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Olympia 2014 in Sotschi
Magazin: Russen steigerten Leistung mit Edelgas Xenon

Olympia: Die Dopingfälle bei Winterspielen
Olympia: Die Dopingfälle bei Winterspielen
Düsseldorf. Durch Inhalieren werde das Hormon Epo ausgeschüttet. Die Wada prüft, ob das den Tatbestand des Dopings erfüllt. Von Robert Peters

33 Medaillen haben russische Sportler bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewonnen, darunter waren 13 goldene. Damit lag das Team der Gastgeber im Medaillenspiegel auf dem ersten Platz. Präsident Wladimir Putin findet das bestimmt ziemlich gut. Und die regierungsnahe Zeitung "Iswestija" jubelte artig: "Die Herren der Ringe. Russland verblüfft die Welt mit dem besten Medaillenspiegel." Nun scheint aber ein tiefer Schatten auf die große Bilanz der Russen zu fallen. Und es ist noch nicht heraus, ob das Putin gefallen kann.

Nach Recherchen des WDR-Magazins "sport inside" nämlich könnte der größte Teil der russischen Mannschaft die eigene Leistungsfähigkeit nicht nur durch intensives Training erhöht haben. Russische Sportler sollen auf Anregung des Ministeriums für Sport und Verteidigung das Edelgas Xenon in "pharmakologisch hochwirksamer Form als Bestandteil eines Sauerstoff-Cocktails" inhaliert haben. Im WDR-Beitrag heißt es, dass Xenon nach internationalen Studien "die Ausschüttung des Hormons Erythropietin" bewirke. Dieses Hormon, in der Dopingberichterstattung weiten Teilen der Menschheit besser als Epo bekannt und gentechnisch herstellbar, regt die Bildung roter Blutkörperchen an, die für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich sind. Im Ausdauersport trägt es zu erheblichen Leistungssteigerungen bei und ist deshalb als Dopingmittel seit 1990 verboten. Der österreichische Langläufer Johannes Dürr wurde noch am letzten Wochenende der Spiele des Dopings mit Epo überführt.

Das kann den russischen Athleten zunächst mal nicht passieren. Denn bislang kannten die Dopingfahnder den Einsatz von Xenon zur Leistungssteigerung nicht. Mit den aktuellen Testmethoden kann es nicht nachgewiesen werden, weil Gas im Routineverfahren keine messbaren Spuren hinterlasse, wie der Kölner Dopingforscher Mario Thevis dem WDR in dem Beitrag bestätigte. Darüber, ob es sich um unerlaubte Leistungssteigerung, also um Doping handelt, gehen die Meinungen auseinander. Richard Pound, der frühere Präsident der Weltanti-Dopingagentur (Wada), erklärte: "So etwas wurde ausschließlich zur Leistungssteigerung entwickelt – für mich ist das Doping."

Der Leiter des russischen "Atom-Med-Zentrum", das die Sportler zur Inhalation angehalten haben soll, "weil das Gas von der Wada nicht beobachtet" würde, sagte: "Doping ist es doch nur dann, wenn Spuren von biochemischen Reaktionen bleiben. Wenn das nicht so ist – wie kann es dann ein Dopingmittel sein?"

Wada-Präsident Craig Reedie versprach, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung nach Olympia zu setzen. Dann wird auch geklärt, ob ein Vergehen gegen die Welt-Doping-Regeln nachträglich festgestellt werden kann.

(pet)
 
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