Capriati: "Dummheit": Marcelo Rios schießt gegen das Damen-Tennis
zuletzt aktualisiert: 22.01.2002 - 10:52Melbourne (rpo). Marcelo Rios fiel bei den Australian Open bisher durch gute sportliche Leistungen auf. Jetzt hat der Tennis-Rüpel seinem Unmut über das Damen-Tennis Luft gemacht.
"Bis zum Viertelfinale gewinnen die Favoritinnen ihre Spiele hier viel zu leicht. Das Herren-Tennis ist wesentlich härter", sagte der Chilene nach dem glatten Erfolg der Schweizerin Martina Hingis über die Leverkusenerin Barbara Rittner in der dritten Runde. Rios wiederholte seine Kritik, als die einstige Weltranglisten-Erste auch gegen die Südafrikanerin Amanda Coetzer nur ein Spiel abgab.
"Die ist die Nummer zwölf der Welt und verliert 0:6, 0:6 in 20 Minuten. Es ist lächerlich, was im Damen-Tennis abgeht, und in der Umkleidekabine hat mir jeder zugestimmt", schimpfte der chilenische Hitzkopf. Wahr ist: Bis auf die verletzte Serena Williams standen die ersten Acht der Setzliste im Viertelfinale - ganz im Gegensatz zur Herren-Konkurrenz. Titelverteidigerin Jennifer Capriati fuhr dennoch einen heftigen Konter: "Wir alle wissen, was die Wahrheit ist. Seine Aussagen sind lächerlich. Dummheit verdient eigentlich überhaupt keine Antwort", echauffierte sich die Amerikanerin.
Rios brachte daraufhin Karsten Braasch ins Spiel. Der mittlerweile 34 Jahre alte Oberhausener, der in Melbourne in der ersten Runde der Doppel-Konkurrenz knapp verlor, hatte sich dort 1998 einem Kampf der Geschlechter gestellt. Die Williams-Schwestern hatten damals einen männlichen Trainingspartner gesucht, Braasch meldete sich freiwillig.
Braasch schlug Williams-Schwestern deutlich
Nach einer vorherigen Runde Golf bezwang der Linkshänder mit dem unkonventionellen Aufschlag erst Serena 6:1, dann Venus 6:2 und gönnte sich zwischendurch eine Zigarette. Damals war Braasch noch 203. der Einzel-Weltrangliste, das vergangene Jahr beendete er auf Rang 1310. "Er spielt inzwischen etwas besser, so dass sie jetzt ein paar Probleme bekommen würden. Vielleicht geht es diesmal 6:0 aus", giftete Rios mit beißender Ironie.
Nur wenige Tage zuvor hatte er beteuert, ruhiger geworden zu sein. "Früher drehte sich bei mir alles um Tennis, Tennis, Tennis. Jetzt bin ich verheiratet, habe ein Kind und andere Dinge im Kopf." Noch im vorigen Mai hatte er in Rom eine Nacht in der Zelle verbringen müssen, weil er angetrunken auf einen Taxifahrer eingeprügelt hatte. 1998 hatte der mittlerweile 26 Jahre alte Linkshänder sein bestes Jahr. Zwei Monate nach dem Final-Einzug bei den Australian Open, wo er dem Tschechen Petr Korda klar unterlag, folgte für sechs Wochen der Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Verletzungen warfen die erste Nummer eins aus Südamerika danach immer wieder zurück.
Der Sohn eines Ingenieurs und einer Lehrerin aus Santiago hat auf dem Weg ins Viertelfinale in Melbourne nur einen Satz abgegeben und mit einigen der spektakulärsten Schläge des Turniers begeistert. Dennoch gab er sich selbstkritisch: "Ich spiele nicht konstant. Ein gutes Match, dann wieder ein ganz schlechtes", meinte Rios, der wie Haas in der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Florida trainiert. Die deutsche Nummer eins lobte ihn dagegen: "Wenn er in Form ist, gehört er zu den besten der Welt."
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