Biathlon: Deutscher Dreifach-Erfolg in Antholz: Martina Glagow ist der neuen Stern am Biathlon-Himmel
zuletzt aktualisiert: 21.01.2000Antholz (dpa) - Die deutschen Skijägerinnen sind am Freitag mit ihrem Dreifach-Erfolg beim Weltcup-Sprint in Antholz der kompletten Weltelite davongelaufen und haben dabei einen neuen Stern am Biathlon-Himmel entdeckt. Denn beim erst vierten Weltcup-Start ihrer Laufbahn gelang der 20 Jahre jungen Martina Glagow aus Mittenwald der erste Sieg.
Nach fehlerfreiem Schießen verwies die dreimalige Junioren- Weltmeisterin des Vorjahres nach 7,5 km in 24:23,8 Minuten Sprint- Weltmeisterin Martina Zellner (Hammer/16,8 Sekunden zurück), die eine Scheibe verfehlte, und die Oberhoferin Andrea Henkel (26,7 Sekunden zurück/zwei Strafrunden) auf die weiteren Plätze.
Der Dreifach-Erfolg, den im Weltcup nur die deutschen Damen 1995 in Bad Gastein schon einmal feiern konnten, war Bundestrainer Uwe Müßiggang fast zu viel. «Im Hinblick auf die Weltmeisterschaften wird der Druck immer größer. Es könnte leicht der Gedanke aufkommen, dass es die anderen Mannschaften überhaupt nicht mehr gibt. Ich hoffe und bin überzeugt, dass sich die Mädchen davon aber nicht verrückt machen lassen», kommentierte der Erfolgs-Trainer. Martina Zellner bestätigte den Trainer: «Die WM - das sind andere Rennen. In den paar Wochen kann noch viel passieren. Wichtig ist, dass wir heute erneut bewiesen haben, wie gut wir derzeit drauf sind. Das gibt Selbstvertrauen.»
Glagow war sprachlosMartina Glagow war zunächst sprachlos und lag im Ziel zuerst ihrem Vater Martin in den Armen, der den deutschen Wachsern bei der Ski- Präparierung geholfen hatte. Die Polizeimeister-Anwärterin beim Bundesgrenzschutz in Bad Endorf legte mit sicheren Schieß-Einlagen die Grundlage zum Sieg - und steigerte ihre Trefferquote im Weltcup auf beeindruckende 94 Prozent. «Ich hatte bei den ständig wechselnden Windböen wohl auch etwas Glück. Bei mir waren die Bedingungen beim Schießen gut, genau so wie beim Anschießen vor dem Wettkampf, so dass ich meine Visier-Einrichtung nicht verstellen musste», meinte die seit Jahren als großes Talent gehandelte Mittenwalderin.
Sie sei ohne Erfolgsdruck ins Rennen gegangen. «Die Trainer haben mir vorher gesagt, dass ich meine Leistung bringen und nicht nach irgendwelchen Platzierungen schielen soll», sagte die überglückliche Skijägerin. Mit dem Sieg hat Martina Glagow endgültig die ihr vor der Saison noch unmöglich erscheinende WM-Fahrkarte gelöst hat, während für Staffel-Weltmeisterin Simone Greiner-Petter-Memm (Oberhof) nach dem 38. Rang der Zug zum Holmenkollen endgültig abgefahren ist.
Den DSV-Frauen gelang es am besten, sich auf die schwierigen Wind- Bedingungen einzustellen. Sie hatten bei ähnlichen Verhältnissen zu Wochenanfang in Antholz trainiert und dabei nicht - wie andere Teams - wegen des starken Windes auf das Schießen verzichtet. «Der Wind störte nicht nur beim Schießen, er hat mich auch auf der Strecke manchmal regelrecht verblasen», schilderte die nur 48 kg schwere Andrea Henkel. Nach zwei Liegend-Schießfehlern sei sie demotiviert auf die zweite Runde gegangen. «Doch dann hat man mir zugerufen, dass auch die anderen verschießen. Da habe ich die Zähne zusammen gebissen und noch mal angegriffen», freute sich die Thüringerin diebisch.
Nach ihrem zehnten Platz hatte Uschi Disl (Moosham) noch eine weitere Aufgabe zu erfüllen. Als Mitglied der Athleten-Kommission der IBU begrüßte sie auf einer extra einberufenen Pressekonferenz die Mitwirkung des Biathlon-Weltverbandes an einer in Oslo angesiedelten Studie, um den hundertprozentigen Nachweis von EPO-Benutzung und weiteren Blut-Manipulationen führen zu können. «Ich bin überzeugt, dass bei uns nicht gedopt wird. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass die Kontrollen perfektioniert werden und endlich gerichtsverwertbare Ergebnisse erzielt werden», begründete Disl die volle Zustimmung der Athleten-Kommission zur Blutabgabe bereits während der WM in Oslo.
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