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Leichtathletik-WM
Holzdeppe fliegt zu WM-Silber

Holzdeppe jubelt über Silber
Holzdeppe jubelt über Silber FOTO: afp, dd/tlr/dan
Peking. Im Finale von Peking zeigt sich der 25-Jährige nervenstark. Im letzten Versuch meistert er 5,90 Meter und holt Edelmetall. Nachfolger des Pfälzers wird überraschend der Kanadier Barber, der weniger Fehlversuche hat. Von Kristof Stühm und Christoph Leuchtenberg

Raphael Holzdeppe schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf, dann schnappte er sich eine Deutschland-Flagge und startete seine Silber-Party. Der Stabhochspringer verpasste zwar den erneuten WM-Coup, freute sich im Vogelnest von Peking aber über Platz zwei. Der 25-Jährige meisterte 5,90 m und musste sich nur Überraschungssieger Shawnacy Barber (Kanada) geschlagen geben, weil der 21-Jährige seine Siegeshöhe bereits im ersten Versuch übersprungen hatte. "Ich habe alles gegeben, was drin war. Mein ganzer Körper tut weh", sagte Holzdeppe. "Es war ein Auf und Ab der Gefühle."

Dagegen stürzte "Air France" Renaud Lavillenie (28) bei einer WM schon wieder ab. Der haushohe Favorit konnte sein Trauma nicht besiegen und musste sich nach 5,80 m mit dem geteilten dritten Platz zufriedengeben. Der Olympiasieger und Weltrekordler war bedient, schließlich wollte er den Titel gewinnen, der ihm in seiner Sammlung noch fehlt. "Ich weiß noch gar nicht, was da draußen passiert ist", sagte der dreimalige Europameister, der schon 2013 mit Silber und zuvor zwei Mal Bronze bittere WM-Pleiten eingesteckt hatte.

Nach seinem Wackler in der Qualifikation, als er seine Anfangshöhe erst im dritten Versuch meisterte, begann Holzdeppe im Finale hellwach. 5,65 m meisterte er souverän, die 5,80 im zweiten Versuch. Dann bewies er Nervenstärke: Vor dem Aus stehend, schaffte er die 5,90 m im dritten Durchgang. "Da ist mir das Herz ganz schön in die Hose gerutscht", sagte Holzdeppe. Die sechs Meter für Gold waren dann aber zu hoch.

Trotzdem gab Holzdeppe der Saison "die Note eins". Nach einem Seuchenjahr 2014 hatte er den Resetknopf gedrückt und sich in der alten Heimat eine neue Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen. Aus München kehrte er nach Zweibrücken zu seinem Trainer Andrej Tiwontschik zurück. Er zog mit seiner Freundin zusammen, der Weitspringerin Sosthene Moguenara, und hat auch wieder seine alten Kumpels um sich. "Das spielt eine große Rolle, ich fühle mich wohl und bin nicht mehr so viel auf der Autobahn unterwegs. Die Kraft, die ich dadurch spare, kann ich ins Training stecken", sagte der Pfälzer vor der WM.

In diesem Jahr sprang Holzdeppe, von Verletzungen verschont, so hoch und konstant gut wie nie. Zuletzt steigerte er seine Bestleistung bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg auf 5,94 m. "Ich bin auf dem richtigen Weg, das gibt mir für Olympia ein gutes Gefühl", sagte er.

Die erste richtige Enttäuschung für den DLV war die Leistung von Silke Spiegelburg (Leverkusen). Die deutsche Stabhochsprung-Rekordhalterin scheiterte in der Qualifikation. 4,45 m - und die auch erst im dritten und letzten Versuch - reichten der 29-Jährigen nicht fürs Finale der besten 14. Enttäuscht und wortlos verließ sie das Stadion.

Nachdem ihr rechter Fuß immer wieder Probleme bereitet hatte (Haarriss im Kahnbein), ließ sich Spiegelburg im vergangenen Jahr operieren. "Die ganze Vorbereitung verlief nicht optimal. Nach der Fuß-OP fehlte ihr die Sprungstabilität", sagte Trainer Tiwontschik. "Beim Einspringen war es noch gut. Danach war sie sicher auch etwas angespannt." Zweimal war Spiegelburg WM-Vierte, einmal Olympia-Vierte. Im Juni hatte sie mit 4,75 m Hoffnung auf den ganz großen internationalen Erfolg geweckt.

Neue Marken setzten Shelly-Ann Fraser-Pryce (28) und Ezekiel Kemboi (33). Die zweimalige Olympiasiegerin aus Jamaika gewann zum dritten Mal in Serie ein WM-Finale über 100 Meter (10,76 Sek.). Der zweimalige Olympiasieger aus Kenia sicherte sich zum vierten Mal in Folge den Titel über 3000 Meter Hindernis und ist der erste Leichtathlet, der in ein- und derselben Disziplin seine siebte WM-Medaille gewann.

(sid)
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