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Marathonläuferin Schneider-Scherl
Vom eigenen Tempo überrascht

Hamburg-Marathon: Anja Schneider-Scherl ist vom eigenen Tempo überrascht
FOTO: dpa, lus hak
Düsseldorf. Marathonläuferin Anja Schneider-Scherl steigert sich um 8:41 Minuten und knackt die Olympia-Norm. Von Eckhard Czekalla

Der Wecker klingelte um 5.30 Uhr. Wenn Anja Schneider-Scherl zwei Stunden später in den Zug stieg, der sie morgens von Bayreuth zum Arbeitsplatz nach Nürnberg und abends wieder zurückbrachte, waren die Olympischen Spiele in Rio nur ein Traum. Bis vor zwei Tagen. Da steigerte die 30-Jährige als Drittplatzierte beim Hamburg-Marathon ihre Bestzeit gleich um 8:41 Minuten auf 2:27:50 Stunden. "Wegen Urlaub muss ich jetzt erst einmal mit meinem Chef reden", sagte Scherl. Sie war deutlich unter der Olympia-Norm (2:30:30) geblieben und hat ihren Platz im Rio-Team sicher. Mit ihrer Leistung überraschte sich die Software-Entwicklerin, die einen 40-Stunden-Job hat und weit entfernt von einer Profiläuferin ist, selbst.

"Sie ist viel zu schnell unterwegs", meinte ihr Mann Marco, der zugleich Anjas Trainer ist. Das war nach zwanzig der 42,195-Kilometer. Knapp 7000 Meter vor dem Ziel war der Optimismus zurück: "Wenn sie das noch zwei Kilometer durchhält, klappt es. Das sieht aus wie das Rennen ihres Lebens." Und die Straßenläuferin mit dem Startpass Nr. 268.965, die für die LG Regensburg aktiv ist und in der Regel ab 18 Uhr trainiert, hielt durch. Sie lief auf Platz acht der ewigen deutschen Bestenliste und ist aktuell die Nummer eins hierzulande.

Als der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) im November 2015 seine Bilanz zog, spielte Anja Scherl keine große Rolle. Die Zwillinge Lisa und Anna Hahner, Sabrina Mockenhaupt und als Hoffnungsträgerin Franziska Reng wurden genannt. In Hamburg stellte Scherl alle Prognosen auf den Kopf. Sie ist nun eine von drei deutschen Marathonläuferinnen in Rio. Das zweite Ticket dürfte die Deutsche Meisterin Lisa Hahner sicher haben. Besteht Fate Tola in diesem Monat den Einbürgerungstest, dürfte die Äthiopierin noch rechtzeitig vor der Olympia-Nominierung die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Dann wäre die aktuell Zweitschnellste im Kampf um ein Rio-Ticket wohl in Brasilien dabei.

Bislang war der 10. Juli in Scherls Terminkalender dick unterstrichen. Dann findet bei der EM im Amsterdam der Halbmarathon statt. Am 14. Februar hatte die 30-Jährige in Barcelona ihre Bestzeit auf dieser Strecke auf 71:17 Minuten gesteigert und sich einen Platz im EM-Aufgebot gesichert. Für Scherl wird es die Premiere im Nationaltrikot. In den Niederlanden hofft das deutsche Frauen-Quartett auf eine Medaille im Team-Wettbewerb. In Hamburg passierte Scherl, die mit 21 Jahren ihr erstes Bahnrennen bestritt, nach 73:57 Minuten die Halbmarathon-Marke und "war ein bisschen erschrocken". Sie hielt durch und erfüllte sich den Olympia-Traum.

Quelle: RP
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