Tennis: Grand-Slam-Turnier in Paris: Leichter Aufgalopp für Huber - Kandarr schlägt Mauresmo
zuletzt aktualisiert: 28.05.2001 - 21:58Paris (rpo). Jana Kandarr hat sensationell die zweite Runde bei den offenen französischen Tennis-Meisterschaften in Paris erreicht. Die Heidelbergerin schlug die an Position fünf gesetzte Französin Amelie Mauresmo in dramatischen zwei Sätzen mit 7:5, 7:5. Zuvor hatte Anke Huber als erste Deutsche die zweite Runde in Roland Garros erreicht. Die 26-Jährige bezwang die Kanadierin Sonya Jeyaseelan mit 6:2, 6:1.
"Es tut mir so Leid für die Franzosen. Hoffentlich ist mir niemand böse", sagte Jana Kandarr nach dem Triumph vor rund 12.000 entgeisterten Zuschauern auf dem "Court Central" und faltete die Hände zu einem Stoßgebet. Mit einer der zahlreichen verschlagenen Rückhände sorgte die Lokalmatadorin nach 78 Minuten beim ersten Matchball selbst für die Entscheidung im zweiten Satz, in dem sie schon 5:1 geführt hatte.
Für die zweite große Überraschung sorgte Barbara Schett: Die Weltranglisten-25. aus Österreich siegte 6:4, 6:4 gegen US-Star Venus Williams, im Vorjahr Siegerin bei Olympia, den US Open und Wimbledon. Damit sind nur noch fünf der zehn weltbesten Spielerinnen dabei, nachdem Titelverteidigerin Mary Pierce aus Frankreich, Lindsay Davenport sowie Monica Seles aus den USA abgesagt hatten. Gustavo Kuerten begann seine erhoffte Titelverteidigung leichter als erwartet: Der Brasilianer gewann souverän 6:1, 7:5, 6:4 gegen den argentinischen Nachwuchsstar Guillermo Coria.
Mit Kraft sparender Kurzarbeit startete zuvor Anke Huber. Nur 50 Minuten benötigte die Karlsdorferin in der Mittagshitze von Paris beim 6:2, 6:1 gegen die Kanadierin Sonya Jeyaseelan. Andrea Glass überraschte ebenfalls angenehm: Die Nummer 79 der Welt siegte nach einem 2:4-Rückstand im zweiten Satz noch 4:6, 6:4, 6:1 gegen Lisa Raymond aus den USA, immerhin die Nummer 27 der WTA-Rangliste.
Alexander Popp schaffte dagegen keinen zweiten Triumph gegen Veteran Michael Chang aus den USA, den er auf dem Weg ins Wimbledon- Viertelfinale 2000 bezwungen hatte. Gegen den Paris-Sieger von 1989 war der Mannheimer beim 3:6, 3:6, 1:6 chancenlos. Ausgeschieden sind auch der Hagener Tomas Behrend durch das 1:6, 4:6, 7:5, 0:6 gegen den Briten Tim Henman und die Nürnbergerin Anca Barna durch das 5:7, 3:6 gegen die Österreicherin Sylvia Plischke. Am Dienstag greifen die übrigen zwölf deutschen Profis erstmals ein.
German-Open-Siegerin Mauresmo kam augenscheinlich nicht mit dem riesigen Druck klar, der nach der Absage von Titelverteidigerin Mary Pierce in Frankreich auf ihr lastete. Die Sportzeitung "L?Equipe" hatte der 21-Jährigen, die in diesem Jahr schon vier Turniere gewinnen konnte und zuletzt erst im Finale von Rom unterlag, am Montag ihre Titelseite gewidmet. "Der Boden von Amelie" titelte das Blatt doppeldeutig mit Blick auf den roten Sand sowie den Heimvorteil und kürte die ehemalige Australian-Open-Finalistin zur Favoritin.
"Ich habe gemerkt, dass sie Fehler macht und hinten an der Grundlinie bleibt", schilderte Jana Kandarr nach dem größten Sieg in ihrer Laufbahn. Beim 5:4 im ersten Satz vergab die in Halle geborene und in München lebende 24-Jährige vier Satzbälle, erst die sechste Chance nutzte sie nach 38 Minuten.
Nach einem Durchhänger im zweiten Satz lag sie schon 1:5 zurück, ehe Amelie Mauresmo wieder wie gelähmt agierte und sogar einen Satzball vergab. Am Ende stand Jana Kandarrs zweiter Triumph gegen Mauresmo, die sie schon 1998 bezwungen hatte. "Hoffentlich mache ich es jetzt etwas daraus", sagte Jana Kandarr, die in der zweiten Runde am Mittwoch auf Rita Grande trifft. Die Italienerin bezwang die 97er- Siegerin Iva Majoli aus Kroatien.
Auf Anke Huber wartet in Runde zwei die Französin Virginie Razzano. Die Nummer 113 der Weltrangliste gewann im vorigen Jahr das Junioren-Turnier. Nach ihrer erneuten Zwangspause wegen einer Entzündung im linken Fuß sowie dem Entfernen dreier Weisheitszähne zeigte sich Anke Huber froh, überhaupt bei den French Open spielen zu können. Die Halbfinalistin von 1993 hatte zwei Tage nach der Final- Niederlage von Straßburg mehr mit ihrem schwachen Aufschlag als mit Sonya Jeyaseelan zu kämpfen. Die Nummer 96 in der Welt hatte in diesem Jahr nach einem Sieg über Barbara Rittner im Januar 13 Niederlagen in Folge kassiert.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











