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Usain Bolt kündigt Rücktritt an
Nicht mehr lange quälen

Düsseldorf. Der Leichtathletik-Superstar aus Jamaika will sich nur noch bis zu den Titelkämpfen in London im Training quälen. Von Eckhard Czekalla

Am 28. November wird Usain Bolt in London sein. Er wird in einem Kino sitzen und auf die Leinwand blicken. Er wird sehen, wie ein Sportler drei Goldmedaillen bei Olympia in Rio de Janeiro gewinnt. In Rückblenden werden Stationen eines Weges in Erinnerung gerufen, auf dem ein talentierter Sportler aus Trelawny Weltstar und Jamaikas Nationalhelden wird.

"I am Bolt" (Ich heiße Bolt), lautet der Titel des 1:43 Stunden dauernden Werkes der Dokumentarfilmer Benjamin und Gabe Turner, das zeitgleich in zahlreichen Kinos weltweit zu sehen sein wird. Bolt wird die Momente seiner spektakulären Karriere sehen, wird die Begeisterung spüren, die er entfachte - um seine Person, aber auch für seine Sportart Leichtathletik, deren perfekter Botschafter er seit vielen Jahren ist. Der Film wird ihn aber auch daran erinnern, dass er viel investieren und auf vieles verzichten musste. Er wird registrieren, dass er reichlich belohnt wurde, dass ihm längst überall fast alle Türen offenstehen, dass Leute es genießen, sich an der Seite eines Usain Bolt zeigen zu dürfen.

Noch einmal will er sich und seinen Rivalen zeigen, dass er der Chef auf den Kunststoffbahnen dieser Welt ist. Nach der WM im kommenden August in London ist definitiv Schluss. "Je älter du wirst, desto mehr musst du opfern. Und um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich diese Disziplin habe" sagte der 30-Jährige im Interview des englischen TV-Senders Sky. "Ich weiß, wann genug ist", ergänzte der Athlet, der weit über seine Sportart hinaus populär wurde. "Der Mann ist ein Genie. Seit Muhammad Ali hat niemand die Fantasie der Leute so angeregt", sagte Sebastian Coe. Der Engländer, einst einer der weltbesten Mittelstreckenläufer, versucht derzeit als Präsident des Weltverbandes der durch einige Skandale in Verruf geratenen Leichtathletik Vertrauen zurückzugewinnen.

Eigentlich wollte Bolt nach den Spielen in Brasilien aufhören. "Dann hat mein Sponsor mich überredet, noch ein Jahr dranzuhängen", erzählte der Mann, der seinen Spitznamen Lightning (Blitz) zu Recht trägt. Kein Leichtathlet lief die 100 und 200 Meter schneller als Bolt. Er war noch 15, als er in Jamaikas Hauptstadt Kingston mit dem Sieg im 200-Meter-Finale der Junioren-WM erstmals aufhorchen ließ. Damals benötigte er 20,61 Sekunden. Sieben Jahre später steigerte er den Weltrekord auf 19,19 Sekunden, setzte er ebenfalls bei der WM in Berlin über 100 Meter (9,58) die noch aktuelle Bestmarke.

Bei Bolts Leistungen zuckten nicht wenige. Immer wieder war zu hören, dies sei auf natürlichem Weg doch nicht zu erreichen. Fakt ist: Der 1,95-Meter-Mann wurde nie des Dopings überführt. "Er bringt besondere Hebel mit, die aber auch bewegt werden wollen. Er hat riesiges Talent und eine mentale Stärke der Lockerheit", beschrieb Frank Busemann, Zweiter im Zehnkampf der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta, die Trümpfe des Superstars.

Bolt spielt nicht nur (meistens jedenfalls) mit seinen Rivalen, er spielt auch mit dem Publikum, das in die Stadien kommt, um ihn zu sehen und darauf wartet, dass er niederkniet und seinen imaginären Pfeil abschießt. "Ich bin ein Sprinter, aber auch ein Entertainer", sagte der Jamaikaner. Demnächst will er einmal beim ebenfalls vom Sportartikelhersteller Puma gesponserten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund trainieren.

Quelle: RP
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