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Moncton/Düsseldorf
Marta bleibt die ungekrönte Königin

Moncton/Düsseldorf. Brasiliens Mannschaft scheitert im Achtelfinale der Frauenfußball-WM in Kanada mit 0:1 an Australien. Von Robert Peters

Marta bedient alle Klischees. Als 14-Jährige zog sie aus ihrem Heimatort Dois Riachos in die Weltstadt Rio, mit 16 war sie ein Star im Frauenfußball. Marta kann wunderbar exzentrisch sein, sie spielt auf dem Rasen die Rolle der Nummer 10, die gerade in Brasilien für sportliche Größe steht. Sie verdient beim schwedischen Topklub FC Rosengard eine halbe Million Euro im Jahr - in ihrer Sportart ein sensationeller Wert. Sie war Weltfußballerin, sie ist Gesicht und Aushängeschild des Frauenfußballs. Aber sie bleibt eine ungekrönte Königin.

Denn sie hat weder die Weltmeisterschaft noch eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen gewinnen können. Bei der WM in Kanada ist ihr Team im Achtelfinale überraschend mit 0:1 an Australien gescheitert. Der Außenseiter bot eine kompakte Teamleistung, Brasiliens Künstlerinnen fanden keine Antwort. Das war schon häufig so, noch nie führte es so früh zum Ausscheiden aus einem wichtigen Turnier. Die Entwicklung des Weltfußballs ist an den Südamerikanerinnen vorbeigegangen.

Sie haben immer auf Einzelqualität gesetzt, und das reichte, solange andere Nationen nicht die Segnungen moderner Trainingsmethoden und besserer Athletik entdeckten. Nun kommen Feingeister wie Marta nicht mehr so zum Zug, wie sie das selbst für ganz natürlich halten.

Brasilien scheiterte in Kanada deswegen auch am Selbstverständnis seines großen Stars. Marta hält es für nicht hinnehmbar, wenn sie nicht jede wichtige Aktion im Angriff einleiten darf. Sie zieht den Ball an und gibt ihn dann nicht immer so gern wieder her. Das macht ihr Team leichter ausrechenbar, und es gibt den Gegnern das entscheidende taktische Mittel. Es lautet: Warten, bis Marta den Ball hat und dann entschlossen attackieren. Das gefällt der großen Dame des Fußballs nicht. Sie empfindet härtere Gegenwehr als Beleidigung. So schaut sie dann auch aus. Die Gegnerinnen interessiert es zunehmend weniger.

Quelle: RP
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