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Leichtathletik-WM
Gebt Gesa Krause einen Fair-Play-Preis!

Gesa Krause stürzt und rennt in die Herzen der Zuschauer
Gesa Krause stürzt und rennt in die Herzen der Zuschauer FOTO: dpa, hpl
Meinung | London. Die Reaktion der 3000-Meter-Hindernis-Läuferin nach ihrem verkorksten Finale tut mehr für die Reputation des Sports als manche schon preisgekrönte Geste. Von Stefan Klüttermann

Interviews mit Sportlern unmittelbar nach einem Wettkampf sind oft genug Schauplätze bemühter Inhaltslosigkeit. Oder adrenalingeladener Schuldzuweisungen. Insofern heben sich Gesa Krauses Einlassungen nach dem für sie desaströs verkorksten WM-Finale über 3000 Meter Hindernis wohltuend ab. Mehr noch: Ihre Reaktion tut mehr für die Reputation des Sports als manch öffentlichkeitswirksam produzierte Fair-Play-Geste.

Die schönsten Athletinnen der Leichtathletik-WM 2017 FOTO: rtr, gb

Da ist die 25-jährige Frankfurterin soeben in London in ihren Saisonhöhepunkt gestartet, da wird sie auch schon von der stürzenden Kenianerin Beatrice Chepkoech aus dem Tritt gebracht und anschließend von anderen Läuferinnen umgerannt. Das Rennen – gelaufen. Sie selbst – benommen und verletzt. Der Medaillentraum – zerplatzt. Und doch rennt Krause das Rennen zu Ende, wird sogar noch Neunte und tut anschließend etwas Außergewöhnliches: Sie vermeidet Schuldzuweisungen an die Kenianerin, die zuvor schon den Wassergraben verschlafen und in der dann notwendigen Aufholjagd bulldozerhaft den für Krause folgenschweren Sturz verursacht hat.

Mehr noch: Krause äußert Verständnis für die Kontrahentin (Das sei doch auch für die nicht das, was sie sich vorgestellt hat.). Die Deutsche macht zwar den Tränen nah auch keinen Hehl aus ihrer grenzenlosen Enttäuschung, sie lässt sich aber nicht dazu hinreißen wie so viele Sportler in solchen Momenten, die Schuld beim Gegner, bei den Offiziellen, beim Wetter, beim Untergrund, beim Vollmond, beim Essen, bei den Medien oder gleich beim Universum oder höheren Mächten (Fußballgott) an sich zu suchen. Krause sagt, Hindernislauf sei eben so. Sie habe natürlich gehofft, dass es sie nicht erwische. Aber nun sei es eben passiert. Ihr tue es vor allem für ihren Trainer leid, der doch so viel Zeit in ihr Fortkommen investiert habe.

Krauses Reaktion lässt viele baff zurück angesichts von so viel Selbstbeherrschung und Reflexion im Moment der Frustration. Sie bietet ein Paradebeispiel für Größe in der Niederlage. Sie bietet ein Paradebeispiel für Fair-Play. Fair-Play dem Sport gegenüber. Dem Sport als Wettkampf. Als Wettstreit in den Grenzen eines fairen Miteinanders. Nicht dem Sport als Bühne für Egoisten, für die Kontrahenten nur notwendiges Beiwerk sind.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) verleihen alljährlich den Fair-Play-Preis des Deutschen Sports. Es heißt: "Mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports werden besonders faire und wertorientierte Gesten und Aktionen von Personen und Initiativen ausgezeichnet." Insofern wäre es nur gerecht, ihn in diesem Jahr an Gesa Krause zu vergeben. Mehr Empathie für den Wert des Sports scheint kaum denkbar im Angesicht persönlich größtmöglicher Enttäuschung. Und wenn Fußballer den Preis schon bekommen haben, weil sie nach einem Sieg einen Spieler des Gegners getröstet oder einen Freistoßpfiff des Schiedsrichters zurückgenommen haben, dann dürfte der Preis bei Krause in jedem Fall gut aufgehoben sein.

 
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