Eiskunstlauf: Kufenkünstler kämpfen um den Anschluss: Lindemann will Titel bestätigen
zuletzt aktualisiert: 24.03.2000 - 11:58Hamburg (sid). Am Ende eines überaus erfolgreichen deutschen Sportwinters kämpfen die Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bei den Weltmeisterschaften in Nizza um einen wenigstens halbwegs versöhnlichen Abschluss.
Nach fast zwei Jahren ohne internationale Medaille geht es für die "Schmuddelkinder" des deutschen Wintersports darum, den Abwärtstrend zu stoppen und den Abstand zu den mit Medaillen überhäuften Eisschnelläufern, Rodlern oder Skispringern nicht weiter anwachsen zu lassen.
"Es muss sich innerdeutsch so sehr reiben, dass irgendwann die Leistung explodiert", hofft DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf. Ein frommer Wunsch, denn im Paarlaufen und im Eistanzen ist die interne Hierarchie klar, und bei den Damen ist ohnehin nur die deutsche Vize-Meisterin Zoya Douchine bei den am Montag beginnenden Welttitelkämpfen am Start. Leistungsfördernd könnte sich nur das nationale Duell zwischen dem deutschen Meister Stefan Lindemann aus Erfurt und seinem Vorgänger Andrejs Vlascenko (Füssen) auswirken.
Dabei hat Lindemann spätestens seit seinem überraschenden Triumph bei der Junioren-WM in Oberstdorf alle Trümpfe in der Hand. "Diese Veranstaltung hat mir nicht nur wegen der Goldmedaille für Stefan Mut für die Zukunft gemacht", sagt DEU-Präsidentin Angela Siedenberg. Gemeint sind dabei aber erst die Jahre nach Olympia 2002 in Salt Lake City, zu groß ist der Rückstand der deutschen Asse auf die internationale Spitze.
Lindemann allerdings hat in der jüngeren Vergangenheit schon so manche Prognose über den Haufen geworfen - im positiven Sinne. Seine Trainerin Ilona Schindler hätte dagegen nichts einzuwenden: "Es gibt jetzt einen Erwartungsdruck. Aber Stefan lebt in einem überaus positiven Umfeld, das wird ihm helfen, weder abzuheben noch abzustürzen."
Stürze statt Höhenflüge waren zuletzt bei den deutschen Paarlauf-Meistern Peggy Schwarz und Mirko Müller an der Tagesordnung. Ob es eine gemeinsame sportliche Zukunft für die beiden auch im vor-olympischen Winter geben wird, hängt von den Resultaten an der Cote d"Azur ab. Schon nach den medaillenlosen Europameisterschaften Mitte Februar in Wien hatte Müller ein Auswechseln seiner oft nervenschwachen Partnerin nicht ausgeschlossen.
Derlei personelle Alternativen haben ihre Klubkollegen Kati Winkler und Rene Lohse nicht, und doch haben zwischen EM und WM die altbekannten persönlichen Reibereien der beiden Wahl-Oberstdorfer wieder an Schärfe zugenommen. Die viermaligen Eistanz-Champions legten eine auch durch den Tod von Katis Vater begründete Trainingspause ein, die Rückstände bei der WM-Vorbereitung sind nicht wegzudiskutieren. Erfolgscoach Martin Skotnicky: "Mir wäre wohler, sie hätten in den vergangenen Wochen mehr gearbeitet."
Im Eistanzen scheint der WM-Titel an die französischen Lokalmatadoren Marina Anissina und Gwendal Peizerat nach dem verletzungsbedingten Verzicht der Titelverteidiger Anjelika Krylowa und Oleg Owsiannnikow praktisch schon vergeben zu sein. Die Eiskunstlauf-Supermacht Russland dürfte sich in den übrigen Disziplinen schadlos halten, dort sind die aktuellen Europameister Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse, Irina Slutskaja und Jewgeny Pluschenko auch die WM-Favoriten.
Das DEU-Aufgebot für Nizza, Paarlauf: Peggy Schwarz/Mirko Müller, Mariana Kautz/Norman Jeschke (alle Berlin). - Eistanzen: Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin), Stephanie und Thomas Rauer (Essen). - Herren: Stefan Lindemann (Erfurt), Andrejs Vlascenko (Füssen). - Damen: Zoya Douchine (München).
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