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Abschied mit Drama
Bolt tritt auf der Felge ab

Pressestimmen zu Bolt: "Eine Nacht, in der Götter fallen"
Pressestimmen zu Bolt: "Eine Nacht, in der Götter fallen" FOTO: dpa, FO cul
In seinem letzten großen Rennen muss der Superstar der Leichtathletik verletzt aufgeben. Es ist die letzte große Geschichte, die er der seinem Sport hinterlässt. Von Stefan Klüttermann, London

Nun ist er also gegangen. Weg. Endgültig. Usain Bolt hat die Bühne der Leichtathletik verlassen. Wie erwartet mit einem großen Auftritt – und doch ganz anders. Denn die WM in London hat letztlich offenbart: Bolt tritt auf der Felge ab. Weit hinter dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit und gerade noch rechtzeitig, um das von ihm über Jahre aufgebaute Bild des gut gelaunten, lebenslustigen, unangefochten schnellsten Unterhaltungskünstlers aller Zeiten nicht zu beschädigen.

Zwei Auftritte sollten es für ihn in London noch werden. Beim ersten, dem 100-Meter-Finale, machte ihm Dopingsünder Justin Gatlin einen Strich durch die Gold-Rechnung. Nun am Samstagabend, beim zweiten Teil der Bolt-Show, den 4x100 Metern, streikte der Körper. Auf der Zielgerade musste der Superstar mit einem Krampf im linken Oberschenkel aufgeben – so die offizielle Erklärung des jamaikanischen Mannschaftsarztes. "Große Schmerzen hat er aber wegen der Enttäuschung, das Rennen verloren zu haben", teilte dieser weiter mit. So endete die unvergleichliche Karriere des Usain Bolt im Drama.

Die Klimaanlage soll Schuld sein

Die Schuldigen waren schnell ausgemacht: die WM-Verantwortlichen. Die hätten, so der Vorwurf der jamaikanischen Teamkollegen und auch von Gatlin, die Sprinter viel zu lange im kalten Call-Room warten lassen. Alles Aufwärmen sei dahin gewesen, die Muskeln wieder kalt, so die Klagen. War es am Ende also eine simple Klimaanlage, die Bolts Körper das vorherbestimmte Ende als Staffel-Weltmeister verwehrte? Es könnte sein, es ist aber mit größerer Wahrscheinlichkeit so, dass Bolts Körper, über die Jahre immer wieder von Verletzungen geplagt, einfach keiner mehr war für die astronomischen Auftritte früherer Tage.

Es gibt sogar Menschen, die fragen, ob er denn nach seinem Fabelweltrekord 2009 in Berlin von 9,58 Sekunden diesen nicht nur verwaltet habe? Denn nah ran kam er an seine besten Leistungen nicht mehr wirklich – allen folgenden WM-Titeln und Olympiasiegen zum Trotz. Und es gibt dann seit Samstagabend auch durchaus Menschen, die – teilweise hinter vorgehaltener Hand – die Theorie formulierten, als Bolt auf der Zielgeraden gemerkt habe, dass es eng mit Gold, ja mit einer Medaille werden könne, sei ihm die Verletzung zumindest nicht ungelegen gekommen. Beweise gibt es dafür indes keine.

So hat der 30-Jährige mit seinem allerletzten Auftritt zumindest eines wieder mal geschafft: Er wird auch mit diesem in Erinnerung bleiben. Er geht in den Augen der meisten als der gefallene Held, aber eben als der große Held. Gehen wollte er übrigens auf jeden Fall. Den Rollstuhl, den ihm Helfer auf die Bahn brachte, wollte Bolt dann doch nicht benutzen. Der gefahrene Held wollte er nicht sein.

 
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