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Hallen-WM der Leichtathleten
Lavillenie deklassiert Weltmeister Barber und holt Gold

Leichtathletik: Renaud Lavillenie holt Gold im Stabhochsprung
Renaud Lavillenie hat in Portland die Goldmedaille geholt. FOTO: dpa, jgm jma ase
Portland. Renaud Lavillenie fluchte kurz und hämmerte seine Faust auf die Matte: Seinen Weltrekord wollte Frankreichs Stabhochsprung-Star unbedingt knacken, doch zum Auftakt der Hallen-WM in Portland reichte es "nur" zum ungefährdeten Gold. "Ist schon okay. Ich habe noch genug Zeit, Rekorde zu holen", sagte "Air Lavillenie", der sich nach der formidablen Siegerhöhe von 6,02 m vergeblich an noch nie übersprungenen 6,17 m versucht hatte. Haushoher Olympia-Favorit ist er dennoch.

Der große Zweikampf um den Titel zwischen Lavillenie, seit Februar 2014 mit 6,16 m bester Stabhochspringer der Geschichte, und Kanadas Weltmeister Shawn Barber, der in Abwesenheit des verletzten Raphael Holzdeppe erwartet worden war, platzte im Oregon Convention Center frühzeitig. Denn Barber verabschiedete sich schon nach übersprungenen 5,75 m und insgesamt sechs Fehlversuchen, blieb als Vierter ohne Medaille.

Lavillenie meisterte mit seinem zweiten Wettkampf-Sprung überhaupt 5,90 m, stand damit schon als Sieger fest - es war der zweite WM-Titel unter dem Hallen-Dach für den 29-Jährigen nach 2012. Silber ging an den US-Amerikaner Joe Kendricks (5,80) vor dem WM-Dritten Piotr Lisek (Polen/5,75), Carlo Paech aus Leverkusen verpasste mit 5,55 als Zehnter die angestrebte Platzierung unter der besten Acht.

Lavillenie aber wollte an diesem Abend mehr. Über 6,02 m flog er ebenfalls im ersten Versuch - sein 17. Karriere-Wettkampf jenseits der magischen Sechs-Meter-Marke war perfekt. Dreimal ließ der Ausnahmekönner 6,17 auflegen, dreimal sah das gar nicht einmal schlecht aus. "Aber auch so bin ich zufrieden. Den Titel geholt, sechs Meter geschafft - das ist schon gut", sagte Lavillenie. Vor allem in Hinblick auf Olympia ist dies eine krachende Kampfansage in Richtung der Barbers und Holzdeppes.

Ein Machtwort in Richtung Rio sprach auch Jenn Suhr. Die Stab-Olympiasiegerin sicherten den WM-Gastgebern in Portland das erste Gold und machte mit übersprungenen 4,90 m der russischen Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa klar, dass diese bei ihrem Comeback keineswegs die große Favoritin auf Olympia-Gold ist.

"Ich wollte noch den Weltrekord angreifen, aber meine Wade hat sich etwas angeschlagen angefühlt - und im Olympia-Jahr wollte ich hier gesund rausgehen", sagte die 34-Jährige, die zunächst signalisiert hatte, 5,04 m angehen zu wollen - ein Zentimeter höher als der Hallen-Weltrekord, den Suhr am 30. Januar in Brockport aufgestellt hatte.

Issinbajewa, die auch ohne den derzeitigen Doping-Bann für Russlands Leichtathleten wohl nicht in Portland gestartet wäre, hält mit 2009 unter freiem Himmel erzielten 5,06 m den absoluten Weltrekord. Ob sie nach fast drei Jahren Pause im Sommer dieses Niveau noch einmal erreichen wird, erscheint mehr als fraglich.

Hinter Suhr holte ihre Teamkollegin Sandi Morris (4,85) Silber vor Griechenlands Vize-Europameisterin Ekaterini Stefanidi (4,80). Die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg (Leverkusen) hatte wegen eines grippalen Infekts auf den Start in Portland verzichten müssen.

(seeg/sid)
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