Eiskunstlauf: Lindemanns Hoffnungen vorzeitig geplatzt
zuletzt aktualisiert: 21.01.2006 - 11:54Lyon (rpo). Im letzten Jahr noch EM-Dritter und mit guter Hoffnung nach Lyon angereist muss der deutsche Eiskunstläufer Stefan Lindemann seine Hoffnungen auf Edelmetall schon früh begraben. Ursache: Ein desaströses Kurzprogramm. Auch für Olympia verheißt das nichts Gutes.
Der letztjährige EM-Dritte setzte die Reihe seiner missglückten Auftritte im olympischen Winter fort und nimmt vor der Kür-Entscheidung am Samstag (14.30 Uhr) nur einen enttäuschenden zehnten Platz (60,70 Punkte) ein.
Für den Erfurter sprang eher unerwartet Silvio Smalun in die Bresche. Ohne Qualifikations-Chance für Turin ging der Oberstdorfer unbelastet auf das Eis des mit 4000 Zuschauern erstmals ausverkauften Palais des Sports und sortierte sich trotz einer verunglückten Landung beim dreifachen Axel auf Rang neun (63,88) ein.
In der Eistanz-Konkurrenz untermauerten Tatjana Nawka und Roman Kostomarow ihre Favoritenstellung für Turin. Die Weltmeister aus Russland holten sich mit 202,32 Punkten den dritten EM-Titel in Folge, Silber ging an die Ukrainer Jelena Gruschina und Ruslan Gontscharow (196,73), Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas aus Litauen holten sich mit 196,18 Punkten die Bronzemedaille. Die deutschen Meister Christina und William Beier tanzten als 13. (151, 04) knapp am Olympia-Ticket vorbei, die Vorgabe des Nationalen Olympischen Komitees war Rang elf.
Gesundheitlich auf der Höhe
"Das ist schon enttäuschend, denn wir waren plötzlich näher dran, als wir es vorher selbst erwartet hatten", sagte Christina. Die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky handelten sich überdies durch eine nicht regelkonforme Hebung einen Punktabzug ein, der zum Rückschritt vom zwölften Platz nach dem Originaltanz auf Rang 13 beitrug. Der Coach versuchte, sein Tanzpaar wieder aufzurichten: "Im letzten Jahr waren sie bei der EM noch 15., das ist in unserer Disziplin ein solider Fortschritt."
An der Spitze zieht Titelverteidiger Jewgeni Pluschenko bei den Herren ungeachtet einer von starkem Husten begleiteten Erkältung einsam seine Kreise. Der Olympia-Zweite aus Russland zelebrierte "Tosca" von Giacomo Pucchini meisterhaft und führt mit 82,80 Punkten vor Ex-Europameister Brian Joubert aus Frankreich (77, 85) und dem Schweizer Weltmeister Stephane Lambiel (74,73). "Ich habe drei Tage lang Infusionen bekommen, damit ich starten kann", berichtete der St. Petersburger.
Gesundheitlich war Lindemann zwar voll auf der Höhe, doch dem WM-Dritten fehlt nach wie vor die mentale Stärke. Nach einer blitzsauberen Dreifach-Dreifach-Kombination stürzte er beim dreifachen Axel und drehte den Lutz nur doppelt. Trainerin Ilona Schindler wirkte ein wenig ratlos: "Jetzt kann man ihn nur darin bestärken, die schlechten Wettbewerbe wegzustecken und nicht weiter im Kopf mitzuschleppen."
"Diesen Tag muss ich wohl ganz schnell aus meinem Gedächtnis streichen. Ich bin mit einem guten Gefühl nach Frankreich gekommen, deshalb ist mir dieser Rückschlag unerklärlich", sagte der Thüringer, der weiterhin auf einen "Knaller-Wettkampf" (O-Ton Lindemann) wartet: "Vielleicht ist es ja in Turin soweit."
Dort wird Smalun nicht starten, doch der 26-Jährige war froh, wenigstens in Lyon dabeisein zu dürfen. Nach einer wegen Wetterkapriolen chaotischen Anreise wartete Smalun mehr als 24 Stunden auf seine Schlittschuhe, die auf dem Düsseldorfer Flughafen verloren gegangen waren: "Zwölf Minuten vor dem Training konnte ich sie endlich anziehen, das hat ganz schön Nerven gekostet."
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