Umstrittene Entscheidung: Lindemann zum zweiten Mal Meister
zuletzt aktualisiert: 08.12.2001 - 22:26Berlin (rpo). Zum zweiten Mal in seiner Karriere ist Stefan Lindemann Deutscher Meister im Eiskunstlauf. Allerdings war die Entscheidung für ihn und gegen den Wahl-Münchner Andrejs Vlascenko umstritten. Trotz einer nicht fehlerfreien Kür setzte sich der 21 Jahre alte Junioren-Weltmeister des Vorjahres durch. Mit 7:2-Preisrichterstimmen siegte der Thüringer deutlich.
Damit fahren die beiden Konkurrenten zu den Europameisterschaften Mitte Januar in Lausanne. Dritter wurde vor 500 Zuschauern im Berliner Erika-Heß-Stadion Titelverteidiger Silvio Smalun aus Oberstdorf.
Titelverteidigerin Susanne Stadlmüller kann ihre dritte Meisterschaft abhaken. Der Stuttgarterin war im Kurzprogramm ihr Trainingsrückstand wegen Krankheit deutlich anzumerken. Die 17- jährige EM-Zwölfte stand nicht einen Sprung fehlerfrei, stürzte zwei Mal und geht als Achte in die Kür am Sonntag. An der Spitze liegt die 14 Jahre alte Mannheimerin Katharina Häcker.
Nönning/Bleyer in Front
Im Paarlauf führen die neuen Schützlinge von Ex-Weltmeister Ingo Steuer, Nicole Nönnig/Matthias Bleyer (Chemnitz), nach der Kurzkür das kleine Feld von nur vier Paaren an. Bei seiner Premiere zeigte das ebenfalls neu zusammengestellte Paar Sarah Jentgens/Mirko Müller (Berlin) noch keine stabile Leistung. Immerhin liefen beide besser als ihre Vereinskollegen und EM-Neunten Mariana Kautz/Norman Jeschke, die gleich mehrmals stürzten.
In Abwesenheit der Favoriten Kati Winkler/Rene Lohse, die wegen einer Knieverletzung des Berliners nicht antreten konnten, stehen bei nur zwei Eistanzpaaren die Geschwister Stephanie und Thomas Rauer vor ihrem zweiten Titel. Die Essener rangierten nach dem Originaltanz vor den Dortmundern Jill Vernekohl/Dimitri Kurakin.
Lindemann riskierte einiges in der 4:30 Minuten langen Kür: Er begann mit einer guten Kombination aus Dreifach-Axel/Dreifach- Toeloop/Zweifach-Rittberger. "Er muss etwas wagen", hatte Jutta Müller gefordert, die Katarina Witt zu zwei Olympia-Siegen geführt hatte und Lindemann seit dem Sommer in Form bringt. Mit verbessertem Ausdruck gelang dem 1,62 m großen Sportsoldaten nur der dreifache Axel nicht, den er einfach sprang. "Danach habe ich gedacht, es wird eng", meinte Lindemann, der sich den kurz zuvor gestarteten Konkurrenten nicht live angeschaut hatte.
Vlascenko ausdrucksstark
Der ausdrucksstarke Vlascenko ging mit der Führung im Rücken in seine Kür. Nach Blues-Klängen unterliefen ihm, der immer noch auf den deutschen Pass für eine mögliche Olympia-Teilnahme hofft, nur wenige Patzer. "Mit mir bin ich zufrieden, mit dem Platz nicht", meinte der enttäuschte Läufer. Nach einer einwandfreien ersten Kombination aus Dreifach-Axel/Dreifach-Toeloop hatte nur die zweite Kombination, in der eine Umdrehung fehlte, einen gravierenden Fehler. Bei den letzten Meisterschaften war Vlascenko noch an seinen Nerven gescheitert und hatte Smalun den Vortritt lassen müssen. Dieses Mal lief der Münchner gut - es reichte trotzdem nicht. Seine Trainerin Steffi Ruttkies fand klare Worte: "Ein Fehlurteil."
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