Silber im Stabhochsprung: Annika Becker holt erste Medaille für Deutschland
zuletzt aktualisiert: 25.08.2003 - 20:22Paris (rpo). Deutschlands Leichtathleten haben nach dem Fehlstart vom Wochenende ihr erstes WM-Edelmetall in Paris gewonnen: Die 22-jährige Annika Becker aus Erfurt wuchs im Stabhochsprung über sich hinaus und holte Silber.
Annika Becker hat die Durststrecke der deutschen Leichtathleten im sommerlichen Paris mit Silber-Glanz beendet. Die 22-Jährige aus Erfurt wuchs am Montagabend bei den Weltmeisterschaften in Paris beim Saisonhöhepunkt über sich hinaus und bescherte dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) am dritten Wettkampftag die erste Medaille. Mit 4,70 m musste sich die deutsche Rekordhalterin nur der russischen Europameisterin Swetlana Feofanowa (4,75) beugen. Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa (Russland/4,65) wurde Dritte. Die Amerikanerin Stacy Dragila verpasste mit 4,55 m nach den Titeln von 1999, als der Stabhochsprung der Frauen seine WM-Premiere erlebte, und 2001 den erhofften Hattrick. Yvonne Buschbaum (Stuttgart/4,50) belegte Plart sechs.
"Das ist eine Erleichterung und gibt hoffentlich einen Schub. Wir sind am liebsten erfolgreich", meinte Rüdiger Nickel, der DLV- Vizepräsident für Leistungssport. Zuvor hatte die Chemnitzerin Heike Meißner gejubelt - und war 20 Minuten später bitter enttäuscht: Die Vize-Europameisterin wähnte sich als Vierte ihres Halbfinales über 400 m Hürden schon im Endlauf, wurde dann aber disqualifiziert. Hochspringer Roman Fricke aus Leverkusen blieb als 13. bei 2,20 m hängen und damit sieben Zentimeter unter seiner Bestleistung aus der Qualifikation.
Um 19.50 Uhr war Maurice Greenes Traum vom historischen vierten 100-m-Titel in Serie geplatzt: Der 29 Jahre alte Amerikaner lief seinen Konkurrenten hinterher und humpelte dann im zweiten Halbfinale in 10,37 Sekunden nur als Achter ins Ziel. Sein "Masterplan", mit nur fünf Saisonrennen zum WM-Höhepunkt in Paris topfit zu sein, ist gescheitert. "Mein Muskel hat peng gemacht, und dann wurden die Schmerzen immer stärker", jammerte der Olympiasieger. Damit ist die bestmögliche US-Sprintstaffel schon gesprengt: Greene kann nicht, und Jon Drummond droht nach seinem "Liegestreik" der WM-Rauswurf.
Hammerwurf: Tichon holte Titel
Die Fans hatten zuvor schon wieder einen weißrussischen Recken als Sieger gefeiert: Zwei Tage nach Kugelstoßer Andrej Michnewitsch holte sein Landsmann Iwan Tichon überlegen den Titel im Hammerwurf. Im letzten Versuch steigerte sich der 27-Jährige noch einmal auf 83,05 m und setzte sich vor Europameister Adrian Annus (Ungarn/80,36) und dem Japaner Koji Murofushi (80,12) durch. Ex-Weltmeister Karsten Kobs, der bereits in der Qualifikation gescheitert war, dürfte sich nun doppelt ärgern: Mit seiner Weite vom Europacup in Florenz (80,63) wäre der Leverkusener Zweiter geworden.
Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) hat ultimativ vom amerikanischen Verband eine Bestrafung von Sprinter Jon Drummond gefordert. "Es muss disziplinarische Maßnahmen geben", erklärte IAAF- Generalsekretär Istvan Gyulai am Montag in Paris, "das war eine grobe Unsportlichkeit." Drummond hatte am Sonntag nach seiner Disqualifikation wegen Fehlstarts im 100-m-Zwischenlauf in einem regelrechten Amoklauf gegen die Entscheidung protestiert. Laut Gyulai muss der US-Verband bis Dienstagabend Sanktionen aussprechen.
Stabhochsprung, Frauen:
1. Swetlana Feofanowa (Russland) 4,75 m
2. Annika Becker (Erfurt) 4,70
3. Jelena Isinbajewa (Russland) 4,65
4. Stacy Dragila (USA) 4,55;
5. Monika Pyrek (Polen) 4,55;
6. Yvonne Buschbaum (Stuttgart) 4,50;
7. Anna Rogowska (Polen) 4,45;
8. Jelena Beljakowa (Russland) 4,45
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