Poker-WM in Las Vegas: 23-Jähriger gewinnt neun Millionen Dollar
VON SEBASTIAN HUPPERTZ - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010 - 13:51Düsseldorf (RPO). Es ist das Turnier. Ob Glücksritter oder kühl-kalkulierender Mathematiker, ob Amateur oder Profi – einmal im Leben das Main Event der World Series of Poker zu gewinnen, das ist der größte Traum eines jeden Pokerspielers. Der Kanadier Jonathan Duhamel hat sich in Las Vegas nun diesen Traum erfüllt. Sein Lohn für diese Mühe: der Weltmeistertitel, ein goldenes Armband und knapp neun Millionen US-Dollar.
Früher ging Jonathan Duhamel noch regelmäßig zur Uni. Doch vor zwei Jahren brach er das Studium der Wirtschaftswissenschaften ab. Einfach so. Das Einkommen in seinem Nebenjob war zu verlockend. Seine Eltern waren nicht grade erfreut, als er sich damals dazu entschied, sein Hobby zum Beruf zu machen. Trotzdem wurde Duhamel Poker-Profi. Heute ist er 23 Jahre alt und neunfacher Millionär.
Poker ist ungerecht
Dabei war für Duhamel der Traum vom Sieg eigentlich schon längst vorbei. Eigentlich. Wenn am 8. Turnier-Tag Mitte Juli der Dealer nicht als letzte Karte die Karo Acht aufgedeckt hätte. Nur noch 15 Spieler waren im Turnier, niemand wollte so kurz vor dem Ziel rausfliegen. Der Kanadier schätzte die Lage falsch ein, hatte lediglich eine 20-prozentige Gewinnchance gegen die beiden Asse seines Kontrahenten. Doch Poker ist manchmal ungerecht: Duhamel gewann in dieser brenzligen Situation viele Chips, sein Gegner musste fassungslos das Turnier verlassen. Duhamel konnte es egal sein, er holte sich die Führung und galt ab sofort als Favorit für das Finale im November.
Er war nun ein Mitglied der sogenannten "November Nine", der letzten neun verbleibenden Spieler des Turniers. Vor Beginn des Finals gab sich der 23-Jährige äußerst siegessicher: "Ich werde gewinnen. Hundertprozentig. Ich bin der Beste“, gab er dem "Cardplayer Magazine" zu Protokoll. Am Ende konnte ihn tatsächlich niemand aufhalten. Mit Ass hoch gewann er die letzte Hand des Turniers gegen den Zweitplatzierten John Racener und damit den riesigen Geldhaufen, der nun vor ihm lag. Seine Siegprämie: 8.944.310 Dollar.
Traum von Ruhm und Reichtum
Alljährlich im Sommer wird Las Vegas zum Mekka der Pokerspieler. Die wohl bekannteste Turnierserie der Welt umfasst über 50 Einzeldisziplinen, unterteilt in verschiedene Preisklassen und Varianten. Der Traum von Ruhm und Reichtum lockt viele solvente und abenteuerlustige Amateure in die Zockermetropole – und damit natürlich auch die Profis. Das Highlight jedes Jahres ist das letzte Turnier der Serie: das sogenannte Main Event. Gespielt wird dann in der Disziplin No-Limit Hold'em, der seit Jahren beliebtesten Pokervariante weltweit. Dieses Jahr entrichteten 7.319 Spieler das Startgeld von 10.000 Dollar, sorgten damit für einen Netto-Preispool von 68.798.600 Dollar
Duhamel ist der erste Kanadier in der 40-jährigen Geschichte der World Series of Poker, der das Main Event gewann. Doch die meisten Pokerfans drückten beim Finale wahrscheinlich dem Amerikaner Soi Nguyen die Daumen. Der 37-Jährige war der einzige Amateur neben den acht Profis am Finaltisch, musste allerdings auch als Erster den Tisch verlassen. Immerhin kassierte er für den neunten Platz noch ansehnliche 811.823 Dollar.
Der Moneymaker-Effekt
2003 löste der Sieg eines Amateurs beim Main Event einen weltweiten Pokerboom aus. Mit gerade einmal 40 Dollar qualifizierte sich der Buchhalter Chris Moneymaker bei einem Online-Anbieter für das Großereignis in Las Vegas. Im Spielerparadies wurde er sensationell Weltmeister und gewann überraschend 2,5 Millionen Dollar. Die Auswirkungen des Moneymaker-Effekts erkennt man an den Teilnehmerzahlen der folgenden Jahre. Im Moneymaker-Jahr nahmen 839 Spieler an der Weltmeisterschaft teil, im Jahr danach waren es schon 2576. Im bisherigen Rekordjahr 2006 entrichteten sogar 8733 Spieler das Startgeld.
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