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Weitspringerin Alexandra Wester
Leichtathletik's Next Topmodel

Weitspringerin Alexandra Wester ist Leichtathletiks Next Topmodel
FOTO: dpa, jew jai
Köln. Die Kölner Weitspringerin Alexandra Wester (21) ist in Berlin mit 6,95 m in die Weltspitze gesprungen. Ihre Leistungssteigerung ist erstaunlich. Von Martin Beils

Berlin ist ein gutes Pflaster für Alexandra Wester. Bei der Fashion Week in der Hauptstadt war sie schon ein paar Mal auf dem Laufsteg unterwegs. Nun machte sie dort in ihrem eigentlichen Metier, dem Weitsprung, auf sich aufmerksam. Sie gewann den Wettbewerb beim Istaf Indoor mit der verblüffenden Weite von 6,95 m. Sie schrie ihre Freude aus voller Kehle heraus. "Es war extrem befreiend. Diese Weite hatte ich heute noch nicht erwartet", gab die Athletin vom ASV Köln zu, die in Gabun geboren wurde und als Dreijährige nach Deutschland kam.

"Alex, das wird deine Show", hatte Trainer Charles Friedek ihr mit auf den Weg in den Wettkampf vor 12.000 Zuschauern gegeben. Erst seit Juli arbeitet sie mit dem Leverkusener zusammen, der bei den Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla den Dreisprung für sich entschieden hatte. Anfang Februar in Düsseldorf hatte Wester mit 6,72 m einen Vorgeschmack gegeben. "Endlich konnte ich mal zeigen, was ich drauf habe", sagte sie.

In der deutschen Bestenliste des vergangenen Jahres rangiert Wester nur auf dem siebten Platz. 6,59 m war sie am 12. August in Kassel gesprungen. Nun steht sie vorn: in der deutschen Bestenliste dieser Hallensaison und in der Weltjahresbestenliste. Deren Aussagekraft ist zwar begrenzt, weil viele Spitzenathleten den Meetings unter dem Dach keine große Bedeutung beimessen, aber immerhin. Besser als Wester waren in der Halle überhaupt erst zwei deutsche Weitspringerinnen. Olympiasiegerin Heike Drechsler war vor 20 Jahren letztmals bei einem Hallenmeeting weiter gesprungen - um einen Zentimeter.

Bilder: Das ist Alexandra Wester

Leistungszuwächse in diesen Dimensionen rufen angesichts der vielen Dopingfälle in der Leichtathletik Argwohn hervor. Verblüffung sprach auch aus dem Tweet, den der Deutsche Leichtathletik-Verband absetzte: "Wester gewinnt mit 6,95 m. Was ist denn da los?" Friedek sagte: "Wenn solche Vermutungen an uns herangetragen werden, wissen wir, dass wir verdammt viel richtig gemacht haben. Was wir machen, ist keine Zauberei."

Die Steigerung sei aus dem Trainingsplan, den sie für sich selbst aufgestellt hat und aus dem, was Trainer Charles Friedek ihr mitgebe, sagte sie nach dem mit Abstand besten Wettkampf ihrer Karriere. Endlich sei sie auch in körperlich guter Verfassung. Als lizenzierte Personal Trainerin weiß sie am besten, was sie braucht. Eine schwere Knieverletzung hatte der ehemaligen Siebenkämpferin zuvor über viele Jahre zu schaffen gemacht.

Derzeit absolviert sie nur fünf Trainingseinheiten pro Woche. Ungewöhnlich wenig für eine Spitzenathletin. "Weniger ist bei ihr mehr. Sie ist unwahrscheinlich talentiert", sagt Friedek. Den Zenit, so schätzt er, werde sie erst in zwei oder drei Jahren erreichen. Von den 6,95 m war er auch überrascht. In seinen Prognosen war ein solches Resultat erst für den Sommer vorgesehen. "Jetzt hast du dich verraten", sagte er ihr, als sie ihr Blatt so eindrucksvoll aufgedeckt hatte.

Nach einem Jahr an der Universität in Miami, wo sie Sportwissenschaften studierte, kam Alexandra Wester im vergangenen Jahr nach Deutschland zurück. Sie schloss sich dem ASV Köln an und will demnächst ein Studium an der Deutschen Sporthochschule aufnehmen.

Als erste Deutsche hat sie nun die nationale Norm für die Hallen-WM in Portland/Oregon Mitte März geknackt. Anders als die meisten anderen deutschen Topathleten will sie auch tatsächlich in den USA starten. Sie möchte Erfahrung bei Wettkämpfen auf höchstem Niveau sammeln.

Wester will kürzertreten - aber nur mit Blick auf ihre Karriere als Hobby-Model. "Ab und zu nehme ich noch ein paar Jobs an", verriet sie nach dem Wettkampf in Berlin. "Aber in diesem Winter liegt mein Fokus total auf der Leichtathletik." Und somit natürlich auf Rio de Janeiro. "Von Olympia habe ich schon länger geträumt", gab sie zu. Und von den sieben Metern natürlich auch. 6,95 sollen nicht ihr letztes Wort gewesen sein. "Das war noch nicht der perfekte Sprung", stellte sie fest.

Quelle: RP
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