| 19.21 Uhr

Leichtathletik-Weltverband in der Krise
Nestle steigt als IAAF-Sponsor aus

Reaktionen zum Dopingskandal: "Birgt die Dimension, unseren Sport zu zerstören"
Reaktionen zum Dopingskandal: "Birgt die Dimension, unseren Sport zu zerstören"
Vevey. Dem krisengeplagten Leichtathletik-Weltverband IAAF droht anscheinend der Verlust des Sponsorings des Lebensmittelriesen Nestle.

Dies berichten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch übereinstimmend. "Angesichts der negativen öffentlichen Wahrnehmung bezüglich Korruptionsvorwürfen und Dopings" soll Nestle demnach sein Engagement als Hauptsponsor des IAAF-Programms "Kids Athletics" vorzeitig und fristlos beenden. Faz.net und AFP zitieren aus einer Mail, die den Redaktionen vorliegt.

"Wir glauben, dass sich dies negativ auf unsere Reputation und das Image auswirken könnte und werden daher den bestehenden Vertrag mit der IAAF beenden, der 2012 geschlossen wurde", heißt es in der Mail weiterhin. Man habe die IAAF über den Schritt bereits informiert und warte auf "auf eine formale Bestätigung". Das Schweizer Unternehmen Nestle ist seit Januar 2012 Hauptsponsor von "Kids Athletics", damals einigten sich beide Parteien auf einen Fünf-Jahres-Vertrag bis 2017.

Erst Ende Januar hatte die BBC berichtet, dass auch der deutsche Sportartikel-Hersteller adidas sein Engagement bei der IAAF beenden werde. Adidas bestätigte die Berichte seinerzeit nicht, teilte auf Anfrage jedoch mit, dass man den Reformprozess beim Weltverband intensiv verfolge.

Seit Monaten hält der Doping- und Korruptionsskandal den Weltverband in Atem. Präsident Sebastian Coe (59) steht enorm unter Druck, auch wenn er immer wieder beteuert, vom mutmaßlich kriminellen System seines Vorgängers Lamine Diack nichts gewusst zu haben.

Die unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte den langjährigen IAAF-Präsident Diack schwer beschuldigt. Zusammen mit seinen Söhnen und weiteren Komplizen soll er eine "Schattenregierung" installiert und unter anderem versucht haben, positive Dopingtests gegen Geldzahlungen zu vertuschen.

Bereits zuvor war der russische Leichtathletik-Verband Araf wegen massiver Doping-Verfehlungen aus dem Weltverband ausgeschlossen worden. Das Anti-Doping-Labor in Moskau verlor seine Akkreditierung, die nationale Anti-Doping-Agentur Rusada wurde von der Wada suspendiert. Ohne weitreichende Reformen dürfen Russlands Leichtathleten nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen.

(sid)
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