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Marathon in Berlin
Der Tod läuft mit

Kimetto knackt Marathon-Weltrekord in Berlin
Kimetto knackt Marathon-Weltrekord in Berlin FOTO: dpa, rje jai
Berlin. Beim Berlin-Marathon am Sonntag sind 60 Ärzte im Einsatz. Infusionsbeutel, Defibrillatoren und Blutanalysegeräte stehen bereit. Der Wettkampf birgt Risiken. Von Martin Beils

Der Autor Hajo Schumacher – als Kolumnist Achim Achilles ein Guru der deutschen Laufszene – meint lapidar: "Unter den vielen Optionen für das Unausweichliche ist der Tod beim Laufen nicht die schlechteste." Er zitiert auch gern den Schriftsteller Charles Bukowski, der sagte: "Find what you love and let it kill you. Finde, was du liebst, und lass dich davon töten."

Tatsächlich ist der Tod präsent bei den großen Laufveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon, zu dem am Sonntag rund 41.000 Sportler, zum Großteil Hobbysportler, antreten. Auf 110.000 Starter komme ein Todesfall, sagt Lars Brechtel, einer der medizinischen Direktoren der Veranstaltung. Heißt statistisch: Alle drei Jahre ein Opfer. "Das ist relativ wenig", findet Brechtel, "zumal wenn man es in Relation zu einer Kleinstadt setzt, die da auf den Beinen ist. In einer entsprechend großen Kleinstadt kann ja auch immer etwas passieren."

Drei Tage nach dem Ironman-Triathlon in Frankfurt am Main im Juli starb ein Brite an einer Hirnschwellung. Er hatte während der Tortur in der Hitze zu wenig Salze zu sich genommen. Doch meist ist ein Zusammenbruch des Herzkreislauf-Systems der Grund für Todesfälle im Ausdauersport. So wie im Mai, als der Tod eines 30-Jährigen einen Marathonlauf im Ruhrgebiet überschattete. Zwei Kilometer vor dem Ziel war er zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben. Jedes Jahr ist von solchen Fällen zu hören.

Der Härtefallfonds für Hinterbliebene, den der Deutsche Leichtathletikverband aufgelegt hat, kommt jährlich für maximal zehn solcher Fälle auf. "Nicht viel angesichts von mehr als 3000 Laufveranstaltungen mit weit über einer Million Teilnehmer in jedem Jahr", urteilt Lars Brechtel.

Das medizinische Personal des Berlin-Marathons umfasst 760 Personen, darunter 60 Ärzte und 50 Intensivpfleger. 250 Infusionsbeutel, 50 Defibrillatoren und zehn tragbare Blutanalysesysteme, die Informationen über Herzfunktion und physische Belastung liefern, liegen bereit. Das klingt wie bei einem Einsatz im Katastrophengebiet. "Bei Katastrophen gehen wir vom Worst Case, vom schlimmsten Fall aus", sagt Brechtel. Beim Marathon habe es sein Team jedoch vornehmlich mit Muskelverletzungen, Hautabschürfungen oder Blasen zu tun.

Der lange Lauf ist eine hohe körperliche Belastung. Wissenschaftler sprechen vom Marathon-Paradox: die systematische Vorbereitung über eine lange Zeit hat zwar positive Effekte auf Herz, Bänder und Immunsystem, der Wettkampf selbst hingegen schadet eher. Brechtel empfiehlt allen Sportlern dringend eine Sporttauglichkeitsuntersuchung und ein erhöhtes Maß an Verantwortungsbewusstsein ("Hören Sie auf Warnsignale Ihres Körpers!"). Der Sportmediziner Willi Heepe (77), mehr als 30 Jahre medizinischer Direktor des Berlin-Marathons, sagt: "Marathonlaufen ist eine Modedroge. 40 Prozent der Läufer waren nie beim Arzt. Das ist Wahnsinn." Er weiß aber auch: "Der intelligente Läufer ist heute besser vorbereitet als noch vor 30 Jahren. Die Kerngesunden zeigen Verantwortung. Die Ignoranten sind am meisten gefährdet."

Quelle: RP
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