich habe da optimale Bedingungen", sagte Krause, "es ist sehr hart, weil es dort weder ein Shoppingcenter noch eine coole Einkaufsstraße und Cafés um die Ecke gibt. Doch das nehme ich gern in Kauf, wenn so ein Resultat dabei rauskommt."

Schon im Vorfeld der WM machte Krause einen sehr selbstbewussten Eindruck. Bei Olympia in Rio wolle sie "dann richtig angreifen", hatte sie vor ihrem größten Lauf gesagt.

Quelle: RP
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