Tennis: Jana Kandarr sorgt wieder für Schlagzeilen: Letzte deutsche Dame bei den Australian Open
zuletzt aktualisiert: 19.01.2000Melbourne (sid). Jana Kandarr? Da war doch mal was. Lange Beine, blondes Haar, hübsches Gesicht. Das schöne Mädchen, das nach der Wende aus dem Osten (Halle) in den Westen (Karlsruhe) kam, um eine berühmte Tennisspielerin zu werden. Einige jubelten sie vorschnell zur "neuen Steffi" hoch, als sie 1995 auf Anhieb ins Viertelfinale von Hamburg kam, doch dafür konnte sie nichts. Danach verschwand sie mehr oder minder in der Versenkung.
Fünf Jahre später hat Jana Kandarr erstmals wieder für Schlagzeilen gesorgt, als letzte Deutsche, die bei den Australian Open in Melbourne noch im Rennen ist. Das 1,80 m große Tennis-Modell erreichte als Qualifikantin mit einem 1:6, 7:5, 6:3 gegen die Französin Emilie Loit erst zum zweitenmal nach Melbourne 1996 die dritte Runde eines Grand Slam-Turniers.
Dort hat die 141. der Weltrangliste gute Chancen, gegen ihre Freundin und Doppelpartnerin Sonya Jeyaseelan (Kanada), ebenfalls Qualifikantin, 145. der Weltrangliste und Überraschungssiegerin gegen die an Nummer fünf gesetzte Französin Nathalie Tauziat, zum erstenmal in ein Achtelfinale einzuziehen.
Jana Kandarr aber fühlte sich nach dem fünften Match über drei Sätze innerhalb von nur sieben Tagen nur noch müde: "Langsam muss ich das linke Bein amputieren lassen. Ich hatte Krämpfe in den zwei letzten Sätzen, ich schleppe mich nur noch so durch, auch wenn ich am Umfallen bin", sagte sie nach eineinhalb Stunden Kampf gegen Loit bei 32 Grad: "Natürlich ist es schön, so weit zu kommen. Aber bei jedem anderen Turnier hätte ich aufgegeben."
Am linken Oberschenkel trägt sie eine dicke Bandage, aber Melbourne ist ihr Lieblingsturnier. So weit die Füße tragen. Was es ihr bedeute, auch noch die letzte Deutsche zu sein? "Das will nicht viel heißen", gab Kandarr freimütig zu. Steffi Graf hat sich längst zurückgezogen und drückt nur noch ihrem Freund Andre Agassi auf der Tribüne der Rod Laver-Arena die Daumen, Anke Huber trifft im Moment keinen Ball, Barbara Rittner denkt vorwiegend an Hochzeit.
Also muss Jana Kandarr ran, auch wenn es schwer fällt. Im Moment steht ausnahmsweise nicht Tennis im Vordergrund, sondern die Schule. Vor vier Jahren brach die mittlerweile 23-Jährige das Gymnasium ab, um Tennisprofi zu werden. Jetzt macht sie auf dem Gymnasium in Karlsruhe die 13. Klasse nach, Anfang April steht die Abiturprüfung an.
"Zur Zeit sind Schule und Tennis für mich gleichwertig", schildert sie ihre Prioritäten, auch wenn es schon ein bisschen komisch sei, mit vier Jahre jüngeren Pennälern zur Schule zu gehen. Später will sie Medizin oder Biologie studieren, davor aber "im Tennis noch einmal richtig angreifen." Jana Kandarr freut sich auf die doppelte Reifeprüfung.
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