Leichtathletik-Meeting in Doha:: Maurice Greene verzichtet auf bis zu 750.000 Mark
zuletzt aktualisiert: 05.10.2000 - 14:48Doha/Berlin (dpa). Die Startabsage beim 16. Grand-Prix-Finale der Leichtathleten in Doha ist für 100-m-Olympiasieger Maurice Greene eine kostspielige Angelegenheit. Der 26-jährige US-Sprinter, im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Sevilla mit drei Titeln der erfolgreichste Teilnehmer, verzichtet nicht nur auf die mögliche Viertel Million Dollar, die es für den Gesamtsieg (200 000 Dollar) und den Disziplinerfolg (50 000) gibt, er setzt auch seinen Jackpot- Anteil aus der Golden League auf das Spiel. Das sind in diesem Jahr zehn Kilo Gold und umgerechnet 200 000 Mark. Bis zu 750.000 mark wären also möglich gewesen für den US-Sprinter.
Weltrekordler Greene begründete seine Absage mit
Müdigkeit. Offiziell heißt es in Doha, er und sein Trainingskamerad Ato Boldon (Trinidad) hätten das Flugzeug verpasst. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus, denn Greene hat den Bogen mit einer Startgeldforderung von 100 000 Dollar offenbar überspannt. "Wir zahlen zum Grand-Prix- Finale kein Extrastartgeld", so IAAF-Präsident Lamine Diack. Die IAAF schüttet bei diesem Meeting 3,388 Millionen Dollar Preisgeld aus.
Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) schließt für die Jackpot-Knacker einen Start beim Grand-Prix-Finale ein und zahlt die Summe an die Gewinner erst im jeweiligen Finalort aus. In diesem Jahr teilen sich fünf Athleten die 50 Kilo Gold. Von diesem Quintett ist auch 1 500-m-Weltrekordler Hicham El Guerrouj (Marokko) im Scheichtum Katar nach seiner Olympia-Niederlage gegen Noah Ngeny (Kenia) wegen angeblicher Hüftprobleme nicht dabei.
Greene aus der schnellsten Trainingsgruppe der Welt von Coach John Smith setzt bei den Meeting-Organisatoren seine Startgeld-Forderung immer mit 100 000 Dollar an. In Athen, wo er am 16. Juni 1999 den noch gültigen Weltrekord von 9,79 Sekunden gerannt war, lief er diesen Sommer als Vierter lustlos hinterher. Auch bei seinen Niederlagen in Helsinki und Gateshead war er bei schlechtem Wetter diese enorme Summe nicht wert.
Greene sorgte schon 1998 für Schlagzeilen, als er sich gegen Moskau als Austragungsort des Grand-Prix-Finales ausgesprochen und ebenfalls seinen Start abgesagt hatte. Sein Trainingskamerad Jon Drummond hatte zu einer Protestaktion aufgerufen, die 50 Athleten unterzeichneten. Greene begründete seine Startabsage damit, dass er vor einigen Jahren in Moskau war und bei der Ausreise "schlecht behandelt" wurde. Damals habe er für sich entschieden, nur noch nach Russland zu gehen, wenn es absolut notwendig ist. "Das ist nur bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen der Fall."
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