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Leichtathletik-WM
Teenager Ghebreslassie landet Sensationssieg - Kenianer brechen ein

Ghebreslassie holt erstes Gold im Vogelnest
Ghebreslassie holt erstes Gold im Vogelnest FOTO: ap, TH DC
Peking. In der Hitzeschlacht von Peking sind die unter Doping-Generalverdacht stehenden Marathon-Stars aus Kenia komplett eingegangen. Beim Sensations-Sieg des Teenagers Ghirmay Ghebreslassie aus Eritrea (2:12:28 Stunden) zum Auftakt der Leichtathletik-WM gaben sowohl Weltrekordler Dennis Kimetto als auch Ex-Weltrekordler Wilson Kipsang auf. Mark Korir erreichte als einziger Kenianer als 22. das Ziel.

"Es ist unbeschreiblich. Meine Eltern wollten, dass ich ein großartiger Student werde. Aber ich wollte lieber ein großartiger Athlet werden", sagte der erst 19 Jahre alte Ghebreslassie, der in seinem erst zweiten beendeten Marathon bei Temperaturen weit über 30 Grad am frühen Morgen vor Yemane Tsegay aus Äthiopien (2:13:08) und Munyo Solomon Mutai aus Uganda (2:13:30) siegte. Als bester Europäer wurde der Italiener Ruggero Pertile Vierter (2:14:23). Olympiasieger und Titelverteidiger Stephen Kiprotich (Uganda) kam auf Platz sechs (2:14:43).

Ghebreslassie hat den gleichen Manager wie Wunderläufer Gebrselassie

Ghebreslassie wurde damit jüngster Marathon-Weltmeister der Geschichte. Und nicht nur sein Name erinnert an einen ganz Großen: Manager des Sensations-Siegers ist der Niederländer Jos Hermens, der einst für den äthiopischen Wunderläufer Haile Gebrselassie verantwortlich war. Für Eritrea, den vom jahrelangen Bürgerkrieg geschüttelten Staat in Nordostafrika, war es das erste WM-Gold der Geschichte. Für die zuvor einzige Medaille des Landes hatte Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tadese 2009 in Berlin mit Silber über 10.000 m gesorgt.

Auf den breiten Boulevards rund um das Vogelnest, auf denen schon beim Start um 7.35 Uhr Gluthitze herrschte, war es schon früh um die Kenianer geschehen. Dabei sollte nach den bitteren Pleiten bei Olympia 2012 und der WM 2013, als jeweils Ugandas Außenseiter Kiprotich den Läufern aus dem großen Nachbarland Gold wegschnappte, in Peking doch alles anders werden. Kenia hatte dafür seine beiden Topstars aufgeboten, die damit auf einen lukrativen Herbstmarathon verzichteten.

Doch bereits zur Hälfte des Rennens platzte Weltrekordler Kimetto. Der 31-Jährige, der 2014 in Berlin 2:02:57 Stunden gelaufen war, konnte nicht mehr folgen und beendete das Rennen. Nach der 30-km-Marke erwischte es auch Kipchang. Der Ex-Weltrekordler fiel einem hektischen Rennen zum Opfer, in dem zunächst die Italiener Pertile und Daniele Meucci, dann Tsepo Mathibelle aus Lesotho mit ihren Attacken das Feld auseinander rissen.

Dabei hatte gerade Kipchang, der 2012 in London Olympia-Bronze geholt hatte, vor dem Rennen große Töne gespuckt. Er wollte wie zuvor sein Landsmann Samuel Wanjiru in Peking triumphieren - Kenias Marathon-Idol war im Vogelnest 2008 Olympiasieger geworden, drei Jahre später starb er bei einem Sturz vom Balkon seiner Wohnung.

Kenianer von Doping-Vorwürfen unbeeindruckt

Von den Doping-Vorwürfen, denen die kenianischen Langstrecken-Stars immer stärker ausgesetzt sind, hatte sich Kipsang unbeeindruckt gezeigt. "Ich kenne die Anschuldigungen, aber sie beeinflussen uns nicht. Das Team hat wie immer trainiert", sagte der 33-Jährige.

Die Läufer-Nation aus Ostafrika steht mittlerweile unter Generalverdacht. In den Doping-Enthüllungen von ARD und der britischen Sunday Times wurde ihnen ebenso systematisches Doping unterstellt wie der russischen Leichtathletik.

In den vergangenen zwölf Monaten waren mehrere Marathon-Läufer des ostafrikanischen Landes aus dem Verkehr gezogen worden, unter anderem hatte die dreimalige Boston-Siegerin Rita Jeptoo zwei Jahre Sperre wegen Epo-Dopings erhalten.

(sid)
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