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Leichtathletik-WM
Bei Tyson Gay und Co. läuft die Doping-Vergangenheit mit

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Leichtathletik FOTO: ap
Peking. Gatlin, Gay, Merrit: Bei der WM in Peking kämpfen zahlreiche Athleten um Medaillen, die mit Doping erwischt wurden. Kritisch setzt sich kaum jemand mit seiner Vergangenheit auseinander.

Justin Gatlin: gedopt mit Testosteron und Amphetaminen. Asafa Powell: mit Oxilofrin erwischt. Tyson Gay: auf Steroiden unterwegs. Es ist eine feine Gesellschaft, die wohl am 23. August im 100-m-Finale der Leichtathletik-WM in Peking an der Startlinie stehen wird. Und nicht nur die drei schnellsten Sprinter des Jahres haben eine dunkle Vergangenheit - in fast jeder Disziplin starten in China überführte Betrüger mit geringem Unrechtsbewusstsein.

"Ich bin sehr glücklich, wieder dabei zu sein. Die wahren Fans wissen, was ich durchleiden musste", sagte Gay in einer grotesken Umkehr von Opfer- und Täterrolle: "Ich bin kein Betrüger. Ich habe jemandem vertraut und bitter bezahlt." Nichts hat der US-Weltmeister von 2007 bereut, kam aber dennoch mit nur einem Jahr Sperre davon. Die butterweiche Sportjustiz drückte nicht nur bei ihm beide Augen zu.

Jamaikas Ex-Weltrekordler Powell, dessen positiver Test 2013 am gleichen Tag wie Gays bekannt wurde, erhielt statt zwei Jahren nur 18 Monate Sperre, klagte jedoch so lange, bis er nach einem halben Jahr wieder rennen durfte. Gatlin hätte 2006 als Wiederholungstäter lebenslang aus dem Verkehr gezogen werden müssen - es wurden vier Jahre.

Dopingstrafen sind zahnlose Tiger

Dass Gatlin als angeblich sauberer Sprinter nun schneller läuft als gedopt, Gay und Powell wieder auf altem Niveau angelangt sind, entlarvt den Sanktions-Apparat als Papiertiger. Wer aufliegt, kann fast sicher sein, beim nächsten Großereignis wieder mitzumischen - die Milde der Sportrechtsprechung ist erstaunlich.

Unerklärlich ist, dass ein unverbesserlicher Betrüger wie Iwan Tichon um Medaillen kämpfen darf. Der weißrussische Hammerwerfer, der dreimal Weltmeister geworden war, verlor seinen WM-Titel von 2005 durch Nachtests, zudem musste er Olympia-Silber 2004 und den EM-Titel 2006 abgeben. Die ebenfalls aberkannte Olympia-Bronzemedaille 2008 erhielt Tichon aufgrund eines Urteils des Sportgerichtshofes CAS zurück. Aus den Startlisten von Olympia 2012 wurde er nach Bekanntwerden positiver Testergebnisse gestrichen. Nach zwei Jahren Sperre ist der mittlerweile 39-Jährige in Peking wieder am Start.

Vogelwild ging es im Fall der jamaikanischen Starsprinterin Veronica Campbell-Brown zu. Die dreimalige Olympiasiegerin wurde im Mai 2013 mit einem Diuretikum erwischt, hätte zwei Jahre gesperrt werden müssen. Die IAAF wertete das Vergehen als geringfügig, statt einer Sperre erteilte Jamaikas Verband eine öffentliche Verwarnung, ehe der CAS Campbell-Brown freisprach.

Weitere zweifelhafte Kandidaten: Die Kroatin Sandra Perkovic, die seit fünf Jahren den Diskuswurf nach Belieben beherrscht, wurde 2011 zweimal positiv auf Methylhexanamin getestet, bestritt aber die wissentliche Einnahme. Nur sechs Monate Sperre brummte sie ab, gewann seit 2012 jede große Meisterschaft - auch in Peking wird sie kaum zu schlagen sein. Die Russin Jekaterina Konewa wurde 2007 als Sprinterin positiv auf Testosteron getestet und zwei Jahre gesperrt, wechselte danach zum Dreisprung und reist nun als Nummer eins der Welt nach Peking.

Relativ unkritisch steht auch LaShawn Merritt seiner eigenen Vergangenheit gegenüber. Der amerikanische Peking-Olympiasieger und dreimalige Weltmeister über 400 m, war 2010 positiv getestet und 21 Monate gesperrt worden. Ein Mittel zur Penisvergrößerung sei verantwortlich, beteuerte Merritt: "Ich bin kein Doper, ich habe nur einen Fehler gemacht." Alles halb so schlimm also.

(sid)
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