Endspiele sind Lindsay Davenports Spezialität: Martina Hingis weiß um die Stärken der Finalgegnerin
zuletzt aktualisiert: 27.01.2000Melbourne (sid). Lindsay Davenport ist nett und freundlich, jeder und jede auf der Tennis-Tour mag sie. Steht allerdings das Finale eines Grand-Slam-Turniers an, noch dazu gegen Martina Hingis, hört der Spaß auf. Dann wird aus der stets lustigen Lindsay ein entschlossener Siegertyp mit dem härtesten Aufschlag und der schnellsten Rückhand im Damentennis. Selbst die kokette Martina Hingis hat einen Heidenrespekt davor.
"Wir zwei sind die besten da draußen auf dem Platz", sagt die 19 Jahre alte Schweizerin vor dem Traumfinale der Australian Open am Samstag gegen die 23 Jahre alte Amerikanerin. Die Nummer eins gegen die Nummer zwei, die gewiefte Taktikerin gegen die Tempo-Spielerin - nicht nur Melbourne fiebert dem "Spiel der Spiele" entgegen.
Im Halbfinale machten die beiden mit ihren Gegnerinnen schon mal kurzen Prozess. Martina Hingis fertigte die Spanierin Conchita Martinez in nur 61 Minuten mit 6:3, 6:2 ab, Lindsay Davenport bekam von Jennifer Capriati schon mehr Gegenwehr. So viel, dass sie im anschließenden Doppel-Halbfinale an der Seite von Corina Morariu (USA) gegen Hingis/Pierce (Schweiz/Frankreich) beim Stand von 0:5 wegen einer Zerrung im linken Oberschenkel aufgab. Der Einsatz im Finale ist allerdings nicht in Gefahr.
Foto: Lindsay Davenport.
Nach 82 Minuten besiegte Davenport die nach tiefem Fall wieder auferstandene Capriati, die in Melbourne ein grandioses Comeback vollbrachte und erstmals seit den US Open 1991 wieder im Halbfinale eines Grand Slams stand. 6:2, 7:6 - die Erleichterung war Davenport deutlich anzusehen: "Ich hatte Glück, dass ich es in zwei Sätzen geschafft habe. Jenny hat großartig gespielt. Sie hat viel durchgemacht, es ist schön, dass sie wieder da ist."
Die nette Lindsay eben, wie gehabt. Für Titelverteidigerin Hingis allerdings ist sie eine Art Angstgegnerin. Als einzige Spielerin auf der Tour führt Davenport im direkten Vergleich gegen Hingis (9:7) und gewann die letzten drei Begegnungen 1999 glatt in zwei Sätzen, zuletzt das Masters-Finale in New York. Lindsay weiß um den psychologischen Vorteil und empfindet Hingis als liebste Final-Gegnerin: "Ich mag es, die Besten zu schlagen, wenn es um einen Grand-Slam-Sieg geht."
Endspiele sind sozusagen Davenports Spezialität. Achtmal stand sie 1999 im Finale, siebenmal holte sie den Titel. Vor Melbourne stand sie nur in zwei Grand-Slam-Endspielen, beide gewann sie: 1998 die US Open gegen Martina Hingis (6:3, 7:5), 1999 in Wimbledon gegen Steffi Graf, die sie ebenfalls in zwei Sätzen abservierte: "Beide Male war ich nicht die Favoritin. Die Rolle liegt mir." Sie braucht die sechs Runden als Aufwärmprogramm: "Erst in den Endspielen bin ich in der Lage, mein bestes Tennis zu spielen."
Hingis, die wie Davenport in Melbourne noch keinen Satz abgab, weiß um die Stärke der Gegnerin: "Sie hat die letzten drei Matches gegen mich gewonnen, sie wird nicht besonders nervös sein." Die dreimalige Australian-Open-Siegerin (1997 bis 1999) hat am Samstag die große Chance, am anderen Ende der Welt Geschichte zu schreiben.
Sie wäre die zweite Tennisspielerin nach der Australierin Margaret Court (1960 bis 1966), die die Australian Open viermal in Folge gewinnt. Steffi Graf (1988 bis 1990), Monica Seles (1991 bis 1993) und Evonne Goolagong (1974 bis 1976) schafften es alle "nur" dreimal. Ein Rekord gehört Hingis eh schon. Neben den drei Einzeltiteln gewann sie auch das Doppel dreimal in Folge - und zwar mit drei verschiedenen Partnerinnen. Rekord ist Rekord.
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