Melbourne/Neuss (rpo). Warten, Hoffen, Bangen - unter diesem Motto steht die Vorbereitung der deutschen Daviscupspieler auf die Australian Open in Melbourne. Rainer Schüttler, Melbourne-Finalist 2003 und in diesem Jahr mit seinem taiwanesischen Trainingspartner Rendy Lu Doppelsieger in Chennai, erwartet das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres "in aller Ruhe und Gelassenheit".
Rainer Schüttler ist bereits in Melbourne angekommen. Foto: AP
Tommy Haas dagegen äußerte nach seinem Muskelfaserriss am Dienstag erstmals wieder vorsichtige Hoffnung und der an einem Virus erkrankte Nicolas Kiefer bangt um rechtzeitige Genesung.
Anca Barna (Nürnberg) und Marlene Weingärtner (Leimen) kommen derweil immer besser in Schwung. Beim WTA-Turnier in der australischen Hauptstadt Canberra erreichten die beiden Fed-Cup-Spielerinnen fast gleichzeitig das Viertelfinale. Barna profitierte beim 6:1, 3:2 gegen die Luxemburgerin Claudine Schaul von der verletzungsbedingten Aufgabe ihrer Gegnerin und trifft in der Runde der letzten Acht auf Lindsay Lee-Waters (USA) oder die Ungarin Aniko Kapros.
Weingärtner schlug die an Nummer acht gesetzte Italienerin Tathiana Garbin mit 6:4, 6:3 und spielt im Viertelfinale gegen die Ungarin Melinda Czink oder die an Nummer zwei gesetzte Anna Smashnova (Israel). Am Mittwoch hat auch noch Deutschlands Nummer eins Anna-Lena Grönefeld gegen die an Nummer eins gesetzte Italienerin Silvia Farina Elia die Chance, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren.
Für die zweite deutsche Herren-Garde gab es dagegen in dieser Woche nicht viel zu holen. Ebenso wie Florian Mayer in Sydney musste auch Philipp Kohlschreiber in Auckland nach der ersten Runde die Koffer packen. Der Qualifikant aus Bamberg unterlag dem Spanier Alberto Martin mit 4:6, 5:7.
Schüttler bereits vor Ort
Seit Sonntagabend ist Rainer Schüttler bereits in Melbourne, wo er vor zwei Jahren das bisher größte Turnier seiner Karriere spielte. Seine Ziele für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres formuliert er vorsichtig. "Vor der Knieoperation hatte ich sehr hohe Erwartungen, jetzt will ich erst einmal meinen Spielrhythmus finden", sagte er im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt. Dem Kollegen Tommy Haas traut Schüttler dagegen Großes zu: "Er war schon zweimal im Halbfinale von Melbourne. Er liebt den Belag, die Hitze."
Um wie von Schüttler vorausgesagt in Melbourne weit zu kommen, muss Haas jedoch erstmal seine beim Hopman-Cup in Perth erlittene Oberschenkelverletzung auskurieren. "Ich habe am Montag und Dienstag jeweils eine Stunde trainiert, allerdings nicht volle Pulle", sagte Haas dem sid: "Kurze Links-Rechts-Sprints an der Grundlinie habe ich noch vermieden, ich will das Bein nicht überstrapazieren. Erst ab Donnnerstag werde ich wieder richtig Gas geben."
Grundsätzlich ist Haas mit dem Heilungsprozess ausgesprochen zufrieden. "Ich habe keine Schmerzen mehr beim Gehen, deswegen bin ich eigentlich recht zuversichtlich, dass die Zeit bis zu den Australian Open reicht", erklärte er.
Gemeinsam mit seinem Physiotherapeuten Dave Hogarth und seinem Coach Red Ayme hat Haas ein Fitness-Programm für die nächsten Tage ausgearbeitet, bei dem auch Schwimmen eine große Rolle spielt: "Das ist gut für die Muskulatur, weil sie arbeiten muss, aber trotzdem nicht so sehr strapaziert und belastet wird."
Gar keine konkreten Prognosen gibt es derzeit von Nicolas Kiefer. "Mein aktueller Gegner heißt Virus, gegen den kein Topspin und kein Slice hilft", teilte Kiefer auf seiner Homepage (www. nicolaskiefer.de) mit: "Ich weiß nur, dass ich seit letzten Freitag brutal platt bin. Die Trainingseinheit mit Andre Agassi am Montag war vielleicht der entscheidende Rückschlag, weil ich zu viel gemacht habe. Jetzt muss ich viel schlafen und versuchen, schnell auf die Beine zu kommen."
Quelle: sid