| 07.11 Uhr

Leichtathletik-WM
Hürdensprinterin Roleder fliegt zu Silber

Peking. Die Leichtathletik-WM ist um zwei Überraschungen reicher. Die Leipziger Hürdenläuferin Cindy Roleder und die niederländische Sprinterin Dafne Schippers haben die Konkurrenz aus Jamaika und den USA geschockt.

Die Bilder des völligen Erstaunens ähnelten sich sehr. Cindy Roleder schlug fassungslos die Hände vors Gesicht. Eine halbe Stunde vorher hatte Dafne Schippers genauso ungläubig auf die Anzeigetafel gestarrt. Eine deutsche Hürdensprinterin und eine 200-Meter-Läuferin aus den Niederlanden haben die ansonsten von Amerikanerinnen und Jamaikanerinnen dominierte Sprintwelt auf den Kopf gestellt. Roleder gewann in der persönlichen Bestzeit von 12,59 Sekunden die Silbermedaille über 100 Meter Hürden. Und Schippers verbesserte bei ihrem ersten WM-Titel sensationell einen jahrzehntealten Europarekord der früheren DDR-Größen Marita Koch und Heike Drechsler.

"Das war ein Traumlauf! Und eine hammermäßige Zeit", sagte Roleder. "Ich glaube, das war das Rennen meines Lebens." Die deutsche Meisterin hatte schon im Halbfinale zum ersten Mal ihren persönlichen Rekord gesteigert. Im Endlauf musste sich die 26-Jährige aus Leipzig dann nur der Jamaikanerin Danielle Williams geschlagen geben.

Roleder legte einen furiosen Schlussspurt hin. Nur wenige Meter mehr und sie hätte dieses Rennen vielleicht noch gewonnen. Titelverteidigerin Brianna Rollins aus den USA, Mitfavoritin Tiffany Porter aus Großbritannien - an allen lief sie noch vorbei. "Ich kann es gar nicht fassen", sagte Roleder nach ihrem sensationellen Coup im Hürdensprint: "Ich hätte niemals gedacht, dass ich eine Medaille gewinne."

Die Leipzigerin gewann damit die sechste Medaille für das deutsche Team in Peking - und das völlig unerwartet. Roleder war noch gar nicht geboren, als die DDR-Sprinterinnen Gloria Uibel (Silber) und Cornelia Oschkenat (Bronze) 1987 in Rom die bisher letzten deutschen Hürden-Medaillen bei einer WM gewonnen hatten.

Mit der Deutschland-Fahne um die Schultern gewickelt ließ sich Roleder von den Fans im "Vogelnest" gebührend feiern. "Ich wusste, dass ich weit vorne war und dann kann man einfach nur hoffen", sagte Roleder über das bange Warten, bis endlich ihre Platzierung auf der riesigen Leinwand erschien: "Als Platz zwei da stand, ist mir kurz das Herz stehengeblieben."

Dabei hatte Roleder Anfang 2014 ihre Laufbahn als Hürden-Spezialistin schon an den Nagel gehängt. Nach einigen Dämpfern wollte sie sich ganz auf den Siebenkampf konzentrieren, doch von ihrer alten Liebe konnte sie dann doch nicht lassen. Bei der EM in Zürich war sie dann auch über die Hürden am Start und holte Bronze, jetzt folgte der sensationelle Hürden-Coup. "Ich mache genau so weiter", sagte Roleder mit Blick auf Olympia in Rio: "Ich werde weiter Siebenkampf trainieren. Dann schaue ich mir weiter die Hürden an."

Schippers lief über 200 Meter in 21,63 Sekunden die viertbeste Zeit der Leichtathletik-Geschichte. Nur die bereits verstorbene Weltrekordhalterin Florence Griffith-Joyner (21,34 und 21,56) und die geständige Doping-Sünderin Marion Jones (beide USA/21,62) waren schon einmal schneller. "Ich habe vorher auf die Goldmedaille und eine Zeit unter 22 Sekunden gehofft. Aber jetzt kann ich das nicht glauben. Das ist doch verrückt", sagte die Europameisterin.

Auch die 23-Jährige verdankte ihren Triumph einem energischen Endspurt. Schippers' Rennen war so herausragend, dass sie den je zweimal von Marita Koch (1979) und Heike Drechsler (1986) gelaufenen Europarekord von 21,71 Sekunden verbesserte. Ihr Trainer Bart Bennemann versichert hingegen, dass ihre phänomenale Beschleunigungsfähigkeit nicht auf verbotenen Mitteln beruht. "Um diese Fragen kommt sie nicht herum", meinte er, aber was könne sie dafür, dass sie "solche Vorgängerinnen hat. Das ist nicht ihr Fehler".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichtathletik-WM: Hürdensprinterin Cindy Roleder fliegt zu Silber


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.