Eiskunstlauf-EM: Jagudin konkurrenzlos: Lindemann fällt weit zurück
zuletzt aktualisiert: 15.01.2002 - 22:49Lausanne (rpo). Es müsste schon fast ein Wunder passieren, wenn Stefan Lindemann das Olympia-Ticket noch lösen sollte. Der Erfurter fiel bei den europäischen Titelkämpfen in Lausanne nach einem kapitalen Sturz beim dreifachen Lutz nach dem Kurzprogramm auf Rang zwölf zurück.
Dagegen überzeugte sein nationaler Konkurrent Andrejs Vlascenko auf der ganzen Linie. Der gebürtige Russe, der wegen des fehlenden deutschen Passes nur noch eine Minimal-Chance auf eine Nominierung für Salt Lake City hat, verbesserte sich mit einem künstlerisch anspruchsvollen und auch fehlerfreien Vortrag auf den fünften Platz. Bei einem günstigen Verlauf ist sogar der erste Gewinn einer internationalen Medaille für den Wahl-Münchner keine Utopie.
Der Titel hingegen ist praktisch schon an Alexej Jagudin vergeben. Der St. Petersburger präsentierte sich derart souverän und überlegen, dass er auch seinen Landsmann Alexander Abt und Brian Joubert aus Frankreich deutlich distanzieren konnte. In dieser Verfassung hätte der 21-Jährige auch Vorjahressieger Ewgeni Pluschenko (ebenfalls Russland), der wegen Leistenbeschwerden fehlte, durchaus schlagen können.
Lindemann will volles Risiko gehen
Der ehemalige Junioren-Weltmeister Lindemann war von seinem Patzer bitter enttäuscht. "Ich bin mit zuviel Tempo in den Sprung geraten und hatte dann an der Bande keinen Platz mehr. Ein solcher Leichtsinnsfehler ist mir noch nie passiert, der hat mich bestimmt vier Plätze gekostet", sagte der Thüringer verärgert. In der Kür wolle er seine letzte Chance nutzen und würde gegebenenfalls auch erstmals den vierfachen Toe-Loop riskieren, ergänzte Lindemann.
Vlascenko, dessen Einbürgerung bislang durch zwei alkoholbedingte Verkehrsdelikte verhindert wurde, lief hingegen unbeschwert. Gedanken an Salt Lake City hat der 27-Jährige ganz bewusst verdrängt: "Ich mache mir keine Hoffnungen, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden." Als schwachen Trost könnte der in Weimar geborene Läufer verbuchen, dass er aufgrund seines großen Vorsprungs auf Lindemann seine WM-Nominierung durch die Deutsche Eislauf-Union (DEU) fast schon unter Dach und Fach hat.
Spannung beim Eistanz
Das Rennen um den Titel im Eistanzen hingegen ist noch völlig offen. Nach den Pflichttänzen teilen sich die Ex-Weltmeister Marina Anissina und Gwendal Peizerat aus Frankreich sowie die italienischen Titelverteidiger Barbara Fusar-Poli und Maurizio Margaglio den ersten Platz vor den Russen Irina Lobatschewa und Ilja Awerbuch. Die deutschen Meister Stephanie und Thomas Rauer aus Essen nehmen Rang 18 ein, 19. sind die Dortmunder Jill Vernekohl und Dimitri Kurakin.
Die Vorjahressieger entschieden den Blues für sich, beim Ravensburger Walzer gaben die sieben Juroren den Franzosen den Vorzug. "Wir haben bewiesen, dass wir um den ersten Platz kämpfen können", erklärte Margaglio. Ihre Konkurrenten verweigerten verärgert jeden Kommentar, Trainerin Muriel Zazoui-Boucher sagte: "Marina und Gwendal waren besser, die Preisrichter wollten wohl die Spannung erhalten."
ERGEBNISÜBERSICHT:
Herren, Stand nach dem Kurzprogramm:
1. Alexej Jagudin (Russland) 1,0 Punkte 2. Alexander Abt (Russland) 1,6 3. Brian Joubert (Frankreich) 2,6 4. Ilja Klimkin (Russland) 3,2 5. Andrejs Vlascenko (München) 5,0 6. Stephane Lambiel (Schweiz) 5,2 7. Dimitri Dimitrenko (Ukraine) 6,0 8. Iwan Dinew (Bulgarien) und Sergej Dawidow (Weißrussland) 6,6 ... 12. Stefan Lindemann (Erfurt) 10,0
Eistanz, Stand nach den Pflichttänzen (Walzer und Blues):
1. Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) und Barbara Fusar- Poli/Maurizio Margaglio (Italien) 0,6 Punkte 3. Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch (Russland) 1,2 4. Margarita Drobiazko/Povilas Vanagas (Litauen) 1,6 5. Galit Chait/Sergej Sachnowsky (Israel) 2,0 6. Albena Denkowa/Maxim Stawijski (Bulgarien) 2,4 7. Tatjana Nawka/Roman Kostomarow (Russland) 2,8 8. Elena Gruschina/Ruslan Gonscharow (Ukraine) 3,2 ... 18. Stephanie und Thomas Rauer (Essen) 7,0 19. Jill Vernekohl/Dimitri Kurakin (Dortmund) 7,6
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