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Leichtathletik
Harting verabschiedet sich ohne Medaille von der WM-Bühne

Harting verpasst Medaille
Harting verpasst Medaille FOTO: rtr, ANF
London. Robert Harting gratulierte den besten Diskuswerfern der Welt artig, dann trottete er in die Katakomben: Der einstige "King of the Ring" hat sich ohne Medaille von der WM-Bühne verabschiedet.

Platz sechs wurde es für den Berliner bei den Titelkämpfen im Londoner Olympiastadion. Der Ort, an dem Harting bei den Sommerspielen 2012 mit Gold den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte, hielt kein Happyend bereit.

Vor den Augen seines Bruders Christoph, der sich ein Jahr nach seinem Olympiasieg nicht für die Titelkämpfe qualifizierte hatte, blieb der ältere Harting mit 65,10 m im Rahmen seiner Möglichkeit, der Rückstand auf die Medaillen war am Ende gewaltig. "Ich hatte technische Probleme, und wenn man im WM-Finale damit anfängt, die zu lösen, dann kann man nicht mehr richtig werfen", sagte Harting in der ARD.

Gold sicherte sich überraschend der Litauer Andrius Gudzius (69,21) vor dem Schweden Daniel Stahl (69,19) und Mason Finley aus den USA (68,03). Stahl war mit einer Jahresbestleistung von 71,29 m als Topfavorit angereist, musste sich aber in der knappsten Diskus-Entscheidung der WM-Geschichte mit Silber begnügen.

Harting begann mit eben jenen 65,10 - da hatten die späteren Medaillengewinner aber schon Fakten geschaffen. Spätestens als Gudzius und Stahl im zweiten Durchgang die 69-Meter-Marke übertrafen und auch Finley mit 68,03 soweit warf wie nie zuvor, war klar, dass der deutsche Meister für Edelmetall ein kleines Wunder braucht - das hatte er aber nicht in den Armen. Selbst seine Saisonbestleistung von 66,30 m wäre in London deutlich zu wenig gewesen.

Der 32 Jahre alte Harting war 2009, 2011 und 2013 Weltmeister geworden. 2015 hatte er die Titelkämpfe in Peking als Folge eines im Jahr zuvor erlittenen Kreuzbandrisses verpasst. 2016 war Harting bei den Olympischen Spielen bereits in der Qualifikation gescheitert, nachdem er sich einen Hexenschuss zugezogen hatte.

Im ausverkauften Olympiastadion von London herrschte rund 90 Minuten vor dem großen 100-m-Finale mit Usain Bolt bereits eine Riesen-Stimmung. Harting genoss bei seinem letzten WM-Einsatz die Euphorie auf den Rängen zunächst sichtlich, schon beim Kampf um das Final-Ticket am Tag zuvor hatte er seinen Spaß gehabt.

"Es war geil, so ein volles Stadion habe ich bei einer Qualifikation noch nicht erlebt", hatte er gesagt: "Ich habe mich sehr wohl gefühlt und werde mich im Finale wahrscheinlich so wohl fühlen wie noch nie." Exakt 357 Tage nach dem olympischen Drama von Rio, als er vor allem wegen eines Hexenschusses in der Vorausscheidung gescheitert war, war jenes Trauma abgehakt.

Statt Rio-Trauma wollte sich Harting ohnehin am London-Traum orientieren. Am 7. August 2012 war er in der schmucken Arena im Osten Londons Olympiasieger geworden, die Bilder des "Feierbiests" gingen um die Welt: Harting, wie er sein Trikot zerriss, Harting, wie er bemerkenswert gekonnt über die in der Nähe des Rings aufgebauten Hürden sprang. Doch der London-Bonus reichte ihm nicht, um nun fünf Jahre nach seinem olympischen Coup noch einmal ernsthaft in den Medaillenkampf einzugreifen.

Vom 2012er-Harting hatte sich der eigenwillige Berliner allerdings in den folgenden Jahren, vor allem aber nach seiner schweren Verletzung im Herbst 2014, ein ganzes Stück wegentwickelt. War gereift, reflektierter, nachdenklicher geworden. "Ich nehme viele Sachen nicht mehr so ernst, nicht mehr so wichtig", sagte Harting. Aber: "Ich will mich nicht beweihräuchern, aber es gibt keinen Diskuswerfer, der nach einem Kreuzbandriss noch einmal so weit gekommen ist."

(dpa)
 
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