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Doping in der Leichtathletik
Russland ist überall

Russischer Dopingsumpf: eine Chronologie
Russischer Dopingsumpf: eine Chronologie
Meinung | Düsseldorf. Der Leichtathletik-Weltverband schließt Russland von den Wettkämpfen bei Olympia in Rio aus. Doch das offenbar systematische Doping in der russischen Leichtathletik ist nur eines von vielen Problemen. Von Martin Beils

Die Leichtathleten tragen an diesem Wochenende im Kasseler Auestadion ihre Deutschen Meisterschaften aus. Es wird ein Sportfest in angenehm familiärer Atmosphäre. Mit Blick auf die EM im nächsten Monat in Amsterdam und auf Olympia sind vielversprechende Leistungen zu erwarten.

Doch über den Titelkämpfen liegt ein Schatten. Denn die Weltleichtathletik befindet sich knapp sieben Wochen vor Beginn der Spiele in Rio de Janeiro in einem verheerenden Zustand. Ulrike Nasse-Meyfarth, die zweimalige Olympiasiegerin im Hochsprung, hat es auf den Punkt gebracht, als sie im Gespräch mit unserer Redaktion vor einigen Monaten sagte: "Der Leichtathletik-Weltverband IAAF ist schlimmer als die Fifa."

Der Ausschluss der russischen Läufer, Werfer und Springer von Olympia (mal gucken, wie konsequent er umgesetzt wird) war alternativlos, um zumindest ein bisschen Reformwillen zu zeigen. In der olympischen Kernsportart geht es ans Eingemachte. Denn erste Sponsoren haben sich abgewandt, die Position der IAAF beim Verkauf von Fernsehrechten wird immer schwächer, das Werben um Nachwuchs noch schwieriger.

Das offenbar systematische Doping in der russischen Leichtathletik ist nur ein Problem. Was ist mit dem vermeintlichen Läufer-Wunderland Kenia? Auch die Türkei ist mehr als einmal auffällig geworden. Der Verdacht, bei der Wahl des IAAF-Präsidenten Sebastian Coe sei nach alter Tradition betrogen worden, steht im Raum. Und wenn Speerwerferin Linda Stahl sagt, sie sei in den vergangenen zehn Monaten nur zweimal kontrolliert worden, muss man auch am deutschen Kontrollsystem zweifeln.

Olympiasieger Dieter Baumann hält Studien für "absolut plausibel", nach denen 25 bis 37 Prozent aller Athleten sagen, sie hätten schon mal verbotene Substanzen genommen. Wenn das stimmt, dann ist Russland überall. Das ist schlimm. Vor allem für die vielen sauberen Athleten, die am Samstag und Sonntag in Kassel antreten.

Quelle: RP
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