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Leichtathletik-WM in London
Krause glänzt im Regen von London

Krause gewinnt Vorlauf souverän
Krause gewinnt Vorlauf souverän FOTO: afp
London. Der Traum vom nächsten Coup lebt: Gesa Felicitas Krause ist in einer wahren Londoner Regenschlacht ins WM-Finale über 3000 m Hindernis gestürmt und kämpft erneut um eine Medaille.

Zwei Jahre nach ihrem sensationellen Bronze-Lauf von Peking zeigte die 25-Jährige aus Trier trotz widrigster Bedingungen eine starke Vorstellung und gewann ihren Vorlauf.

"Es ging darum, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Konstellation und die Bedingungen waren sehr hart, es war sehr kalt", sagte Krause, die sich nach dem Lauf sofort eine Decke um die Schultern wickelte: "Jetzt muss ich mich schnell aufwärmen und pflegen, dann hoffe ich für das Finale auf besseres Wetter."

Im ersten und stark besetzten Ausscheidungsrennen im Olympiastadion setzte sich Europameisterin Krause in 9:39,86 Minuten vor der kenianischen Titelverteidigerin Hyvin Chepkemoi (9:39,89) durch und geht damit wie 2015 im Endlauf am Freitag (22.25 Uhr MESZ/ARD und Eurosport) auf die Jagd nach Edelmetall.

Die Vorgabe war im Vorlauf durchaus hoch: Nur die jeweils ersten drei Läuferinnen – in Krauses Rennen traten 14 Starterinnen an – sowie die weiteren sechs Zeitschnellsten erreichten das Finale. Dabei gaben sich auch die weiteren Favoritinnen keine Blöße.

Die schönsten Athletinnen der Leichtathletik-WM 2017 FOTO: rtr, gb

Kenianerin läuft schnellste Zeit

Den zweiten und mit Abstand schnellsten Vorlauf gewann die Kenianerin Beatrice Chepkoech in 9:19,03 Minuten vor Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Ruth Jebet (Bahrain/9:19,52). Im dritten Vorlauf lag die Jahresweltbeste Celliphine Chespol (Kenia/9:27,35) vor der Olympiadritten Emma Coburn (USA/9:27,42).

"Ich bin auf jeden Fall voll im WM-Modus. Ich habe mich das ganze Jahr darauf vorbereitet", hatte Krause vor dem Vorlauf bei Sport.de gesagt: "Die letzten zehn, zwölf Tage sind noch für den Feinschliff dagewesen, damit ich am Tag X in der optimalen Verfassung bin."

Die optimale Verfassung muss Krause, die ihren deutschen Rekord in diesem Jahr auf 9:15,70 Minuten gesteigert hat, auch haben, um es mit den Topfavoritinnen aus Ostafrika aufnehmen zu können. Unangefochten ist sie die beste Europäerin, damit allerdings auch eine Exotin unter den weltbesten Hindernis-Läuferinnen.

Krauses Ziel ist neue persönliche Bestzeit

Bei den Olympischen Spielen in Rio hatte Krause Platz sechs belegt. "Das ist sicherlich eine Platzierung, die ich wieder anpeile", sagte Krause, die nicht von Medaillenchancen reden wollte. Ihren Anfang Mai erzielten Landesrekord hat sie aber ganz oben auf die Wunschliste geschrieben: "Ich möchte auf jeden Fall eine neue Bestzeit unter 9:15 Minuten laufen, wenn es das Rennen denn hergibt."

In der Geschichte von Weltmeisterschaften und Olympia gingen die Medaillen stets an die in London gesperrten Russinnen oder eben an afrikanische Läuferinnen. Einzige Ausnahmen: Krauses Bronze bei der WM 2015 in Peking und der dritte Platz der Amerikanerin Emma Coburn bei Olympia 2016 in Rio - beide sind auch in London die einzigen weißen Läuferinnen mit Podestchancen.

Krauses Crux: Die Afrikanerinnen bringen ein läuferisches Grundniveau mit, das für Europäerinnen kaum zu erreichen ist. Die Hindernis-Weltjahresbestzeit der Kenianerin Celliphine Chespol liegt bei 8:58,78 Minuten, als beste deutsche Mittelstrecklerin lief Hanna Klein drei Sekunden langsamer - ohne dass lästige Hürden im Weg standen.

