| 18.31 Uhr

"Schatten auf der WM"
Leichtathletik versinkt im Doping-Sumpf

Gesammelt: Die skurrilsten Ausreden der Doping-Sünder
Gesammelt: Die skurrilsten Ausreden der Doping-Sünder FOTO: AFP
Kurz vor der WM in Peking versinkt die Leichtathletik im Doping-Sumpf - der Weltverband IAAF gibt dabei eine jämmerliche Figur ab.

Lamine Diack ist schon ganz aufgeregt. Während die Leichtathletik im Doping-Sumpf versinkt, fiebert der greise Noch-Präsident des Weltverbandes IAAF dem WM-Auftritt von Usain Bolt entgegen. Der Sprint-Superstar aus Jamaika "ragt heraus", sagt Diack: "Sein Ruhm strahlt über die Leichtathletik hinaus. In dieser Hinsicht ist er wie Jesse Owens während dessen Ära."

Von der Doping-Debatte ist Diack, der am Mittwoch von Sebastian Coe oder Sergej Bubka an der IAAF-Spitze abgelöst wird, nur noch genervt. In der Diskussion um auffällige Blutwerte, Korruption und Vertuschung macht der skandalumwitterte Senegalese einmal mehr eine jämmerliche Figur. Denn während sich Diack auf die Show von Bolt freut, werden die Sorgen um die Zukunft der Leichtathletik immer größer.

"Natürlich liegt ein Schatten auf der WM in Peking", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), dem SID. Die Glaubwürdigkeit der olympischen Kernsportart hinge "mit dem Erfolg im Anti-Doping-Kampf zusammen".

Gesammelt: Die spektakulärsten Dopingfälle der Sportgeschichte FOTO: The Canadian Press, AP

Doch im Ringen um eine saubere Leichtathletik wirkt die IAAF gerade wegen all ihrer Dementis und Zurückweisungen überfordert. Das Dopingproblem "scheint übermächtig zu sein, der Schutz des sauberen Athleten gelingt den Verantwortlichen des internationalen Hochleistungssports nur sehr begrenzt", sagte Helmut Digel. Nach 20 Jahren verlässt der 71-Jährige den IAAF Council, die Weltregierung der Leichtathletik - und zieht ein deprimierendes Fazit: Der Kampf gegen Doping sei einfach nicht zu gewinnen.

"Nach wie vor lohnt sich ganz offensichtlich der Betrug", sagte Digel: "Die eingesetzten Mittel im Kampf gegen den Dopingbetrug sind eher unzureichend und durch Hilflosigkeit gekennzeichnet, als dass eine Perspektive des Problems zu erkennen wäre."

Diack kann die Untergangsstimmung nicht begreifen. Dabei steckt die Leichtathletik wohl in einer der größten Krisen ihrer Geschichte, während die IAAF wie zuletzt der Fußball-Weltverband FIFA zum Gespött der Leute verkommt. Athleten wie Diskus-Olympiasieger Robert Harting und weitere Stars wie Stabhochspringer Renaud Lavillenie oder Greg Rutherford wenden sich enttäuscht ab. "Wir befinden uns im freien Fall. Irgendjemand muss schnell handeln, sonst ist unsere Sportart tot", zitierte der englische Guardian anonym eine "einflussreiche" Quelle.

Die Weltrekorde der Leichtathletik FOTO: ddp

Immerhin will der russische Verband keine unter Doping-Verdacht stehenden Athleten zu den am Samstag beginnenden Wettkämpfen (22. bis 30. August) schicken. "Kein Athlet, der der Einnahme verbotener Substanzen beschuldigt wird, wird bei der WM teilnehmen", sagte Generalsekretär Sergej Butow. Damit bleibt wohl auch Anastasia Basdirewa zu Hause: Die 23-Jährige galt über 800 m als Medaillenkandidatin und rangiert mit einer Zeit von 1:58,75 Minuten auf Rang sieben der Welt.

Diack zeigt sich von den jüngsten Skandalen weiter unbeeindruckt. Den 82-Jährigen, der bei seiner letzten Wiederwahl vor vier Jahren mehr Stimmen erhielt als Delegierte anwesend waren, kann so etwas nicht mehr schocken. Diack will sich sein Abschiedsfest nicht vermiesen lassen, die jüngsten Berichte ließ er als "sensationslüstern" und die Enthüllungen als "bereits bekannt" zurückweisen. Bolts ersten großen Auftritt hingegen dürfte er sich wohl dick im Terminkalender markiert haben. Das Finale über 100 m steigt am Sonntag um 21.15 Uhr (Ortszeit).

(sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichtahletik versinkt im Doping-Sumpf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.