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Neue Dopingfälle
Russlands Leichtathletik droht weiter Olympia-Bann

Neue Dopingfälle: Russlands Leichtathletik droht weiter Olympia-Bann
Die endgültige Entscheidung der IAAF fällt im Mai. FOTO: dpa, mr nic hak
Monte Carlo. Russlands Leichtathleten bleiben gesperrt - damit droht weiterhin ein Olympia-Bann. Das Land müsse einfach noch mehr Engagement bei der Reformierung seines Anti-Doping-Programms zeigen, fordert IAAF-Chef Sebsatian Coe. Im Mai soll die endgültige Entscheidung fallen.

Russlands skandalumwitterter Leichtathletik-Verband kann angesichts der neuen Dopingfälle derzeit nicht mit einer Aufhebung seiner Sperre rechnen. Das Land habe noch nicht genug für die Reformierung seines Anti-Doping-Programms getan, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe am Freitagabend zum Abschluss der Councilsitzung in Monte Carlo. "Derzeit sollte Russland nicht wieder zugelassen werden", bekräftigte der Chef des Weltverbandes auf einer Pressekonferenz. Im Mai will das 27-köpfige Council eine endgültige Entscheidung treffen.

DLV-Präsident Clemens Prokop begrüßte die IAAF-Entscheidung: "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall richtig und nachvollziehbar. Ich bin aber weiter skeptisch, ob die Suspendierung überhaupt aufgehoben werden kann", sagte der Chef des deutschen Verbandes.

Nach den massiven Doping-Enthüllungen des vergangenen Jahres war der russische Verband RUSAF vorläufig für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt worden. Eine Hintertür für die Olympia-Teilnahme in Rio de Janeiro gibt es noch, weil die RUSAF neue Strukturen und Reformen angekündigt hat. Diese überwacht eine Taskforce der IAAF, deren Leiter Rune Andersen dem Council erstmals berichtet hat. Die RUSADA hatte Anfang Januar auch eine neue Führung gewählt.

In Bezug auf die Aufhebung der Dopingsperre sei keine "revolutionäre Lösung" in Sicht, sagte Sportminister Witali Mutko am Freitag in Moskau. Ein Grund dafür seien vermutlich die Fälle von Meldonium-Doping im russischen Sport. Er übernehme dafür die grundsätzliche Verantwortung, sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin. Allerdings gebe es im Land kein systematisches Doping mit Meldonium, meinte Mutko der Agentur Interfax zufolge.

In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche russische Athleten des Dopings mit Meldonium beschuldigt. Prominenteste Sportlerin ist Tennis-Star Maria Scharapowa. In die Affäre hatte sich am Vortag sogar Russlands Außenminister Sergej Lawrow eingeschaltet. Er erwarte von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA eine Erklärung, warum Sportler das Präparat nicht mehr nehmen dürfen, sagte er einem TV-Sender.

"Nach einigen Jahrzehnten, in denen das Präparat sowohl von Sportlern als auch von Menschen mit Herzproblemen eingenommen werden durfte, wurde es plötzlich zu Doping erklärt. Das wirft Fragen auf", sagte Lawrow. Dafür könne es seitens der WADA "schwerwiegende Gründe" geben. "Aber sie sind weder uns noch der wissenschaftlichen Gesellschaft bekannt", sagte er. Russland erwarte, dass "auf professionelle Fragen professionelle Antworten" folgen.

Eine ernsthafte Warnung schickte Coe an Äthiopien, Marokko, Kenia, die Ukraine und Weißrussland und sprach in Bezug auf die Doping-Bekämpfung in diesen Ländern von einem "kritischen Zustand". Die Anti-Doping-Programme müssten ernsthaft verbessert werden.

Inmitten der Affären konnte die IAAF aber auch eine gute Nachricht verkünden. Adidias, einer der sieben großen Sponsoren der Leichtathletik, hat dem Weltverband offenbar noch eine Galgenfrist gegeben. "Adidias wird bis Jahresende bei uns bleiben", verkündete Coe im Fairmont Hotel von Monte Carlo. Der Sportartikel-Hersteller aus Franken ist neben Canon, Seiko, TDK, Toyota, TBS und Mondo einer der sieben großen Partner der IAAF.

(dpa)
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