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Doping-Sünder
Verärgerter Bolt fordert Rauswurf von Gay

Doping-Skandal um Supersprinter: Fragen und Antworten
Doping-Skandal um Supersprinter: Fragen und Antworten FOTO: afp, THOMAS LOHNES
Hamburg. Usain Bolt ist sauer. Völlig entrüstet fordert der Sprint-Superstar den Rausschmiss seines Rivalen und Dopingsünders Tyson Gay aus der Leichtathletik.

Der US-Amerikaner "sollte aus dem Sport ausgeschlossen" werden, sagte Bolt in einem Interview mit "Runner's World". Gay nach seinem positiven Dopingtest 2013 nur für ein Jahr zu sperren, bezeichnete der 28-Jährige Jamaikaner als die "dümmste Entscheidung, die ich je gehört habe".

Bolt kann und will sich mit Gays schneller Rückkehr auf die große Bühne nicht abfinden. "Das hat mich wirklich verärgert. Er hat ein Jahr bekommen, nur weil er den Behörden gesagt hat, wie es gelaufen ist und wer ihm geholfen hat. Das sendet die falsche Botschaft", sagte der Weltrekordhalter über 100 und 200 m: "Die Botschaft sollte lauten: 'Wenn du betrügst, wirst du aus dem Sport ausgeschlossen.'"

Gay war im Sommer 2013 positiv auf ein anaboles Steroid getestet, aber nur für ein Jahr gesperrt worden, weil er mit der us-amerikanischen Anti-Dopingagentur USADA kooperierte und Hintermänner nannte. Alle Wettkampfergebnisse des Doppel-Weltmeisters von 2007 seit dem 15. Juli 2012, und damit auch die der Olympischen Spiele von London, wurden annulliert. Der 32-Jährige ist mit einer Zeit von 9,69 Sekunden über 100 m der zweitschnellste Mann der Geschichte hinter dem sechsmaligen Olympiasieger Bolt.

Gay musste außerdem Preisgelder in Höhe von 500.000 US-Dollar, die er bei insgesamt sechs Meetings erhalten hatte, zurückzahlen. Am 3. Juli 2014 kehrte Gay nach Ablauf seiner Sperre beim Diamond-League-Meeting in Lausanne zurück und sprach danach von einem Empfang mit "offenen Armen".

"Fühl mich verarscht!"

Doch auch schon damals regte sich massiver Widerstand gegen das umstrittene Comeback. "Mir fehlen die Worte! Gay nach nur einem Jahr Sperre gleich wieder bei den großen Rennen dabei! Fühl mich verarscht!", schrieb Julian Reus, deutscher Rekordhalter über 100 m, damals bei Twitter.

Innerhalb der Leichtathletik wehrt man sich nach den jüngsten Skandalen - besonders in Russland - mittlerweile immer lauter gegen Dopingsünder und stellt sie an den Pranger. Zuletzt war das Entsetzen in der Szene groß, nachdem US-Sprinter Justin Gatlin vom Sportartikelriesen Nike mit einem neuen Sponsorenvertrag ausgestattet wurde. Der 33 Jahre alte Olympiasieger von 2004 wurde in seiner Karriere zweimal des Dopings überführt. Einer lebenslangen Sperre entging er 2006, weil er sich als Kronzeuge zur Verfügung stellte. 2010 erwirkte er eine Halbierung seiner eigentlich acht Jahre währenden Wettkampfsperre.

Im Gegensatz zu früher hat Bolt keine Lust mehr auf neue Duelle mit Gay. "Ich mache mir keine Sorgen, dass er mich schlägt. Er war ein Konkurrent und hat mich immer angetrieben, mein Bestes zu geben. Dann herauszufinden, dass er auf Drogen war - das ist ein bisschen so, wie Eltern sich fühlen müssen, wenn ihr Kind etwas Böses getan hat", sagte Bolt: "Ich fühle mich von ihm im Stich gelassen und er hat den Sport im Stich gelassen."

(sid)
 
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