Mindestens 20 Sportstätten müssten gebaut werden: Leinen los für Olympia 2012: Hamburg will "Spiele am Wasser"
zuletzt aktualisiert: 23.10.2001 - 22:18Hamburg (rpo). Unter dem Motto "Olympische Spiele am Wasser" will sich Hamburg um die Austragung der Olympischen Spiele 2012 bewerben. Sportamtsleiter Hans-Jürgen Schulke setzt sich dabei als Initiator in Szene.
Der 56 Jahre alte Soziologe machte sich erstmals einen Namen, als er das Deutsche Turnfest 1994 an die Elbe holte. Für sein aktuelles Vorhaben hat er sich breite Unterstützung zugesichert: Die hanseatischen Wirtschaftsleute waren als erste von der Idee begeistert und ernannten Versandhaus- Chef Michael Otto zu ihrem Olympia-Beauftragten.
Der scheidende Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) zeigt nach anfänglichem Zögern schon länger Begeisterung für die Spiele im Norden. Er erntete große Zustimmung auch von seinen norddeutschen Kollegen Heide Simonis (Schleswig-Holstein) und Henning Scherf (Bremen). Mit dem Machtwechsel ist eine neue Situation eingetreten. Zwar haben die künftigen Regierungspartner CDU, Schill-Partei und FDP erklärt, dass Hamburg sich um die Austragung bewerben wolle. Es ist aber kein Geheimnis, dass der neue Bürgermeister Ole von Beust kein großer Sportfan ist. Der Vorwurf, die 1,7 Millionen-Stadt sei kein gutes Pflaster für Leistungssportler, die lieber in andere Zentren abwanderten, wird auch der CDU-Politiker schwer entkräften können.
20 Sportstätten müssten neu gebaut werden
"Hamburg muss in den nächsten 18 Monaten in seine leistungssportlichen Strukturen investieren. Den Zuschlag des NOK gibt es nicht zum Nulltarif", betont Helmut Digel, Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Nach den Planungen des alten Senats sollen für zusätzliche Sportveranstaltungen neben dem Rothenbaum-Tennisturnier, dem Marathon und dem Rad-Weltcup bis zum April 2003 rund 3,5 Millionen Mark (1,79 Millionen Euro) ausgegeben werden. Insgesamt hat die Stadt etwa 12,4 Millionen Mark bis zur nationalen Entscheidung des NOK eingeplant. Für die Kosten bürgt die Stadt, hofft aber darauf, dass die Wirtschaft nach Gründung der Bewerbungsgesellschaft "Olympia für Hamburg GmbH" die Hälfte übernehmen wird.
Für die "Spiele am Wasser" mit einem Olympia-Zentrum im Hamburger Hafen müssten mindestens 20 Sportstätten neu gebaut werden. "Das Ganze ist finanziell machbar, die Investitionen werden sich lohnen", sagt Schulke, der noch keine Summe nennen will, wie viel die Organisation der Spiele kosten würde. Nach den bisherigen Planungen sollen die Hauptwettkampfstätten in der Innenstadt liegen, das olympische Dorf in der Hafencity errichtet werden. Die Wohnungen sollen hinterher verkauft werden. Zusätzlich könnten Kreuzfahrtschiffe Unterbringungsmöglichkeiten bieten.
Radiohörer sprechen sich gegen Olympia aus
Die Zustimmung in der Bevölkerung wird nach einer Umfrage auf mehr als 70 Prozent eingeschätzt. Sportgrößen wie Fußball-Idol Uwe Seeler und Schwimm-Star Sandra Völker wollen sich für das Großprojekt in ihrer Stadt engagieren. "So eine positive Idee muss man unterstützen", sagt Seeler.
Klares Votum gegen Olympische Spiele in Hamburg: Eine große Mehrheit der Hörerinnen und Hörer von NDR 90,3 möchte offenbar im Jahr 2012 keine Olympischen Spiele in Hamburg haben. Dafür spricht die TED-Umfrage, zu der NDR 90,3 heute (23. Oktober) seine Hörerinnen und Hörer aufgefordert hatte. In der Zeit zwischen 6.00 Uhr und 11.30 Uhr riefen rund 1.500 Hörer das Hamburger Stadtradio des NDR an: Nur 45 Prozent wollen die Olympischen Spiele in Hamburg erleben, 55 Prozent haben sich in dieser TED-Befragung dagegen entschieden.
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