Zwei-Satz-Sieg gegen Conchita Martinez: Mary Pierce krönt sich zur Königin von Paris
zuletzt aktualisiert: 10.06.2000 - 18:47Paris (sid). Die französische Diva Mary Pierce (Foto) ist am Ziel aller Träume und hat sich als erste Französin seit 33 Jahren zur Königin von Paris gekrönt. In einem einseitigen und lange Zeit schwachen Finale besiegte die gebürtige Kanadierin die spanische Altmeisterin Conchita Martinez 6:2, 7:5 und trug sich damit als erste Französin seit Francoise Durr 1967 in die Siegerliste der French Open ein.
Beide Aktricen waren hypernervös, aber je länger das Endspiel dauerte, desto besser bekam die blonde Pierce ihre Nerven in den Griff. Nach 1:52 Stunden verwandelte sie vor 15.400 Zuschauern auf dem Court Central, darunter Frankreichs Premier-Minister Lionel Jospin, den dritten Matchball mit einem starken Aufschlag zum größten Erfolg ihrer Karriere und trat damit die Nachfolge der mittlerweile zurückgetretenen Steffi Graf an.
Glückstrahlend streckte die 25-jährige Französin, die in Montreal als Tochter einer Französin und eines Kanadiers zur Welt gekommen war, beide Hände in den grauen Himmel über Paris. Als zusätzlichen Lohn gab es ein Preisgeld von 1,22 Millionen Mark und den silbernen Coupe Suzanne Lenglen, den sie von Tennis-Legende Martina Navratilova überreicht bekam.
Für Pierce war es erst der zweite Grand Slam-Titel ihrer Karriere nach den Australian Open 1995. Zudem kletterte sie in der Weltrangliste vom siebten auf den dritten Platz, ihre beste Plazierung seit 1995. Was Martinez blieb, war ein Trostpflaster von 610.000 Mark und die Befriedigung, vom fünften auf den vierten Platz zu kommen.
Zum zweitenmal nach 1994 stand Pierce im Endspiel von Paris. Damals hatte sie im Halbfinale Steffi Graf mit 6:2, 6:2 vom Platz gefegt, im Finale gegen Arantxa Sanchez (4:6, 4:6) aber scheiterte sie an ihren Nerven. Die gnadenlosen Franzosen kannten keine Gnade und verabschiedeten ihre "Heldin" mit einem Pfeifkonzert.
Mittlerweile haben sich die Franzosen mit Mary Pierce versöhnt. Zwar lebt sie seit langem in Bradenton/Florida und ist mit dem amerikanischen Baseballstar Roberto Alomar von den Cleveland Indians verlobt, dennoch feierten die Zuschauer ihren Siegeszug in Roland Garros, als sei sie eine Tochter des Landes. "Alle für Mary", titelte L'Equipe vor dem Finale, und: "Mary, das wird dein Tag."
10:6 führte Pierce im direkten Vergleich gegen Martinez, die zuvor ebenfalls nur einen Grand Slam-Titel gewonnen hatte: 1994 in Wimbledon, als sie im Finale der großen Martina Navratilova den zehnten Rekordtitel verwehrte. Schon vor einem Jahr waren die beiden in Paris aufeinander getroffen, allerdings in der zweiten Runde, und dort siegte Martinez.
Diesmal aber hielt Pierce dem Druck stand. Nach dem spektakulären Halbfinal-Sieg über die Weltranglisten-Erste Martina Hingis diktierte sie mit druckvollen Grundschlägen gegen die drei Jahre ältere Spanierin von Anfang an das Spiel. Als es darauf ankam, zitterte ihr allerdings wieder die Hand: Erst den fünften Satzball konnte sie zum 6:2 nach 41 Minuten im ersten Satz nutzen.
Martinez gab nicht auf, fand mehr und mehr zu ihrer gewohnten Sicherheit, mit der sie im Halbfinale ihre Landsfrau Arantxa Sanchez, immerhin dreimalige Parissiegerin (1989/94/98), mit 6:1, 6:2 überrollt hatte. Bis zum 5:5 hielt sie das Spiel offen, dann aber gelang Pierce das vorentscheidende Break zum 6:5. Kurze Zeit später war sie endlich am Ziel aller Träume.
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