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Bronze im Zehnkampf
Dopingkontrolle – Party für Freimuth fällt aus

Zehnkämpfer Freimuth jubelt mit seiner Bronzemedaille
Zehnkämpfer Freimuth jubelt mit seiner Bronzemedaille FOTO: afp, dd/tlr/dan
Peking. Nach der Bronze-Party fiel für Rico Freimuth auch der Ausflug zur Chinesischen Mauer aus. "Aber das kann ich verkraften – ich muss ja zur Siegerehrung", sagte der Zehnkämpfer und grinste. Während sein WG-Kumpel Michael Schrader Sightseeing machte, genoss Freimuth am Sonntag den emotionalen Höhepunkt seiner Reifeprüfung in Peking.

"Das ist einfach überwältigend", sagte Freimuth, nachdem er sich bei der Leichtathletik-WM nach vielen Rückschlägen und Zweifeln mit Bronze belohnt hat: "Ich bin einfach nur stolz darauf, dass ich endlich mal gezeigt habe, was in mir steckt. Dass ich es alles zusammengebracht habe."

Mit 8561 Punkten – Platz acht der ewigen deutschen Bestenliste – erkämpfte sich der Hallenser den größten Triumph seiner Karriere. Nur der alles überragende Ashton Eaton mit seiner Weltrekord-Show (9045 Punkte/USA) und der Kanadier Damian Warner (8695) waren noch stärker als Freimuth. Kai Kazmirek (Rhein/Wied) wurde Sechster (8448) und Schrader, der 2013 in Moskau noch Silber gewonnen hatte, machte als Siebter (8418) das starke deutsche Abschneiden der Zehnkämpfer in China perfekt.

Trotzdem blieb die große Party hinterher aus. "Ich saß bis drei Uhr nachts bei der Dopingkontrolle", sagte Freimuth: "Als ich wieder im Hotel war, haben alle schon geschlafen." Dabei hatte der Sohn von 8792-Punkte-Mann Uwe Freimuth angekündigt, seine Bronze-Prämie von immerhin 20.000 Dollar auf den Kopf hauen zu wollen. Doch die Feier wird natürlich nachgeholt: "Da mach ich dann den Barkeeper."

Und nach einem verdienten Urlaub beginnt dann auch schon die Vorbereitung auf Olympia in Rio - und das vielleicht gemeinsam mit Eaton. Der "König der Athleten" aus den USA will zusammen mit Freimuth und Schrader in Santa Barbara, der Perle Kaliforniens, trainieren. "Er hat uns schon oft eingeladen", sagte Freimuth, "wir überlegen definitiv, zu ihm zu fahren."

Freimuth und Schrader halten Eaton ohnehin für den "Größten aller Zeiten". Aber auch der US-Amerikaner, der in Peking unglaublich auftrumpfte und seinen eigenen Weltrekord um sechs Punkte verbesserte, hält große Stücke auf die German Guys. "Ich liebe die deutschen Jungs. Sie haben den größten Kampfgeist. Ich lerne von ihnen", sagte Eaton.

Richtig viel gelernt hat auch Freimuth in den vergangenen Monaten. "Ich bin schon oft an mir selbst gescheitert. Aber ich bin reifer, erwachsen geworden", sagte Freimuth. Bei den vergangenen großen Meisterschaften hatte er im entscheidenden Moment oft Nerven gezeigt, bei Olympia in London wurde er Sechster, dann in Moskau bei der WM Siebter wie auch zuletzt bei der EM in Zürich. Jetzt hat es endlich mit dem ganz großen Erfolg geklappt.

"Ich habe mich zwischendrin gesehen, wie ich heule, wie ich Vierter werde, wie ich Fünfter werde, wie ich im Stabhochsprung versage. Aber das Bestmögliche ist passiert", sagte Freimuth: "Wenn ich ohne Medaille aus meiner Karriere rausgegangen wäre, hätte ich mich nicht gehasst, aber auch nicht richtig gemocht."

Jetzt hat Freimuth endlich die Medaille - im Gegensatz zu seinem Vater, der 1983 WM-Vierter wurde. "Er ist mega stolz auf mich", sagte Freimuth vor seiner Siegerehrung. Und die Chinesische Mauer steht ja sicher auch noch ein paar Jahre.

(sid)
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