Makwala fordert van Niekerk

Makwala allein auf der Bahn FOTO: rtr, gb

Nach Ablauf seiner Norovirus-Quarantäne zog Isaac Makwala (Botswana) doch noch ins Finale über 200 m (Donnerstag, 22.50 Uhr MESZ/ZDF und Eurosport) ein. Über die halbe Stadionrunde kommt es damit zum mit Spannung erwarteten Duell gegen 400-m-Weltmeister Wayde van Niekerk, der in 20,28 Sekunden nur über die Zeitregel in den Showdown um Gold einzog.

Makwala lief mit 20,14 in den Endlauf, nachdem er sich nur zweieinhalb Stunden zuvor überhaupt erst nachträglich für das Halbfinale qualifiziert hatte – alleine in einem "Extra-Vorlauf". Im Solo sprintete er 20,20 Sekunden und machte hinterher auf der Bahn noch Liegestütze zum Beweis seiner Form. Van Niekerk strebt an der Themse das Double an – Doppel-Gold über 200 und 400 m bei einer WM hatte zuletzt Michael Johnson (USA) 1995 gewonnen.

Chinesin tritt Schwanitz-Erbe an

Die Chinesin Lijiao Gong ist neue Weltmeisterin im Kugelstoßen. Mit 19,94 Metern setzte sie sich am Mittwoch bei der Leichtathletik-WM in London gegen die Ungarin Anita Márton, die 19,49 Meter weit stieß, und Olympiasiegerin Michelle Carter aus den USA (19,14 Meter) durch. Gong, die von dem deutschen Trainergespann Dieter Kollark und Astrid Kumbernuss betreut wird, ist Nachfolgerin von Christina Schwanitz aus Thum. Schwanitz war Anfang Juli Mutter von Zwillingen geworden.

Norweger holt überraschend Gold über 400 Meter Hürden

Norwegens neuer Laufstar Karsten Warholm gewann überraschend den Weltmeistertitel über 400 Meter Hürden. In 48,35 Sekunden lief der 21-Jährige der Konkurrenz davon. Zweiter wurde Yasmani Copello aus der Türkei in 48,49 Sekunden. Doppel-Olympiasieger Kerron Clement musste sich nach 48,52 Sekunden mit WM-Bronze begnügen.

Farah hat nächstes Gold im Blick

Großbritanniens Laufheld Mo Farah machte den nächsten Schritt zu seinem angestrebten Triple-Double. Der 34-Jährige qualifizierte sich nach 13:30,18 Minuten als Zweiter in seinem Vorlauf locker für das Finale über 5000 m (Samstag, 21.20 Uhr MESZ/ZDF und Eurosport).

"Ich will defintiv noch eine weitere Goldmedaille", sagte Farah, der am WM-Auftakttag bereits über 10.000 m gewonnen hatte. Der äthiopische Hallen-Weltmeister Yomif Kejelcha lag in 13:30,07 hauchdünn vor Farah, der allerdings nicht ernsthaft um den Sieg sprintete.

Der EM-Dritte Richard Ringer (Friedrichshafen), 2015 in Peking noch im Finale, war im zweiten Vorlauf chancenlos und lief in 13:36,87 Minuten als 17. ins Ziel. Der Sieg ging an den Äthiopier Selemon Barega, der in 13:21,50 Minuten die beste Vorlaufzeit erzielte.

Wester verpasst Finale, Salman-Rath weiter

Im Dauerregen von London erreichte die deutsche Meisterin Claudia Salman-Rath (Frankfurt/Main) das Finale im Weitsprung (Freitag, 20.10 Uhr MESZ/ARD und Eurosport). Die Hallen-EM-Dritte, die im Siebenkampf Achte wurde, verbesserte sich im dritten Versuch der Qualifikation auf 6,52 m und sprang damit unter die besten Zwölf der Welt. Alexandra Wester (Köln) landete hingegen bei 6,27 m und schied aus.

Francis holt Gold – Nukker-Uibo bricht ein

Phyllis Francis hat bei der Leichtathletik-WM in London völlig überraschend Gold über 400 m gewonnen. Die US-Amerikanerin verwies nach 49,92 Sekunden Salwa Eid Naser aus Bahrain (50,06) auf Rang zwei, Bronze ging an Titelverteidigerin Allyson Felix (50,08/USA).

Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo musste eine bittere Pleite hinnehmen. Die 23-Jährige von den Bahamas lag noch bis etwa 30 Meter vor dem Ziel in Führung, brach dann aber ein und musste sich mit Platz vier (50,49) zufrieden geben. Felix gewann ihre insgesamt 14. WM-Medaille. Die deutsche Meisterin Ruth Sophia Spelmeyer (Oldenburg) war im Halbfinale ausgeschieden.

(sid/dpa)
 
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