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Skispringer
Lukas Müller ist teilweise gelähmt

Skispringer : Lukas Müller ist teilweise gelähmt
Schwerer Schlag für Lukas Müller. FOTO: dpa, gi nic
Bad Mitterndorf/Düsseldorf. Der Österreicher, der beim Training der Skiflug-WM am Kulm gestürzt war, bleibt zunächst auf der Intensivstation. Von Jan Dobrick

Auf den Horrorsturz folgte die schlimme Diagnose: Der österreichische Skispringer Lukas Müller, der am Mittwoch beim Training der Skiflug-WM am Kulm nach etwa 120 Metern gestürzt war, ist "inkomplett querschnittsgelähmt". Der 23-Jährige könne die Beine nicht bewegen, teilte das Uniklinikum in Graz mit. Es sei offen, ob er jemals wieder gehen könne. Der Kärntner, der sich den sechsten und siebten Halswirbel gebrochen hatte und zweieinhalb Stunden operiert worden war, sei wach, ansprechbar und habe die Diagnose "relativ gefasst" aufgenommen.

Müllers untere Extremitäten und die Rumpfstabilität sind von der Lähmung beeinträchtigt. Die Atemmuskulatur ist ebenfalls betroffen, er kann allerdings selbstständig atmen. Erste Mobilisierungsmaßnahmen wurden bereits getroffen. Zur Überwachung und Stabilisierung bleibt der frühere Junioren-Weltmeister aber erst mal auf der Intensivstation. Der Sturz des Skispringers ist ein weiterer schwerer Schlag für den Sport in Österreich: Die 22-jährige Stabhochspringerin Kira Grünberg ist seit einem Trainingsunfall im Sommer 2015 querschnittsgelähmt. Am Rande der Europaspiele in Baku im vergangenen Juni verletzte sich zudem die österreichische Synchronschwimmerin Vanessa Sahinovic (16) bei einem Bus-Unfall im Athletendorf - auch sie ist seitdem querschnittsgelähmt.

An den Rollstuhl gefesselt ist auch der Amerikaner Nicholas Fairall (26), der vor einem Jahr beim Tournee-Finale in Bischofshofen stürzte. "Ich bin schon lange im Skisprung dabei. Aber dass gleich zwei Leute mit Lähmungserscheinungen konfrontiert sind, habe ich noch nicht erlebt", sagte Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster. Lukas Müller war am Kulm kurz vor der Landung bei 110 km/h aus der Balance geraten und gestürzt. Auslöser dafür war wohl ein Problem mit dem Skischuh, bei dem sich die Schnalle über dem Rist öffnete.

Müller droht nun ein ähnliches Schicksal wie Fairall. Ob der Student je wieder gehen könne, sei eine Frage "von Monaten, wahrscheinlich sogar einem Jahr", sagte Universitätsprofessor Gernot Brunner. Müller habe schon an der Schanze gemerkt, dass er die Beine nicht mehr bewegen könne. Eine "Restsensibilität" sei aber vorhanden, sagte der behandelnde Arzt Franz- Josef Seibert. Es wäre unseriös, jetzt eine fixe Aussage zu der weiteren Entwicklung zu machen. "Mir tut es extrem weh, dass er so schwer verletzt ist. Das ist tragisch für ihn", erklärte Bundestrainer Schuster.

Die Diskussion um die Sicherheit ist mit dem Sturz neu entfacht. "Wir setzen uns damit seit der Weltmeisterschaft 1986, als es am Kulm drei schwere Stürze gab, intensiv auseinander", betonte FIS-Renndirektor Walter Hofer. Der Anlauf und auch die Sprungski seien inzwischen deutlich verbessert worden. "Heute sind zwei Drittel des Sprungs wesentlich sicherer. Nur an der Landung und beim Ausfahren müssen wir noch arbeiten", sagte Hofer.

Mittlerweile sind den Springern auch Rückenprotektoren erlaubt. Nur zwei Athleten des gesamten Feldes tragen sie allerdings. Unter anderem, weil sich ein Großteil der Springer damit unwohl fühlen würden, heißt es. Auch Müller, für den Skispringen zuletzt mehr Hobby als Beruf war, trug keinen Protektor unter dem Trikot.

Quelle: RP
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