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Kosten für Gutachten zu hoch
Behindertensport-Präsident attakiert IAAF im Fall Rehm

Paralympics 2012: Weitspringer Rehm mit Weltrekord zu Gold
Paralympics 2012: Weitspringer Rehm mit Weltrekord zu Gold FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Düsseldorf. Im Fall des unterschenkelamputierten Weitspringers und Paralympics-Siegers Markus Rehm hat Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensport Verbands (DBS), den Leichtathletik-Weltverband (IAAF) scharf kritisiert.

Dieser hatte im August 2015 verfügt, dass Rehm selbst nachweisen müsse, dass seine Prothese ihm bei Wettkämpfen keinen Vorteil gegenüber nichtbehinderten Sportlern verschafft, um bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) starten zu dürfen.

"Wir als Behindertensportverband sind nicht in der Lage, die Kosten für so ein Gutachten zu tragen – immerhin war von einem sechsstelligen Betrag die Rede", sagte Beucher der "Sport Bild".

Anfang des Jahres hatte Rehm eine eigene Studie bei internationalen Experten in Auftrag gegeben. Die Resultate sollen kommenden Montag in Köln präsentiert werden. Beucher fühlt sich von der IAAF allein gelassen. "Wer eine Beweislastumkehr beschließen lässt, wie es der Internationale Leichtathletikverband getan hat, ist auch verantwortlich für die Finanzierung. Gerade die großen internationalen Verbände dürfen sich nicht nur schäbig in die Büsche schlagen und den anderen den Rest überlassen", sagte der 69-Jährige.

Ob Rehm mit der Untersuchung seine Teilnahme an Olympia überhaupt erstreiten könnte, bleibt allerdings unklar. Die IAAF hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die über die Erlaubnis von Prothesen in Wettbewerben von Nichtbehinderten befinden will. Eine endgültige Entscheidung fällt jedoch frühestens bei der nächsten Sitzung des IAAF-Council im Juni.

Rehm war 2014 sensationell deutscher Meister im Weitsprung geworden und hatte dadurch große Diskussionen ausgelöst. Für die Freiluft-EM war er später nicht nominiert worden, 2015 startete er bei den deutschen Meisterschaften in einer getrennten Wertung. Mit seiner Bestleistung von 8,40 Metern könnte er in Rio um die Olympia-Medaillen kämpfen.

(sid)
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