Im Finale gegen Henin: Lindsay Davenport siegt in Filderstadt
zuletzt aktualisiert: 14.10.2001 - 16:07Filderstadt (rpo). Die amerikanische Tennis-Spielerin Lindsay Davenport hat das WTA-Turnier in Filderstadt gewonnen. Die 25-Jährige siegte im Finale des mit 565.000 Dollar dotierten Wettkampfs gegen die an Nummer sechs gesetzte Belgierin Justin Henin in 93 Minuten mit 7:5, 6:4.
Die in der Weltrangliste an Position drei geführte Davenport durfte sich nach ihrem fünften Turniererfolg in diesem Jahr über einen Porsche im Wert von 90.000 Dollar freuen.
Die Wimbledon-Siegerin von 1999 hatte im Halbfinale von der frühen Aufgabe der verletzten Martina Hingis (Bänderriss) profitiert. Die Schweizerin, die die Weltranglisten-Führung ab Montag an die bereits im Viertelfinale gescheiterte Jennifer Capriati (USA) abgeben muss, wurde bereits am Sonntag in Zürich am Knöchel operiert und kann in dieser Saison nicht mehr eingreifen. Sie fehlt damit auch beim erstmals in München stattfindenden Masters-Finale.
Davenport dominierte bei ihrer zweiten Finalteilnahme in Filderstadt nach 1998 das Duell gegen die sechs Jahre jüngere Henin von Anfang an. Unter den Augen von Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), nutzte sie ihr zweites Break nach 47 Minuten zum Gewinn des ersten Satzes und verwandelte 46 Minuten später ihren vierten Matchball zum sicheren Sieg.
Henin, die am Freitag Anke Huber bei deren "Abschiedsvorstellung" (6:7, 6:2, 7:5) bezwungen hatte, verpasste vor den Toren Stuttgarts den vierten Turniersieg ihrer Karriere, nachdem sie sich zuvor in der Runde der letzten Vier gegen Capriati-Bezwingerin Sandrine Testud (Frankreich) mit 6:3, 7:6 (7: 3) durchsetzen konnte.
Capriati löst Hingis als Nummer Eins ab
Für Jennifer Capriati war es indes das ultimative Happyend einer unglaublichen Rückkehr, für Martina Hingis das schmerzhafte Ende der Saison: Australian- und French-Open-Siegerin Capriati ist nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand die "wahre" Nummer eins, sondern hat die schwächelnde Hingis nach 73-wöchiger Regentschaft jetzt auch offiziell vom Thron gestoßen.
Das Halbfinal-Aus für Hingis, für die nach einem Bänderriss im Fuß und der am Sonntag folgenden Operation in Zürich die Saison beendet ist, schuf am Wochenende in Filderstadt die neuen Fakten im Damentennis.
Jennifer Capriati wähnte sich derweil am Ziel ihrer Wünsche. "Ich habe früher nicht im Traum daran gedacht, am Ende meiner Karriere sagen zu können, dass ich mal die Nummer eins war", erklärte die 25-Jährige, die sieben Jahre nach ihrem Abstieg zum Schmuddelkind mit Drogen-Konsum, Ladendiebstahl und diversen Verhaftungen endlich auf dem Gipfel steht.
Ihren Anspruch auf die Spitze hatte die Tochter des gebürtigen Italieners und früheren Rettungsschwimmers Stefano Capriati bereits durch den Sieg in ihrem ersten Grand-Slam-Finale in Melbourne gegen Hingis angemeldet. Damit ist das einst so tief abgestürzte Tennis-Wunderkind Capriati die neunte Spielerin, die die Spitze der 1975 eingeführten Bestenliste erobert.
"Ich habe mich nie großartig mit dieser Frage beschäftigt. Aber ich habe gewusst, wenn es passiert, wird es einfach toll sein", betonte Capriati. In Filderstadt kam zwar bereits im Viertelfinale gegen die Französin Sandrine Testud (6:2, 3:6, 3:6) das Aus, doch die Krönung ihrer sportlichen Wiederauferstehung, die 1996 begann, erfolgte trotzdem.
Hingis: "Ich hörte ein lautes Knacken"
Fast symptomatisch, dass Hingis vor dem Führungswechsel im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie ging. Die 21-Jährige knickte im Halbfinale gegen Lindsay Davenport (USA) beim Stand von 1:2 um und erlitt dabei einen doppelten Bänderriss im rechten Fußgelenk. "Ich hörte zweimal ein lautes Knacken, danach hatte ich starke Schmerzen und merkte, dass alles anschwoll", sagte Hingis, die am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr in Zürich von Dr. Heinz Bühlmann operiert wurde.
Nach dem unrühmlichen Ende einer durchwachsenen Saison, in der sie seit Februar auf einen weiteren Turniersieg wartete, erwies sich Hingis, die insgesamt 203 Wochen an der Spitze stand, als faire Verliererin. "Wenn Jennifer Ende des Jahres die Nummer eins ist, hat sie es auch verdient. Ich habe gewusst, dass es fast unmöglich ist, meine Position bis zum Jahreswechsel zu verteidigen", meinte die vierfache Filderstadt-Siegerin.
An die Dauer ihrer Regentschaft verschwendet Capriati, die in der kommenden Woche in Zürich antritt, derzeit keinen Gedanken. "Und wenn es nur für einen Tag ist, ich bin einfach nur glücklich". Die Story vom ehemaligen "Jenny-Baby", das mit 16 Jahren durch einen Finalerfolg gegen Steffi Graf 1992 in Barcelona Olympiasiegerin wurde und dessen erstes Leben als Tennisspielerin im Kreis einer Drogen-Clique in einem schäbigen Motel in Florida endete, ist um ein weiteres Kapitel reicher. Und die Hoffnung von "Jenny-Lady", die dunkle Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können, hat sich bereits erfüllt.
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