Eiskunstlauf: Deutschland hat neuen Hoffnungsträger: Lindemann ist Junioren-Weltmeister
zuletzt aktualisiert: 10.03.2000 - 12:19Hamburg/Oberstdorf (sid). Das krisengeschüttelte deutsche Eiskunstlaufen hat einen neuen Hoffnungsträger. Stefan Lindemann, erster Junioren-Weltmeister in der Geschichte der Deutschen Eislauf-Union (DEU), soll schon bei den Welttitelkämpfen der Senioren Ende März in Nizza die Aufbruchstimmung beim aktuellen Schlusslicht der deutschen Wintersportverbände dokumentieren.
"Wir erwarten noch keine Medaille von Stefan, aber ein Platz unter den ersten Zehn ist realistisch", sagte DEU-Präsidentin Angela Siedenberg nach dem Triumph des Erfurters im Bundesleistungszentrum Oberstdorf. Der 19-jährige blieb bei seiner Kür zwar nicht fehlerfrei, überzeugte aber durch eine kämpferische Leistung, die am Ende mit der Goldmedaille vor dem Franzosen Vincent Restencourt und Matthew Savoie aus den USA belohnt wurde.
Der ansonsten eher zurückhaltende Thüringer gab sich nach der Siegerehrung bemerkenswert euphorisch. "Es ist einfach ein geniales Gefühl. Besonders schön ist es, diesen Titel in Deutschland gewonnen zu haben", sagte der deutsche Meister, der bei den Europameisterschaften in Wien bereits mit einem achten Platz hatte aufhorchen lassen. Sein Sieg ebnete auch dem kommenden Nachwuchs ein wenig den Weg, denn bei der Junioren-WM 2001 sind nun drei deutsche Läufer startberechtigt.
Dass er als Letzter der 24 Läufer aufs Eis musste, war für den Gymnasiasten ein kleiner, aber vielleicht entscheidender Vorteil: "Ich konnte die Fehler der anderen sehen und wusste genau, was ich zeigen musste." Letztlich war es eine äußerst knappe Entscheidung, die seiner Trainerin Ilona Schindler die Schweißperlen auf die Stirn trieb: "Ich war mit den Nerven völlig am Ende."
Damit ist bei Lindemann auch in Zukunft nicht zu rechnen. Der stets rotwangige Läufer gilt als fleißiger Arbeiter ohne jede Allüren. Und damit hat er der letzten DEU-Läuferin, die bei Junioren-Weltmeisterschaften für die DEU eine Medaille gewann, schon eine Menge voraus. Es war Tanja Szewczenko (Düsseldorf), WM-Dritte 1993 in Seoul.
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