| 13.03 Uhr

Leichtathletik-WM 2017
Sprintstar Van Niekerk vermisst Respekt und schiebt Frust

Das ist Wayde van Niekerk
Das ist Wayde van Niekerk FOTO: rtr, MMA
London. Wayde van Niekerk hat das Gold-Double in London verpasst. Südafrikas Sprintstar musste erkennen, dass er seinen märchenhaften Aufstieg nicht nach Belieben fortsetzen kann.

Als der Traum von Doppel-Gold geplatzt war, als sein märchenhafter Aufstieg zum Sprint-Thron der Leichtathletik ein jähes Ende fand, wirkte Wayde van Niekerk wie ein trotziges Kind. "Ich werde niemals versuchen, Usains Rolle zu füllen", sagte der restlos bediente Südafrikaner nach seiner überraschenden Pleite über 200 gegen den Türken Ramil Guliyev.

In den Tagen des Abschieds von Usain Bolt sucht die Leichtathletik ja nach einem neuen Superstar, und eigentlich hätte dies van Niekerk werden sollen. Der 25-Jährige strebte das erste WM-Double über 200 m und 400 m seit Michael Johnson (USA) vor 22 Jahren an - doch dieser gewaltigen Aufgabe war er am Ende einfach nicht gewachsen.

Tränen bei van Niekerk nach dem 200-Meter-Finale

"Aber ich habe genug Dominanz, harte Arbeit und Leistungen gezeigt, um mit dem Erstellen meines eigenen Bildes und meiner eigenen Marke zu beginnen", sagte van Niekerk. Dieses Image hat allerdings nach den 200 m erhebliche Kratzer erlitten, nach 20,11 Sekunden musste er sich geschlagen geben. Guliyev (20,09) hatte auf den letzten Metern mehr Power, Bronze ging nach einem Foto-Finish-Entscheid an Jereem Richards (Trinidad und Tobago). Und van Niekerk weinte hinterher.

48 Stunden nach seinem Triumph über 400 m suchte van Niekerk Erklärungen, warum sein Plan nicht aufgegangen war. Er habe nach dem Finale über 400 m "nicht viel schlafen" können, berichtete er, darunter habe seine Erholung gelitten, der Regen und "die Kälte" am Tag des Halbfinales hätten auch nicht unbedingt geholfen. "Ich habe mich nicht zu 100 Prozent regeneriert", sagte van Niekerk: "Ich habe viel mehr drauf, und das will ich in Zukunft zeigen."

Verschwörungstheorie um van Niekerk

Und schließlich machte van Niekerk auch noch seinem ganzen Frust über die vergangenen Tage Luft. Nach dem Gold-Lauf über 400 m "habe ich nicht den Respekt bekommen, den ich verdient habe", sagte der streng gläubige Christ.

Sein Konkurrent Isaac Makwala aus Botswana war wegen des Verdachts auf das bei der WM ausgebrochene Norovirus vom Weltverband IAAF nicht für das Finale über 400 m zugelassen und unter Quarantäne gestellt worden. BBC-Experte Johnson strickte danach eine Verschwörungstheorie, die IAAF habe van Niekerks Sieg nicht gefährden wollen, Makwala sprach gar von "Sabotage".

Das hatte van Niekerk gar nicht gefallen. "Um ehrlich zu sein - das hat mich sehr verärgert", sagte er. Schließlich zeige er selber für jeden Konkurrenten "massive respect", es sei nicht zu viel verlangt, dass man ihn auch mit Respekt behandle.

Dass Makwala, der es mit einer Ausnahmegenehmigung und einem solo nachgeholten Vorlauf doch noch ins Finale über 200 m geschafft hatte, dort aber nur Sechster wurde, so etwas behaupte, "war für mich etwas enttäuschend. Ich hätte mehr von ihm erwartet", sagte van Niekerk. Aber von sich selber wohl auch. Der Sprint-Thron von Bolt bleibt erst einmal unbesetzt.

(sid/dbr)
 
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