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Prothesenspringer
Ist Markus Rehm zu gut für Olympia?

Paralympics 2012: Weitspringer Rehm mit Weltrekord zu Gold
Paralympics 2012: Weitspringer Rehm mit Weltrekord zu Gold FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Doha/Düsseldorf. Springt er zu weit, dann gehen die Diskussionen los. So geschehen vor ein paar Tagen bei der Leichathletik-WM in Katar: Im dritten Versuch gelingt dem Paralympicssieger von London 2012 der perfekte Sprung: überragende 8,40 Meter. Ein neuer Para-Weltrekord. Von Jessica Balleer

Der Prothesenspringer Markus Rehm übertrumpft seine eigene Bestmarke um elf Zentimeter. Damit bleibt der Leverkusener seit seinem ersten WM-Titel vor vier Jahren in seiner Paradedisziplin bei Großereignissen ungeschlagen.

"Mir war schon vor dieser WM klar, dass die Diskussionen wieder losgehen", sagte der 27-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst. "Dass man jahrelang hart arbeitet und diese Leistungen dann in Frage gestellt werden, ist eine bedenkliche Entwicklung."

Für Rehm ist es ein inneres Dilemma, zwischen dem persönlichen Ehrgeiz eines Profisportlers und der öffentlichen Diskussion der Fairness im Sport rund um die Frage, ob Sprünge mit und ohne Prothese überhaupt vergleichbar sind. Vor etwa einem Jahr berücksichtigte ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband nicht für die EM in Zürich, trotz erfüllter Norm. Der Deutsche Meister im Weitsprung blieb daheim. Oscar Pistorius dagegen, der unterschenkelamputierte südafrikanische Sprinter, klagte seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2012 in London ein. Pistorius Start mit Karbonstelzen über die 400 Meter wurde stark diskutiert.

Die Olympia-Teilnehmer von Rio 2016 scheinen nun eine ernsthafte Bedrohung in Markus Rehm zu sehen, und das, obwohl im Fall Rehm ein voll gewerteter Start bei den Spielen kaum realistisch ist. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF fordert einen kaum zu erbringenden Beweis dafür, dass Prothesen keinen Vorteil bringen. Dass Rehm in getrennter Wertung startet, ist aber denkbar. Vor dem Szenario, dass ein Weitspringer zum Olympiasieger gekürt wird, der nicht den weitesten Sprung des Tages gesetzt hat, schürt die Angst der Athleten. Mit 8,40 Metern jedenfalls hätte Rehm in London olympisches Gold gewonnen - und nicht der Brite Greg Rutherford (8,31 Meter).

Der Behindertensportler des Jahres 2014 gibt sich kämpferisch. Markus Rehm argumentiert, dass man an den schlechteren Leistungen anderer Prothesenspringer sehen könne, dass sein Erfolg das Ergebnis harten Trainings ist. Den Traum von Rio 2016 hat er nicht aufgegeben.

Kann ein Athlet zu gut für Olympia sein? Das klingt zunächst paradox, ist es doch das Ziel einer Nation, die Landesbesten zu entsenden. Darüber hinaus definiert der Deutsche Olympische Sportbund den Begriff der Inklusion als "gleichberechtigte Partizipation". Rehm will nicht anfangen, vor Wettkämpfen zu taktieren. "So weit wie möglich zu springen, das ist der Inhalt meines Sportes. Und dafür möchte ich mich auch nicht entschuldigen."

Quelle: RP
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