Los Angeles (rpo). Schwergewichts-Weltmeister Roy Jones Jr. setzt auch im Halbschwergewicht Maßstäbe: Er hat elf Kilogramm abgespeckt - und jetzt einen Weltmeistertitel mehr. Allerdings tat er sich gegen Antonio Tarver sichtlich schwer.
Antonio Traver (links) musste seinen Titel an Roy Jones abgeben. Foto: AP
In der Nacht zum Sonntag besiegte Jones nur mit größer Mühe seinen Landsmann und Titelverteidiger Tarver über zwölf Runden nach Punkten (117:111/116:112/ 114:114) und holte sich den Weltmeistertitel des World Boxing Councils (WBC) zurück.
Diesen hatte er im Frühjahr abgegeben, um in der "Königsklasse" boxen zu können. Am 1. März holte sich Jones Jr. durch einen Punktsieg gegen John Ruiz (USA) den WM-Gürtel der World Boxing Association (WBA), in dessen Besitz er außerdem noch ist.
"Durch das Gewichtmachen bin ich unheimlich müde gewesen. Ich werde nie wieder in diesem Limit kämpfen, das war mein letzter Fight", sagte der im Gesicht schwer gezeichnete Jones Jr. nach seinem 49. Sieg im 50. Profikampf, für den er eine Garantiebörse von fünf Millionen Dollar überwiesen bekam. Jetzt möchte der Olympia-Zweite von 1988 nur noch einen "Mega-Dollar-Fight im Schwergewicht gegen Mike Tyson bestreiten, und dann werde ich aufhören". Die Chancen stehen gut, sagte Jones Jr., dass beide im kommenden Jahr ihre Fäuste im Ring kreuzen werden.
Jones Jr. ging als 8:1-Favorit in das Duell mit Tarver, doch von seiner erwarteten Überlegenheit war im Mandalay Bay Casino nichts zu sehen. Er wurde von seinem sechs Zentimeter größeren Herausforderer, den er als 13-Jähriger schon einmal besiegt hatte, durch dessen Reichweiten-Vorteile zumeist auf Distanz gehalten. Seine gefürchteten blitzschnellen Kombinationen konnte der 34-Jährige nur selten landen. Zudem wurde er häufiger getroffen als in seinen Kämpfen zuvor.
"Ich ziehe den Hut vor ihm. Er wollte echt gewinnen. Es war der schwerste Kampf meiner Karriere", anerkannte Jones Jr., dessen linkes Auge zugeschwollen war. Ausschlaggebend für seinen Erfolg waren die vielen Körpertreffer, die Rechtsausleger Tarver in der Schlussrunde so arg zusetzten, dass ein K.o. drohte.
Die über 9000 Zuschauer quittierten das Punkturteil mit einem lauten Pfeifkonzert und buhten den neuen Titelträger aus. Sie sahen in dem gleichaltrigen Tarver, der für seine zweite Niederlage im 23. Fight eine Börse von 1,6 Millionen Dollar kassierte, den Gewinner des Abends. Auch der entthronte Verlierer verstand die Welt nicht mehr. "Ich habe Roy deutlich und mühelos geschlagen. In seinem Gesicht ist die wahre Story zu lesen", sagte Tarver bitter enttäuscht.
Superweltergewichtler Ronald Wright (USA - 46 Siege/3 Niederlagen) hatte zuvor in einem WM-Kampf seinen Titel der International Boxing Federation (IBF) gegen Angel Hernandez (Mexiko - 26/5) über zwölf Runden nach Punkten (119:109/118:110/ 117:111) verteidigt.
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