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Speerwerferin tritt ab
Obergföll: "Jetzt ist die Familie dran"

Leichtathletik: Christina Obergföll beendet Karriere
Christina Obergföll will sich mehr Zeit für die Familie nehmen. FOTO: dpa, soe nic
Berlin. Christina Obergföll beendete ihre Karriere mit einem Sieg beim ISTAF in Berlin. Kurz dachte die 35-Jährige danach sogar über einen Rücktritt vom Rücktritt nach.

Nach dem Sieg im letzten Wettkampf ihrer Karriere hätte es sich Christina Obergföll fast noch einmal anders überlegt. "Es gab einen kleinen Moment, in dem ich dachte: ich muss doch noch einmal zurückkommen. Aber meine Familie würde mich umbringen", sagte die 35 Jahre alte Speerwerferin und grinste.

Freilich steht das Karriereende der Weltmeisterin von 2013 längst fest. Und mit dem unerwarteten Erfolg beim ISTAF in Berlin verabschiedete sich Obergföll im Olympiastadion genau so, wie sie sich das gewünscht hatte. Vor ihrem letzten Wurf vergoss sie bereits Tränen der Rührung, weil ihre Konkurrentinnen allesamt ein Spalier bildeten und sie beklatschten. Es folgte eine Ehrenrunde mit der deutschen Fahne um die Schultern.

"Es war sensationell emotional für mich, es kam alles hoch", sagte Obergföll, die Olympiazweite von 2012 und Dritte von 2008: "Es ist ein Happy End für mich, auch wenn ich dieses natürlich gerne in Rio gehabt hätte. In Rio hätte es mit dieser Weite aber auch nur zu Platz vier gereicht." Mit 64,28 m blieb sie allerdings nur knapp unter ihrer Saisonbestweite (64,96 m).

"Ich weiß, dass mir etwas fehlen wird. Aber ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist", sagte Obergföll am Ende einer schwierigen Saison. Bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro war sie mit 62,92 m als Achte noch beste Deutsche, doch dem Wettkampf war ein unwürdiges Hickhack um die Nominierung vorausgegangen.

Weltmeisterin Katharina Molitor hatte mit einer einstweiligen Verfügung versucht, sich den Olympiastart zu erstreiten. Bei der EM in Amsterdam, für die Obergföll nicht nominiert worden war, hatte Molitor Platz vier belegt. Bei der DM war die Weltmeisterin als Zweite vor Obergföll (Rang vier) platziert gewesen. Die bessere Saisonweite sprach allerdings für die zweimalige Vize-Weltmeisterin Obergföll, die schließlich antreten durfte.

"Die ganzen Diskussionen waren sicherlich nicht leistungsfördernd", sagte Obergföll, hatte das Thema in Berlin aber endgültig abgehakt. Nach 15 Jahren Leistungssport stehen nun Sohn Marlon und Ehemann Boris im Vordergrund. "Jetzt ist die Familie dran", sagte Obergföll, die ihre berufliche Zukunft bei einer Krankenversicherung sieht.

Doch vom Speerwurf wird sie sich nicht ganz abwenden, denn ihr Ehemann hat als Trainer weiter engen Kontakt zu den Sportlern - und konnte sich in Berlin über den Sieg seines Schützlings Johannes Vetter freuen, der wie Obergföll für Offenburg startet. Der 23-Jährige stahl mit seiner persönlichen Bestleistung von 89,57 sogar Olympiasieger Thomas Röhler (Jena) die Show.

"Bei den Männern ist es Hammer, was da passiert. Das Niveau ist extrem hoch. Es sind sehr viele starke Jungs da, die eine große Zukunft haben", sagte Obergföll zum Vierfachsieg beim ISTAF. Hinter dem siegreichen Vetter glänzten auch Julian Weber (Mainz/88,29) und Andreas Hofmann (Mannheim/85,42), sodass Röhler am Ende einer kräfteraubenden sogar nur Vierter wurde (82,55).

Nach den Rücktritten von Obergföll und Ex-Europameisterin Linda Stahl sieht es bei den deutschen Frauen etwas düsterer aus. "Da entsteht sicher ein kleines Loch", sagte Obergföll. Doch das ist jetzt nicht mehr ihr Thema: "Ich freue mich einfach darauf, jetzt nicht mehr so unter Druck zu stehen."

(seeg/sid)
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