Roger Federer trifft auf Andy Roddick: 17-jährige Scharapowa gewinnt Wimbledon
zuletzt aktualisiert: 03.07.2004 - 16:47London (rpo). Die erst 17-jährige Russin Maria Scharapowa hat gegen Titelverteidigerin Serena Williams überraschend klar das Damenfinale von Wimbledon gewonnen. Sie ist die jüngste Titelträgerin seit Martina Hingis.
Die 17-jährige Russin setzte sich im Finale der 118. All England Championships völlig überraschend mit 6:1, 6:4 durch und feierte damit ihren ersten Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Sie ist die jüngste Wimbledon-Siegerin seit der 1997 mit 16 Jahren erfolgreichen Schweizerin Martina Hingis. Scharapowa kassiert für ihren Erfolg ein Preisgeld von 833.000 Euro. In der neuen Weltrangliste klettert sie von Rang 15 auf Platz acht.
"Ich kann es noch nicht glauben", sagte Scharapowa nachdem sie die Venus-Rosewater-Trophäe aus der Hand des Herzogs von Kent erhalten hatte: "Tut mir Leid, Serena, dass ich dir diese Trophäe für ein Jahr abnehmen musste."
Nach dem Matchball war sie zunächst auf die Knie gesunken und hatte die Hände fassungslos vor das Gesicht geschlagen. Anschließend kletterte sie hoch in die Loge, wo Vater Juri saß. Bei der langen und innigen Umarmung flossen auch die Tränen: "Meinem Vater und meiner Mutter verdanke ich alles", sagte die Teenagerin, "ihr wart in guten und in schweren Zeiten immer für mich da."
Erst mal die Mama
Auf dem Platz versuchte sie dann noch vor der offiziellen Ehrung ihre Mutter in Florida per Handy anzurufen, aber es gab kein Netz. "Technik funktioniert nie, wenn man sie braucht", meinte die neue Wimbledon-Siegerin.
Serena Williams akzeptierte ihre erste Niederlage auf dem "heiligen Rasen" nach 20 Siegen in Folge mit viel Stil. "Ich gratuliere Maria zu ihrem ersten Grand Slam", sagte die Unterlegene mit einem fröhlichen Lachen, "das war einfach nicht mein Tag."
Sie ist damit bei dem Versuch gescheitert, als erste Spielerin seit Steffi Graf (1991 bis 1993) das bedeutendste Tennisturnier der Welt dreimal in Folge zu gewinnen. Nach ihrem Wimbledon-Sieg im Vorjahr musste die 22-Jährige acht Monate wegen einer Knieverletzung pausieren und war deshalb in der Weltrangliste abgerutscht. Sie verbesserte sich durch die Finalteilnahme vom 14. auf den zehnten Platz und kassierte 416.000 Euro Preisgeld. "Ich bin froh, dass ich nach der harten Zeit so schnell wieder da bin", meinte Williams, "ich liebe Wimbledon."
Federer gegen Roddick
Im Herren-Endspiel am Sonntag (15.00 Uhr MESZ) fordert der Weltranglisten-Zweite Andy Roddick Titelverteidiger Roger Federer heraus. Der US-Amerikaner setzte sich in der Verlängerung des zweiten Halbfinales am Samstag mit 6:4, 4:6, 7:5, 7:5 gegen den 20 Jahre alten Kroaten Mario Ancic durch und erreichte damit erstmals in seiner Laufbahn das Endspiel in Wimbledon. Der Schweizer Champion Federer setzte sich im ersten Halbfinale gegen den Franzosen Sebastien Grosjean mit 6:2, 6:3, 7:6 (8:6) durch. Beide Matches waren am Freitag wegen Regens abgebrochen worden.
Richard Williams hate das Unheil für seine Tochter bereits vor dem Match geahnt. "Ich bin nervös, dieses Mädchen hat in den letzten Tagen sehr gut gespielt", sagte der exzentrische Trainer-Vater, "aber ich habe Serena gesagt, sie soll ruhig bleiben, sie ist die Spielerin, die zu schlagen ist."
Bollitieri-Schülerin
Das gelang der sechsmaligen Grand-Slam-Siegerin im ersten Satz aber zu keinem Zeitpunkt. Übernervös leistete sie sich zahlreiche Fehler, während ihre unerfahrene Gegnerin scheinbar eiskalt ihr Spiel spielte. Mit sicherem Aufschlag und vor allem ihrer krachenden Vorhand beherrschte die langhaarigen Blondine den ersten Satz fast nach Belieben. Nach nur 30 Minuten hatte sie den Durchgang für sich entschieden.
Als Siebenjährige war Scharapowa von ihrem Vater Juri in der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri angemeldet worden und wurde dort jahrelang auf eine Profilaufbahn vorbereitet. "Es waren harte Jahre, aber es hat sich schließlich ausgezahlt", sagte sie, "ich habe gelernt zu kämpfenm, und ich gebe niemals auf."
Diese Eigenschaften brachten sie auch im zweiten Satz wieder ins Spiel, als sie nach Williams' erstem Break mit 2:4 in Rückstand geriet, aber ihrerseits sofort der nun wesentlich besser spielenden Amerikanerin den Aufschlag zum 3:4 wieder abnahm und anschließend völlig sicher zum 4:4 ausglich. Damit war Williams im Grunde bezwungen, sie gab anschließend ihren Aufschlag ab und Scharapowa ließ sich die Chance zum größten Triumph ihrer noch jungen Karriere nicht mehr nehmen. Nach 1:13 Stunden verwandelte sie ihren dritten Matchball.
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