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Venus Williams ausgeschieden: Agassi und Henin-Hardenne dominieren die Australian Open

zuletzt aktualisiert: 25.01.2004 - 12:01

Melbourne (rpo). Zum 25. Mal in Folge verließ der Amerikaner Andre Agassi bei den Australian Open den Platz als Sieger. Bei den Herren dominiert der Vorjahressieger das Feld ähnlich souverän wie die  topgesetzte Belgierin Justin Henin-Hardenne bei den Damen.

Schock hingegen für "Tennistouristin" Venus Williams: Sie verabschiedete sich nach dem bislang größten Favoritensturz frustriert zum Ayers Rock. Bei ihrem Comeback nach halbjähriger Verletzungspause scheiterte die einstige Nummer 1 der Welt schon in Runde drei mit 4:6, 6:7 (5: 7) an ihrer US-Landsfrau Lisa Raymond. Als letzter Deutscher packte Karsten Braasch nach seiner Niederlage im Doppel-Achtelfinale die Koffer.

Andre Agassi wollte dagegen nichts von Abreise wissen und zog durch ein 7:6 (7:3), 6:3, 6:4 gegen den Thailänder Paradorn Srichaphan bereits ins Viertelfinale ein. "Ich habe im richtigen Moment richtig gutes Tennis gespielt. Aber mir hat auch dieses grandiose Publikum geholfen", erklärte Agassi und verteilte Handküsse an die 15.000 Fans.

Seit der Achtelfinal-Niederlage gegen Vince Spadea vor fünf Jahren hat er in Melbourne nicht verloren, ist 2004 noch ohne Satzverlust und niemand scheint ihn auf dem Weg zum fünften Titel in der Rod-Laver-Arena stoppen zu können.

Nervenstark wehrte Agassi im ersten Durchgang fünf Satzbälle ab, diktierte danach mit krachenden Grundschlägen das Match und stand nach 122 Minuten als Sieger fest. "Je älter du wirst, um so härter wird es. Auf und abseits des Courts", meinte der Ehemann von Steffi Graf. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: In der extra angemieteten Villa warteten schon seine Kinder Jaden Gil und Jaz auf ihn.

Nach einem Ruhetag trifft Agassi im Viertelfinale auf den Franzosen Sebastien Grosjean, den er im Vorjahr an gleicher Stelle klar bezwungen hat. Im Halbfinale könnte es zum langersehnten Duell der Generationen gegen seinen topgesetzten Landsmann Andy Roddick kommen, der nach dem 6:1, 6:2, 6:3 gegen den Holländer Sjeng Schalken ebenfalls noch ohne Satzverlust ist.

"Ich habe grandios gespielt, werde von Spiel zu Spiel besser. Aber der Titel gehört so lange Andre, bis ihn jemand geschlagen hat", meinte Roddick. Schließlich muss er zuvor noch den wiedererstarkten Marat Safin bezwingen. Der Russe spielte den Punkt des Tages in Melbourne, als ihm sein Racket beim Breakball zum vorentscheidenden 5:3 im vierten Satz aus der Hand flog und der Ball als Lob über den verdutzten James Blake (USA) hinwegflog.

"Kann es einfach nicht glauben"

Weniger Glück hatte Venus Williams, die sich nach ihrer frühesten Australien-Pleite verstohlen die Augen wischte. "Ich bin völlig geschockt und kann es einfach nicht glauben. Jetzt bin ich eine Tennistouristin, werde die zwölf Apostel und vielleicht auch den Ayers Rock sehen."

Die ungewollte Sightseeing-Tour verschuldete Williams selbst, weil sie sich auf dem Court längst nicht so gut wie vor ihrer langwierigen Bauchmuskelzerrung bewegte und die sonst so knallharten Grundschläge zu oft ins Aus flogen. Die dunkelhäutige Grazie will jetzt noch härter trainieren und baut auf die Rückkehr ihrer in Melbourne verletzungsbedingt fehlenden Schwester Serena.

Die größten Chancen auf deren Nachfolge als Australien-Siegerin hat die topgesetzte Belgierin Justin Henin-Hardenne, die aber einen Satzball auf dem Weg zum 6:1, 7:6 (7:5) gegen die starke Qualifikantin Maria Santangelo (Italien) abwehren musste. "Ich muss mich ziemlich steigern, wenn ich hier gewinnen will", erklärte Henin-Hardenne.

Nächste Gegnerin im Viertelfinale ist die US-Amerikanerin Lindsay Davenport, die sich 6: 1, 6:3 gegen die Russin Wera Swonarewa durchsetzte. Amelie Mauresmo aus Frankreich warf mit dem 7:5, 7:5 gegen Alicia Molik die letzte Australierin aus dem Wettbewerb und trifft nun auf die Kolumbianerin Fabiola Zuluaga (6:4, 6.2 gegen Aniko Kapros/Ungarn).

Schlechtestes Resultat seit 1974

Im Einzel waren die Deutschen auf dem Weg zum schlechtesten Australien-Resultat seit 30 Jahren bereits bis Runde zwei gescheitert, im Doppel musste Braasch als Letzter nach dem 5:7, 2:6 mit seinem armenischen Partner Sargis Sargsian gegen die Argentinier Gaston Etlis/Martin Rodriguez gehen. "Das Ergebnis ist Mist für das deutsche Tennis, aber für mich war es hier superschön", erklärte Braasch.

Die knapp 10.000 Euro Preisgeld wollte er in einen Casinobesuch und die Fortsetzung seiner Tennis-Karriere investieren. Der 36-Jährige hofft, sich mit seiner Leistung für ein Comeback im Daviscup und eine Olympia-Nominierung empfohlen zu haben: "Wenn die mich für Athen nominieren, drehe ich komplett durch."


 
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